Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Baumblütenfest: Zigarette auf Wange gedrückt

30-Jährige vor Gericht Baumblütenfest: Zigarette auf Wange gedrückt

Vor den Toiletten hat’s gekracht. Drei Frauen bekommen sich beim Baumblütenfest 2015 in die Haare. Am Ende treffen sie sich vor Gericht wieder. Der Vorwurf: Die 30-jährige Tankstellen-Verkäuferin Dany L. soll ihre brennende Zigarette auf der Wange einer Kontrahentin ausgedrückt haben. Doch eine Narbe sucht die Richterin auf Jennifer O.s Gesicht vergeblich.

Werder, unter den linden 52.377285 12.9373
Google Map of 52.377285,12.9373
Werder, unter den linden Mehr Infos
Nächster Artikel
Die neue Baumblütenkönigin von Werder

Das Baumblütenfest ist nicht immer heiter. Es kommt auch immer wieder zu Streitigkeiten und Schlägereien unter den Gästen.
 

Quelle: Julian Stähle

Werder.  Um 10.29 Uhr hält Jennifer O. auch die andere Wange hin. Richterin Reinhild Ahle möchte genau sehen, welche Spuren das Scharmützel hinterlassen hat, das sich auf dem Werderaner Baumblütenfest im vorigen Jahr ereignet haben und bei dem die Zeugin verletzt worden sein soll. Linke Wange, rechte Wange, noch einmal die linke... „Eine Narbe sehe ich nicht, eher eine Rötung“, sagt die Richterin. Jennifer O. sagt, sie hätte sich nach dem Vorfall auch extra eine Salbe vom Hautarzt geben lassen, auf dass es gar nicht erst zur Narbe komme. Außerdem überschminke sie die Stelle.

Tankstellen-Verkäuferin aus Luckenwalde soll ausgeflippt sein

Jennifer O. ist 23 Jahre alt und angehende Erzieherin. Als sie im vergangenen Jahr mit ihrer besten Freundin Eileen D. (23) das Baumblütenfest besuchte, gerieten die beiden mit der Tankstellen-Verkäuferin Dany L. (30) aus Luckenwalde aneinander. Bei dem Streit soll Dany L. ihre brennende Zigarette auf Jennifer O.s linker Wange ausgedrückt haben. Sie ist deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Potsdamer Amtsgericht angeklagt und betritt den Verhandlungssaal sichtlich verbittert. Dany L. bekräftigt ihre Aussagen, indem sie häufig das Wörtchen „definitiv“ einschiebt. „So wie es dargestellt wird, ist es in meinen Augen definitiv nicht gewesen“, sagt die alleinerziehende Mutter zum Beispiel, nachdem die Anklageschrift verlesen ist. „Dass ich ihr absichtlich eine Zigarette ins Gesicht gedrückt hab, war definitiv nicht so – wieso sollte ich?“

Die Wege der Angeklagten und des mutmaßlichen Opfers kreuzen sich am Nachmittag des 25. April 2015 vor dem Heer der Dixi-Toiletten. Viele Menschen stehen dort und warten. Dany L.s Freund stellt sich an, um eines der Häuschen zu ergattern. Sie bleibt mit einem Kumpel in der Nähe.

Auch Jennifer O. und Eileen D. wollen aufs Örtchen. Die Lage vor den Toiletten ist aber so unübersichtlich, dass sie nicht durchsehen, wer als nächstes an der Reihe ist. Sie geraten an Dany L. und fragen ob sie auch anstehe. Dann knallt’s.

Sie nannten sie „Kampflesbe“

Weshalb genau sich die Frauen in die Flicken bekommen, wird auch im Prozess nicht klar. Dany L. meint, dass sich die Freundinnen vorgedrängelt haben und dann noch frech geworden sind, dass sie sehr betrunken waren, sie angepöbelt, an den – sehr kurzen – Haaren gezogen und „Kampflesbe“ genannt haben. Dass sie in dem Gerangel versehentlich mit der Zigarette Jennifer O.s Gesicht getroffen hat, könne sie nicht ausschließen. Eine Wunde habe sie auf deren Wange aber nicht gesehen, vielleicht ein bisschen Ruß. Sie selbst habe an dem Abend nur eine Flasche Curuba-Bier getrunken. „Ich musste noch zur Nachtschicht und war der Fahrer.“

Jennifer O. und Eileen D. erzählen, dass es die Angeklagte war, von der an jenem Tag die schlechte Stimmung ausging. Demnach war Dany L. genervt und patzig, als sie sie ansprachen. „Ich habe sie darauf hingewiesen, dass man auch normal antworten kann“, sagt Eileen D. „Da war sie direkt vor mir. Dann ging alles ganz schnell.“ Dass sie Dany L. „Kampflesbe“ genannt hat, dafür möchte sie sich entschuldigen. „Ich bin selbst seit Jahren mit einer Frau zusammen und war einfach nur sauer, dass man mit einer Person so redet und sich so aufbaut, als würde man gleich die Hand erheben. Das war für uns ein kleiner Schock.“

Wenn das Schmerzensgeld fließt, gibt’s keine Vorstrafe

 Nach einer Verständigung zwischen dem Gericht und den Verfahrensbeteiligten kam man überein, vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung abzusehen und auf fahrlässige Körperverletzung zu ändern. Das Verfahren wurde daraufhin mit einer Auflage zur Wiedergutmachung eingestellt. Dany L. muss demnach 240 Euro Schmerzensgeld an Jennifer O. zahlen. Tut sie das, bleibt ihr Vorstrafenregister sauber.

Von Nadine Fabian

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Baumblütenfest in Werder
Die schönsten Bilder vom Baumblütenfest 2015

Gute Stimmung herrschte bereits im vergangenen Jahr auf dem 136. Baumblütenfest in Werder (Havel). Zehntausende Besucher feierten ausgelassen auf dem traditionellen Volksfest. Der berühmte Obstwein aus der Region durfte dabei natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Das Baumblütenfest 2014 in Bildern

Die Veranstalter des 135. Baumblütenfestes zogen 2014 ein positives Fazit: Mehr Besucher, dafür weniger Körperverletzungen. Auf sieben Bühnen traten an neun Tagen zahlreiche Bands auf. An mehr als 100 Ständen boten regionale Anbieter den Werderaner Obstwein an.

Worauf freuen Sie sich beim 137. Baumblütenfest in Werder (Havel) am meisten?