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Potsdam-Mittelmark Bauernbund wünscht sich über 100 wolfsfreie Zonen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bauernbund wünscht sich über 100 wolfsfreie Zonen
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15:31 12.12.2018
Der Wolf beschäftigt die Kommunalpolitiker in Potsdam-Mittelmark. Der Ruf nach wolfsfreien Zonen wird die Ausbreitung der streng geschützten Rückkehrer nach jetziger Rechtslage nicht verhindern. Quelle: Dpa
Mittelmark

Der Präsident des Brandenburger Bauernbundes hat ein Ziel vor Augen. Bis zur Landtagswahl im September 2019 soll es über 100 Kommunen geben, die den Wolf aus ihren Gemarkungen verbannt wissen wollen. Bis jetzt haben sich etwa 30 Städte und Gemeinden der Bewegung der sogenannten wolfsfreien Zone angeschlossen. „Wir sind auf einem guten Weg die 100 bis dahin zu erreichen“, sagte Marco Hintze aus Krielow der MAZ. Von Ausrottung ist keine Rede. Vielmehr sollte die Ausbreitung auf Truppenübungsplätze oder Schutzgebiete konzentriert werden, so Hintze.

Streng geschützte Art

Entsprechend gesetzlicher Bestimmungen ist der Wolf eine in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern streng zu schützende Art. Zusätzlich unterliegt der Wolf den Handelseinschränkungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens sowie der Berner Konvention.

Als Reaktion auf die rasante Ausbreitung der Population hat Brandenburg zusammen mit Niedersachsen und Sachsen eine zehn Punkte umfassende Bundesratsinitiative zum Umgang mit dem Wolf auf den Weg gebracht. Zunächst beraten die Fachausschüsse der Länderkammer.

Die drei Länder hatten eine Erweiterung des Bundesnaturschutzgesetzes vorgeschlagen, um die Spielräume des EU-Rechts auch in Deutschland nutzen zu können. Dabei soll auch die Möglichkeit der Bestandsregulierung erwogen werden.

 

Der selbstständige Landwirt, der selbst schon Weidetiere an den Wolf verloren hat, ist auch Gemeindevertreter in Groß Kreutz (Havel). Dort haben die Kommunalpolitiker schon vor Monaten eine entsprechende Entschließung an die Landesregierung verabschiedet. Jüngstes Mitglied in dem Bündnis ist die Gemeinde Wollin (Amt Ziesar). Einstimmig schlossen sich am Dienstag die Gemeindevertreter der Forderung nach einer Reduzierung des Wolfsbestandes an. „Es ist das eingetreten, was Kritiker von Anfang an gesagt haben“, meinte Bürgermeister Gunar Wildemann mit Blick auf die ungehinderte Verbreitung der Raubtiere.

Forderung an Landesregierung

Die Wälder um Wollin gehören längst zum Aktionsraum der im Fläming heimischen Rudel. Auch wenn es verkürzt immer wieder so dargestellt wird, keine Kommune hat sich bislang selbst zur wolfsfreien Zone ausgerufen. Die Gemeinden verlangen vielmehr von der Landesregierung ihre Gemarkungen im Wolfsmanagementplan als nicht für eine Besiedlung durch den Wolf geeignet auszuweisen. Und zwar zum Schutz der Bevölkerung und der Weidetierhaltung. Außerdem wird die Aufnahme der vierbeinigen Rückkehrer in das Jagdrecht gefordert. An diesem Donnerstag steht das Thema auf Antrag der CDU-Fraktion bei der Stadtverordnetenversammlung in Werder auf der Tagesordnung. In Kloster Lehnin hat die politische Diskussion zur wolfsfreien Zone gerade begonnen.

Marco Hintze aus Krielow (Groß Kreutz/Havel) ist Präsident des Bauernbundes in Brandenburg, dem vor allem Familienbetriebe angehören. Der Bauernbund hat die Bewegung der sogenannten wolfsfreien Zonen aus der Taufe gehoben. Quelle: bbb

Tief im Westen Potsdam-Mittelmarks hat die wolfskritische Bewegung besonders starken Zulauf. Dort sind bereits mehrere Rudel grenzüberschreitend aktiv. Denn auch im Jerichower Land haben sich die Wölfe wieder erfolgreich angesiedelt. Mit den Gemeinden Bensdorf, Rogäsen, Rosenau und Wusterwitz hat sich sogar ein ganzes Amt den wolfsfreien Zonen angeschlossen. „Wir wissen um den symbolischen Charakter unseres Beschlusses. Doch wir wollen Druck auf die Landesregierung ausüben, um die unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes zu beenden“, so Rosenaus Bürgermeister Hans-Joachim Probst.

Immer mehr Gemeinden machen mit

Im benachbarten Amt Ziesar, ebenfalls an der Westgrenze zu Sachsen-Anhalt gelegen, gibt es nachgewiesene Rudel auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow, in der Bücknitzer Heide und bei Görzke. Jäger wollen Anzeichen für ein Rudel auch zwischen Ziesar und Paplitz gesichtet haben. Von Weidetierhaltern wurden im zu Ende gehenden Jahr zahlreiche Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere gemeldet. Die Stadt Ziesar hat sich ebenso wie die Gemeinden Buckautal, Gräben, Wenzlow und Wollin den wolfsfreien Zonen angeschlossen.

Übergriffe auf Weidetiere hat es in diesem Jahr zahlreich im Landkreis gegeben. Quelle: Ralf Högemann

Und was sagt die Landesregierung? Der Bürgermeister von Groß Kreutz (Havel), Reth Kalsow, hat jetzt eine Antwort aus dem Umweltministerium auf den im August verabschiedeten Beschluss zur wolfsfreien Zone bekommen. Zwar setzt sich Brandenburg gegenüber dem Bund für eine Lockerung des strengen Schutzes von Wölfen auf europäischer Ebene ein, doch über geltende völker- und europarechtliche Vorgaben kann sich die Landesregierung nicht hinwegsetzen.

Land lehnt Forderung ab

„Die Landesregierung wird daher keine Regelung beschließen, die offenkundig rechtswidrig sind. Dies gilt insbesondere für die Forderung nach einer Ausweisung wolfsfreier Gebiete und die Lizenzjagd nach schwedischem Vorbild“, stellt Justitiar Ekkehard Kluge klar. Der von den Gemeindevertretern gefasste Beschluss könne damit keine rechtliche Bindungswirkung entfalten. Jedoch werde der Beschluss als Meinungsäußerung für die weitere Diskussion um das künftige Wolfsmanagement in Brandenburg entgegengenommen, heißt es in der schriftlichen Reaktion aus dem Umweltministerium weiter.

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Von Frank Bürstenbinder

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