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Bauern wollen weiter Ferkel kupieren

Potsdam-Mittelmark Bauern wollen weiter Ferkel kupieren

Die umstrittene Praxis, neugeborenen Ferkeln den Schwanz zu kupieren, soll nach Ansicht des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark beibehalten werden dürfen. Das fordern sie auf ihrer jüngsten Mitgliedervollversammlung. Das Bundeslandwirtschaftsministerium lässt derweil erforschen, warum sich Schweine gegenseitig in den Schwanz beißen.

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Schweine mit kupierten Schwänzen auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin.

Quelle: Foto:Bernd Gartenschläger

Mittelmark. Die umstrittene Praxis, neugeborenen Ferkeln den Schwanz zu kupieren, soll nach Ansicht des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark beibehalten werden dürfen. In seiner jüngsten Jahresmitgliederversammlung in der Heimvolkshochschule am Seddiner See richtete er den Appell an die Bundesregierung, den für die Schweinehaltung festgelegten Beschluss des Verbotes, Schweinen die Schwänze zu kupieren, wieder aufzuheben.

Eingeschränkt hat der Verband diese Forderung mit dem Zusatz, es müssten zunächst praktikable andere Lösungen gefunden werden. Zuvor hatte ein Verbandsmitglied einen glühenden Appell an den Vorstand gerichtet, die Forderung sei in die Liste aufzunehmen, mit denen sich die Interessenvertretung an die Landes- und Bundesregierung wenden möchte. „Ohne Schwänzekupieren bei Schweinen haben wir massive wirtschaftliche Probleme in unseren Betrieb“, sagte der Landwirt.

Bei Tierschützern gilt das Schwanzkupieren als Verstümmelung. Seit Jahren fordern sie ein generelles Verbot. Praktiziert wird es in der Schweinzucht ohne Betäubung. Es soll verhindern, dass sich die Tiere durch Bisse gegenseitig verletzen. Landwirte sehen darin sogar einen Beitrag zum Tierschutz, weil die Schmerzen und Verletzungen beim Schwanzbeißen größer seien als bei dem Kupieren, sagen sie.

Bisher galt es als zulässig bei unter vier Tage alten Ferkeln über eine Ausnahmeregel vom Tierschutzgesetz, wenn es in landwirtschaftlichen Betrieben Probleme mit Schwanzbeißen gebe. Das besagt die EU-Rechtslage.

Verbandschef: Schmerzen wie beim Tätowieren

Verbandschef Jens Schreinicke verteidigte in einem Gespräch mit der MAZ die Forderung: „Die Befindlichkeiten in der Bevölkerung dazu sind groß“, räumt er ein. „Schwanzkupieren wird aber seit 50 Jahren so praktiziert, weil selbst bei Biohaltungsformen die Schwänze angefressen werden“. Es sei dann eine häufigere Kontrolle in den Ställen nötig, gebissenen Tieren drohten schmerzhafte Entzündungen.

Eine Betäubung erfolge nicht, „das ist auch eine Preisfrage“, so Schreinicke. Nicht nur im Stress gebe es Schweine, die dazu neigten, Artgenossen zu beißen. Die Schmerzen eines Menschen, der tätowiert werde, seien größer als der Schmerz des Kupierens.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat auf MAZ-Anfrage Stellung genommen: „Das Ministerium engagiert sich mit verschiedenen Aktivitäten, die Ursachen für das Auftreten von Schwanzbeißen zu ergründen und Maßnahmen zu entwickeln, um das Risiko des Auftretens von Schwanzbeißen zu minimieren“, sagte Pressesprecherin Christina Wendt, „damit künftig auf das Schwänzekupieren verzichtet werden kann.“

 

Von Marion von Imhoff

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