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Baumblütenfest: Bauern trotzen Terrorangst

Hunderttausende in Werder (Havel) erwartet Baumblütenfest: Bauern trotzen Terrorangst

Das Baumblütenfest in Werder (Havel) wird dieses Jahr von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet. So werden während des 138. Festes vom 29. April bis zum 7. Mai nicht nur weit größere Teile der Innenstadt als üblich gesperrt. Zudem sollen speziell bewaffnete Polzisten die Zufahrten zum Festgelände absichern.

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Baumblütenfest im vorigen Jahr: Rund eine halbe Million Menschen kamen.

Quelle: TOM KLEMENT

Werder (Havel). Die Werderaner Obstbauern kämpfen beim Blütenfest in diesem Jahr gegen die Terrorangst. Angesichts des tödlichen Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz vor vier Monaten müssen Besucher wie Anwohner mit deutlich stärkeren Sicherheitsvorkehrungen rechnen. So werden während des 138. Festes vom 29. April bis zum 7. Mai nicht nur weit größere Teile der Innenstadt als üblich gesperrt. Auch sollen Betonpoller verhindern, dass Fahrzeuge in das Festgelände eindringen können, sagt der 1. Beigeordnete der Stadt, Christian Große.

Kein Parkplatz im Innenstadtbereich

„Es handelt sich um präventive Maßnahmen angesichts der aktuellen Sicherheitslage“, erläutert die Stadt in einem Rundschreiben. „Im kompletten Innenstadtbereich wird kein Parkplatz mehr zur Verfügung stehen“, werden Anwohner gewarnt. Wer beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen ist, könne mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers einen Stellplatz außerhalb des Innenstadtrings beantragen. Die Polizei will mit zeitweise mehreren Hundert Beamten Präsenz zeigen. Speziell bewaffnete Polzisten würden zudem die Zufahrten zum Festgelände absichern. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt Polizeisprecher Heiko Schmidt. Es sei darum gegangen, die richtige Balance zwischen Schutz und Heiterkeit zu finden. „Es soll ein Familienfest bleiben.“

„Baumblüten-Express“ und „Blüten-Linie“

In den vergangenen Jahren kamen jeweils rund eine halbe Million Menschen zum Baumblütenfest. Damit beherbergt die 25 000 Einwohner zählende Stadt westlich von Berlin eines der größten Volksfeste Deutschlands. Und es hat eine lange Tradition: Bereits 1879 luden die Obstbauern zum Höhepunkt der Baumblüte in den Berliner Zeitungen dazu ein, die Obstgärten zu besuchen. Zwei Sonderzüge brachten schon im ersten Jahr Tausende Besucher in die Region.

2017 stellt die Deutsche Bahn den Besuchern gleich Dutzende Sonderzüge zur Verfügung. So fährt etwa auf der Strecke des Regional-Express 1 teils alle zwei Stunden ein zusätzlicher Zug zwischen Werder und dem Berliner Bahnhof Zoo. Der sogenannte „Baumblüten-Express“ benötigt dafür mit Zwischenhalten unter anderem in Berlin-Wannsee oder Potsdam etwa 30 Minuten, wie ein Sprecher mitteilte. Zudem gibt es zusätzliche Regionalbahnen von Werder zum Flughafen Schönefeld.

In den Zügen und am Bahnhof Werder sorgt die Bundespolizei für Sicherheit. Die Mitnahme von Glasflaschen in den Zügen wurde wie in den Vorjahren verboten. Besucher müssen auf ein Mitbringsel aber nicht verzichten: Die Händler verkaufen Kirschwein & Co. stets in Plastikflaschen, sagt Große. Auch am Bahnhof geht Sicherheit vor: Fahrgäste müssen in Werder mit Warteschlangen rechnen. Und: „Zur Gewährleistung eines störungsfreien Bahnverkehrs wird der Bahnhof Werder (Havel) mit Videokameras überwacht“, heißt es in einer Ankündigung der Bundespolizei.

Vom Bahnhof aus können Gäste dann in Sonderbusse umsteigen - und zum Beispiel mit einer „Blüten-Linie“ auch die Obstplantagen abseits des Volksfesttrubels besuchen. Auch extra eingesetzte Fahrgastschiffe oder Busse bringen Gäste nach Werder.

In den vergangenen Jahren hatten Polizei und Helfer vor allem immer wieder mit Betrunkenen zu kämpfen. 2016 gab es etwa 200 Strafanzeigen und genauso viele Platzverweise. Solche Begleiterscheinungen seien in den vergangenen Jahren allerdings zurückgegangen, sagt Schmidt. Zu viel vom Werderaner Obstwein wird dem ein oder anderen aber vermutlich auch dieses Jahr schwer aufstoßen. Nach Angaben von Große sollen bis zu vier Notärzte und Dutzende Sanitäter bereitstehen.

„Major Tom“ und Feuerwerk

Zu den Höhepunkten auf dem Volksfest mit 60 Schaustellern und rund 600 Ständen zählen vor allem Bühnenshows mit 41 Bands. Darunter ist auch 80er-Jahre-Star Peter Schilling („Major Tom“), der am 4. Mai erwartet wird. Ruhiger geht es beim Blütenfest in den Obstgärten mit Obstweinverkostung, Obstsäften, Kaffee und Kuchen zu. Noch vor der offiziellen Eröffnung am 29. April lädt die Stadt zum traditionellen Baumblütenball auf der Bismarckhöhe ein. Den Abschluss des Baumblütenfestes bildet dann am 7. Mai ein großes Feuerwerk.

Von Rochus Görgen

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