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Bauern müssen mehr für die Umwelt ackern

Agrarreform und die Folgen Bauern müssen mehr für die Umwelt ackern

Greening – was ist das denn? Wollen Bauern weiter volle EU-Prämien kassieren, müssen sie seit diesem Jahr zusätzliche Leistungen für Natur und Umwelt erbringen. Auf den Feldern des Mötzower Vielfruchthofes blühen deshalb Senf und Ölrettich. Die EU sagt Greening dazu.

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Insa Thiermann vom Mötzower Vielfruchthof zwischen Senf und Ölrettich.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Mötzow. Ihre tief reichenden Wurzeln lockern nicht nur den Boden auf. Sie sammeln auch Stickstoff ein. Die gelben und weißen Blüten dagegen sind Landeplätze für Bienen auf der Suche nach dem letzten Nektar vor der Winterpause. Weit reicht das Auge über die Felder des Mötzower Vielfruchthofes voller hochgewachsener Senf- und Ölrettichpflanzen zwischen denen das Wild neue Deckung findet.

Die so genannten Zwischenfrüchte überbrücken mit ihrer Grünmasse die Zeit nach der Getreideernte bis zur Frühjahrsbestellung. Die blühenden Landschaften in der Nachbarschaft des Beetzsees sind keine Zugabe der Bundesgartenschau, sondern ein Tribut an neue Vorgaben der Europäischen Union.Unter dem Schlagwort Greening hat die EU in diesem Jahr ein neues Kapitel der Agrarreform aufgeschlagen.

Auflagen der EU

Im Kern geht es um die Erbringung zusätzlicher Leistungen für Natur und Umwelt. Wer weiter den vollen Prämiensatz im Rahmen der EU-Direktzahlungen kassieren will, muss sich seit 2015 den Greening-Auflagen fügen. Der Anbau von Zwischenfrüchten wie Senf, Ölrettich, Lupinen, Futtererbsen oder Klee bekommt wieder eine größere Bedeutung. Zusammen mit Hecken, Aufforstungen, Brachen, Tümpeln, Feldrandstreifen, Terrassen, Steinwällen und anderen Landschaftselementen müssen sie mindestens fünf Prozent der gesamten Brutto-Ackerfläche eines Betriebes einnehmen. Die Greening-Macher in der EU sprechen von ökologischen Vorrangflächen.

Betriebsprämie abgelöst

Landwirte erhalten 30 Prozent ihrer Direktzahlungen nur dann, wenn sie zusätzliche Umweltleistungen erbringen. Auf Ackerflächen gelten die Vorgaben der ökologischen Vorrangflächen und der Anbaudiversifizierung. Letzteres bedeutet den Anbau von mindestens drei Kulturen für Betriebe ab 30 Hektar Ackerfläche in der Zeit vom 1. Juni bis 15. Juli.Für Dauergrünland gilt das Erhaltungsgebot.

Anstelle der bisherigen Betriebsprämie gibt es vier Prämienelemente im Rahmen der EU-Direktzahlungen. Den Löwenanteil nimmt die Basisprämie mit durchschnittlich rund 187 Hektar im Jahr 2015 ein. Die Greeningprämie beträgt 85 bis 87 Euro je Hektar. Dann gibt es noch Umverteilungs- und Junglandwirteprämien.

Der Vielfruchthof in Mötzow, der sonst nur für seinen Spargel bekannt ist, hat 273 Hektar einer Mischung aus den Kreuzblütlern Gelbsenf und Ölrettich überlassen. „Die Alternative wäre nach der Roggenernte die Bestellung mit einer anderen Winterkultur gewesen. Doch mit dem Greening haben wir die Anbaupläne den neuen Vorgaben angepasst“, erklärt Insa Thiermann (26). Die Tochter von Gutspächter Heinrich Thiermann mit einem Studienabschluss im Obst- und Gemüsebau kümmert sich unter anderem um die Folgen der veränderten Agrarförderung für den Vielfruchthof, der in Mötzow, Lünow, Grabow und anderen Standorten rund 1200 Hektar unter dem Pflug hat.

Anbau wird kontrolliert

Auf rund sieben Prozent ökologischer Vorrangflächen bringt es der Vielfruchthof. Feldgehölze, Pufferstreifen und Baumreihen sind dabei besonders wertvoll. Zwischenfrüchte haben einen deutlich geringeren Gewichtungsfaktor, weshalb der Greening-Rechner zum Handwerkszeug der Landwirte geworden ist. Ein Hektar Senf/Ölrettich bedeutet nur 0,3 Hektar anzurechnender ökologischer Vorrangfläche. Trotz aller Rechnerei ist Greening kein Hexenwerk. „Zwischenfrüchte, Blühstreifen und andere Landschaftslemente gab es schon früher. Jetzt ist der Anbau verpflichtend und wird auch kontrolliert“, berichtet Alexandra Liepe, zuständig für das Feldmanagement auf dem Vielfruchthof. Als nächste Umweltmaßnahme wird der Agrarbetrieb im Winterhalbjahr am Rande des Fritze-Bollmann-Weges in Brandenburg eine Hecke mit Feldgehölzen gegen Winderosion von den neu angelegten Spargelfeldern pflanzen.

Apropos Spargel: Auch so eine Vorgabe des Greenings. Die Hauptkultur darf maximal 75 Prozent der Ackerfläche ausmachen. Für den Vielfruchthof kein Problem. Das Edelgemüse wächst nicht einmal auf der Hälfte des Bodens, auch wenn der optische Eindruck im Frühjahr ein anderer sein mag. Streng wird mit dem Dauergrünland umgegangen.260 Hektar hat der Vielfruchthof davon. Je nach Schutzstatus des Standortes unterliegt es einem absoluten Umwandlungs-und Pflugverbot oder darf nur mit Genehmigung und gleichzeitiger Ersatzanlage verändert werden.

Im ersten Jahr des Greenings zieht der Vorsitzende des mittelmärkischen Kreisbauernverbandes, Jens Schreinicke, eine verhalten positive Bilanz: „Wir Landwirte stemmen uns nicht gegen die gesellschaftlichen Vorgaben. Diese sind in unserer noch reich strukturierten Landschaft leistbar und wurden oft schon praktiziert.“ Auf Dauer sollte jedoch der Effekt des Greenings für die Artenvielfalt genauer untersucht werden.

 

Von Frank Bürstenbinder

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