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Viel Licht bringt viel Schatten für Gastronomen

Baumblütenfest am Freitag Viel Licht bringt viel Schatten für Gastronomen

Zuhauf strömten die Besucher am Brückentag auf das Werderaner Baumblütenfest. Eine Umfrage unter den Gastronomen und Hoteliers ergab, dass sich die meisten eher an den Ständen mit Bratwurst, Crêpes und Eis versorgen. Cafés und Restaurants machen nur an bestimmten Tagen ein Umsatzplus und die Gastronomen müssen oft Unangenehmes erleben.

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Wer zum Baumblütenfest ein Hotelzimmer auf der Insel bucht, kommt nicht drumrum das Fest hautnah zu erleben.

Quelle: Luise Fröhlich

Werder. Das Wetter hat es in diesem Jahr mal wieder gut gemeint mit Werders Baumblütenfest. Auch am Freitag schien die Sonne kräftig auf das Volksfest. Schon am späten Vormittag strömten die Menschen durch die Straßen. Neun Tage lang herrscht in der sonst so beschaulichen Blütenstadt jedes Jahr aufs Neue Ausnahmezustand. Nicht nur die Anwohner sind am Sonntag glücklich, wenn sie ihren Ort wieder für sich haben, auch so manche Hoteliers und Gastronomen sind es.

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Schon zur Mittagszeit strömten am Freitag erneut viele Besucher auf das Werderaner Baumblütenfest. Die Spuren, die der Herrentag vor allem an Müll hinterlassen hatte, waren bereits am Morgen beseitigt. Viele Gäste nutzten die programmfreie Zeit dazu, die idyllischen Ecken der Insel zu erkunden.

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Das Café Jacob befindet sich an der Einflugschneise der Festbesucher auf dem Weg zum Marktplatz auf der Insel. Täglich ziehen Tausende an dem Lokal vorbei, doch die wenigsten halten auch an und gehen rein. „In den letzten Tagen hatten wir schon ein paar mehr Gäste. Am Donnerstag zum Beispiel waren wir auf den Ansturm gar nicht vorbereitet und der Kuchen hat kaum für alle gereicht“, berichtet Chefin Stefanie Schulze. An den anderen Tagen sei es eher ruhig geblieben.

Parkverbot zerstört das Geschäft schon vor dem Blütenfest

Ärgerlich findet sie, dass sie während der Festzeit keine Schilder vor ihrem Café aufstellen darf, die auf Kaffee und Kuchen hinweisen könnten. Der Grund: Stolpergefahr. „Das Parkverbot macht uns außerdem schon eine Woche vor dem Fest das Geschäft kaputt“, sagt Schulze. Abgesehen davon, dass sie täglich die Treppe zum Eingang schrubben muss und Fußabdrücke die Fensterscheiben zieren, hat sie bisher aber keine schlechten Erfahrungen mit dem Baumblütenfest gemacht. Über die Sauberkeit auf der Straße kann sie sich ebenfalls nicht beklagen. Wenn Schulze in aller Frühe auf die Insel radelt, kommt sie manchmal vor lauter Müll gar nicht durch. Bis sieben Uhr ist der meiste Dreck dann aber spätestens weg.

Stefanie Schulze und ihre Mitarbeiterin haben nach dem Ansturm an Donnerstag ein paar Kuchen mehr für die Gäste gebacken

Stefanie Schulze und ihre Mitarbeiterin haben nach dem Ansturm an Donnerstag ein paar Kuchen mehr für die Gäste gebacken.

Quelle: Luise Fröhlich

Wildpinkler und verschmutzte Toiletten

Das bestätigt auch Karola Rückholz, Inhaberin des Hotels und Restaurants „Am Markt“ in Werder. Problematisch ist aus ihrer Sicht, dass die männlichen Festbesucher oft und gerne an ihre Hauswand urinieren oder einfach in ihr Hotel spazieren und dort auf die Toilette gehen – oder es versuchen, je nachdem wie viel Alkohol sie schon intus haben. Meistens geht etwas daneben, weshalb sie in ihrem dritten Jahr auf dem Markt keinen Toilettenservice mehr anbietet. „Deswegen achten wir wirklich penibel darauf, dass die Türen alle zu und abgeschlossen sind“, sagt Rückholz.

Vor ein paar Tagen habe ein Besucher die Blumen aus den Kästen vor den Fenstern gerissen. Als ihr Mann ihn bat, damit aufzuhören, wurde er gleich aggressiv.

Hotel ist lange im Voraus zur Festzeit in Werder ausgebucht

Das Hotel „Am Markt“ ist teilweise bis zu einem halben Jahr im Voraus für die Baumblütenfestzeit ausgebucht. Die meisten Gäste bleiben nur eine Nacht. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Gäste überhaupt nicht wissen, dass sie im Festzeitraum gebucht haben. Vor allem dann, wenn sie über Online-Portale buchen. „Mindestens die Hälfte derer ist entsetzt, wenn wir es ihnen sagen. Viele buchen dann um, aber die Zimmer sind meist schnell wieder besetzt“, so Rückholz.

Rückholz muss zum Fest nicht nur die Stühle vor dem Haus wegräumen. Auch das Restaurant bleibt komplett geschlossen. „Dahingehend ist die Baumblüte für uns geschäftsschädigend“, sagt die Potsdamerin. Die Gaststätte zu öffnen, würde sich nicht lohnen und wäre außerdem wegen der Lautstärke viel zu ungemütlich. Trotzdem sollte das Baumblütenfest deshalb nicht abgeschafft werden, findet Rückholz. „Viele Städte haben ihre Feste und man sollte fröhlich sein dürfen. Was wäre unsere Welt, wenn die Menschen nicht mehr feiern dürften?“

Kleine Oase inmitten der Partyzone auf der Insel

Im Innenhof des Cafés und Brasserie Hagemeister in Werder

Im Innenhof des Cafés und Brasserie Hagemeister in Werder.

Quelle: Luise Fröhlich

Liane Schulz hat das „Café und Brasserie Hagemeiser“ auf der Insel im Dezember eröffnet. Seit Ostern bietet sie zudem vier Ferienwohnungen an, die sofort nach der Anzeige für die Zeit der Baumblüte ausgebucht waren, berichtet sie. Unter der Woche hat sie dank des Volksfestes mehr Kundschaft als sonst. Am Wochenende mache es sich nicht wirklich bemerkbar. „Wir sind ja eine Art kleine Oase und bedienen auch ein anderes Klientel, als die feierlustigen Menschen“, erzählt Schulz. Im Innenhof verkauft sie Kaffee, Kuchen und Flammkuchen, den die Gäste vor Ort im Weingartenflair genießen können.

 

Von Luise Fröhlich

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