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Bauern und Naturschützer nähern sich an

Kranepuhl Bauern und Naturschützer nähern sich an

Naturschützer und Landwirte gehen nicht immer Hand in Hand. Im Hohen Fläming wächst jedoch das Bewusstsein für die Belange des Naturschutzes. Ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit wurde jetzt mit der Verleihung einer Plakette „Schwalben willkommen“ hervorgehoben. Es gibt allerdings auch noch Diskussionsbedarf, blickt man etwa in Richtung Biodiversität.

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Uwe Stahn, Ulrich Benedix und Friedhelm Schmitz-Jersch (von links) haben im Stall der Flämingrind-Genossenschaft Kranepuhl die Schwalbennester inspiziert und Tipps ausgetauscht, welche weiteren Möglichkeiten den Rauchschwalben auf dem Hof geboten werden können.

Quelle: Christin Iffert

Kranepuhl. Das Bewusstsein der Landwirte für die Belange des Naturschutzes wächst. Das wurde beim jüngsten Aufeinandertreffen von Vertretern des Naturschutzbundes Brandenburg (Nabu) sowie Steffen Bohl vom hiesigen Naturpark auf der einen Seite und dem Geschäftsführer der Flämingrind-Produktionsgenossenschaft, Ulrich Benedix, in Krahnepuhl auf der anderen Seite deutlich. Anlass war die Verleihung der Plakette „Schwalben Willkommen“ für das Agrarunternehmen.

Schwalben haben sich an den Lampen des Agrarbetriebes eingenistet

Schwalben haben sich an den Lampen des Agrarbetriebes eingenistet.

Quelle: Christin Iffert

Hunderte Rauchschwalben, die in der Mark Brandenburg auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen, haben sich ihre Nester vornehmlich an den Lampen der Ställe gebaut und beheben nun ganz natürlich das Fliegenproblem vor Ort. Die Plakette ist ein Signal, das zeigt, wie Landwirte und Naturschützer positiv zusammenarbeiten können.

Es bleiben Konflikte

Es gibt jedoch nach wie vor genügend Diskussionsstoff, etwa bei der Verwendung von Unkraut- und Schädlingsvernichter. Uneins sind sich beide Seiten beim Schutz von Gewässerrandstreifen, die im Hinblick auf die Neuregelung des Landeswassergesetzes von Bedeutung sind. Der Vorsitzende des Nabu Brandenburg, Friedhelm Schmitz-Jersch, plädiert für eine Verankerung der Gewässerrandstreifen im Gesetz. Mittelfristig soll eine geförderte Umwandlung in Grünland erfolgen. Damit sollen Einträge in die Gewässer reduziert, aber auch die Verwehungen von Pestiziden allgemein eingeschränkt werden, erklärte er.

Ulrich Benedix, der dem Vorstand des Landesbauernverbandes angehört, sieht eine gesetzliche Festlegung kritisch. Er denkt an massive Entwertungen der Ackerflächen. Hürden seien die Umwandlungen in Grünland, die möglicherweise im Grundbuch eingetragen werden könnten. Fragen ergeben sich bei der konkreten Umsetzung, so etwa zur Größe oder der Lage zwischen Äckern. Es fehlt zudem an entsprechenden Förderungen. Das seien aber lösbare Probleme, betont Ulrich Benedix.

Blühstreifen bleiben umstritten

Die von ihm geführte Genossenschaft hat sich auf die Rinderhaltung spezialisiert, bestellt aber auch 1700 Hektar Anbauflächen zum Beispiel mit Raps, Getreide, Futtermais oder Sonnenblumen. Um dem bedenklichen Rückgang der Insekten-Bestände entgegen zu wirken, wären Blühstreifen von Interesse. Doch Bauern und Naturschützer sind dazu geteilter Meinung.

Blühstreifen sind eine Option des sogenannten Greenings. Fünf Prozent der Flächen eines Landwirtschaftsbetriebes müssen demnach ökologische Vorrangflächen sein, um EU-Zahlungen zu erhalten. Die Landwirte können sich aus einem Baukastensystem aussuchen, welche Maßnahme sie umsetzen.

Bei Flämingrind wird auf Zwischenfruchtanbau gesetzt. Das sei für Biologie und Ackerbau gut, nicht ausschließlich für die Wirtschaftlichkeit. Dass Blühstreifen eigentlich eine sinnvolle Lösung wären, weiß der Unternehmenschef. „Aber angenommen ich führe diesen Streifen ein, dann gehen mir plötzlich viele Quadratmeter Anbaufläche verloren“, erklärt er. Da müsse man schließlich doch sehen, wie man 26 Mitarbeiter versorgen und andere Kosten decken kann.

EU-Vorgaben sind schlicht nicht praktikabel

Abgesehen davon sieht Steffen Bohl eine weitere Schwierigkeit: Die Vorgaben der EU, die von einer technischen Norm ausgehen, seien schlichtweg nicht praktikabel, springt ausgerechnet der Leiter der Naturparkverwaltung „Hoher Fläming“ den Bauern zur Seite. „Wenn ein Blühstreifen angelegt wird, muss das laut EU genau 20 Meter breit sein. Wenn der 19,7 Meter breit, dann gibt es Sanktionen und die Landwirte müssen Geld zurückzahlen“. Ist er zu breit, wird das ebenfalls sanktioniert.

Schwalben willkommen im Hohen Fläming

Wer an seinem Haus Schwalben duldet oder gar aktiv schützt, kann sich um die Plakette „Schwalben willkommen!“ beim Naturschutzbund bewerben.

Die Bestandszahlen waren in den vergangenen Jahren rückläufig, die Rauchschwalbe wird im Land sogar auf der roten Liste geführt.

Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, hat der Nabu Brandenburg das Projekt 2012 ins Leben gerufen.

Ein Austausch vor Ort, aber auch auf höherer Ebene, da sind sich Benedix und Fritz-Jersch einig, ist elementar. Im Hohen Fläming sei die Beteiligten bereits auf einem guten Weg. Dialoge fänden regelmäßig statt. „Und jede Seite muss die Ansprüche und Erfordernisse der anderen berücksichtigen“, sagt Schmitz-Jersch. Nur so könne man zu vernünftigen und haltbaren Ergebnissen kommen, die der Praxis standhalten.

Von Christin Iffert

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