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„Das Baumblütenfest hat sich verändert“

Baumblütenfest am Mittwoch „Das Baumblütenfest hat sich verändert“

Einige Werderaner nutzen das Baumblütenfest und den Besucheransturm und verkaufen das, was sie am besten können: Obstwein. Christoph Hintze macht sein Hobby für eine Woche im Jahr zum Beruf und bringt seine Kreationen auf dem Hohen Weg unter die Leute. Doch das Baumblütenfest ist nicht mehr das, was es einmal war, sagt er.

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Hobby-Winzer Christoph Hintze und Florian Biebeler in ihrem Weinverkaufsstand.

Quelle: Luise Fröhlich

Werder. Wolkenverhangen präsentierte sich der Himmel am Mittwoch über der Blütenstadt. Zur Halbzeit des 137. Baumblütenfestes konnten die vielen Verkäufer, Winzer und Unternehmer noch einmal durchschnaufen, bevor es mit dem Herrentag am Donnerstag in den Schlussspurt geht. Sie rechnen am Feiertag mit einem erneuten Besucheransturm. Den Winzern kann es Recht sein, denn selten werden sie ihren Wein so gut los, wie zur Festzeit einmal im Jahr. Ein Hobby-Winzer aus Werder hat uns verraten, wie ihn die Leidenschaft zur Weinherstellung packte.

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Auch der bewölkte Himmel hielt die Besucher des Baumblütenfestes in Werder nicht davon ab, den Blick auf die Stadt und die Insel aus der Höhe zu genießen. Die Bismarckhöhe ist immer ein beliebter Anlaufpunkt, während die Friedrichshöhe eher am Wochenende Gäste anzieht.

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Christoph Hintzes kleiner Weinstand befindet sich direkt zwischen Friedrichshöhe und Bismarckhöhe auf dem Hohen Weg. Besonders am Wochenende strömen die Besucher vom Bahnhof dort entlang in die Innenstadt. Ein perfekter Platz also für einen ersten Boxenstopp. Der Apfelwein war in diesem Jahr so beliebt, dass die Kruken direkt nach dem ersten Wochenende leer waren. „Wir produzieren ausschließlich für den Verkauf auf dem Baumblütenfest“, sagt Hintze. Das macht der 29-Jährige schon seit sieben Jahren. Gemeinsam mit Florian Biebeler (26) bringt er die zwölf- bis dreizehnprozentigen Tropfen unter die Leute.

Rohstoffe kommen aus den Gärten Werders

Angefangen hat alles im Jugendalter, erzählt Hintze. „Wir haben damals, wie viele, den Industriewein getrunken. Der wurde uns aber schnell überdrüssig und der Opa eines Freundes war ein richtiger Werderaner Obstmucker mit vielen Plantagen. Irgendwann hat er uns mal zum Kirschenpflücken geschickt und uns erklärt, wie der Wein hergestellt wird.“ Hintze blieb dabei und produzierte jedes Jahr ein bisschen mehr. Irgendwann war er bei 300 bis 400 Liter angekommen und entschied, den Wein in einem Stand auf dem Fest anzubieten.

Die Rohstoffe für seine Weine wachsen entweder im eigenen Garten oder in denen von Bauern aus der Umgebung. Den Rhabarber etwa hat er von einem Obstbauern direkt aus Werder. „Ich kaufe nicht tonnenweise Obst dazu. Die Holunderblüten habe ich zum Beispiel selbst gesammelt“, so Hintze weiter. Insgesamt bietet er in diesem Jahr sieben Sorten an: Rhabarber, Holunderblüte, Sauerkirsche, Schwarze Johannisbeere, Erdbeere, Brombeere und weiße Traube.

Anwohner müssen trotzdem Standgebühr bezahlen

Gegenüber anderen Anbietern zeichnen sich Hintzes Weine dadurch aus, dass sie nicht so süß sind, verrät er. „Dadurch haben wir schon einige Stammkunden gewonnen.“ Das Geheimnis liegt darin den Zucker, abgestimmt auf den Fruchtzucker des Rohstoffs, zu dosieren, so der Werderaner. Exotensorten, wie Banane und Kiwi, hatte er auch mal im Angebot. Die locken zwar erstmal mehr Kunden an, aber das Obst ist auch teurer im Einkauf. Am Ende soll es sich ja lohnen.

Enttäuscht ist der Hobby-Winzer darüber, dass er auf dem Hohen Weg eine Standgebühr an den Veranstalter zahlen muss, obwohl er Anrainer ist und eigentlich direkt aus der Hofeinfahrt heraus verkauft. „Das fördert das Geschäft der kleinen Vertreiber nicht gerade“, so Hintze weiter. „Es würde viel mehr Menschen geben, die diese Tradition halten und selbst hergestellten Obstwein verkaufen würden.“

Wie sich das Blütenfest verändert hat

Die Friedrichshöhe ist nur noch zur Baumblütenfestzeit belebt

Die Friedrichshöhe ist nur noch zur Baumblütenfestzeit belebt.

Quelle: Luise Fröhlich

Generell habe sich das Baumblütenfest über die Jahre verändert. Der Generationenwechsel ist deutlich zu spüren, sagt auch Florian Biebeler. „Alleine der Fakt, dass sich nur eine Baumblütenkönigin beworben hat, zeigt die Veränderung“, so der 26-Jährige. Noch vor einigen Jahren waren es an die 20 Bewerberinnen auf die Blütenkrone. Auch das die Friedrichshöhe so verkümmert, finden die Männer schade. „Das ganze Jahr über wird dort nichts gemacht und pünktlich zur Baumblüte versuchen sie das Hässliche irgendwie herauszuputzen.“

Von Luise Fröhlich

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