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Baustelle bringt Laden in Existenznot

Beelitz Baustelle bringt Laden in Existenznot

Plötzlich Baustelle: Seit eine Brücker Baufirma in der Berliner Straße in Beelitz mit der Erneuerung der Trinkwasserleitung begonnen hat, bleiben der Inhaberin der „Wollmäuse“ die Kunden weg. nach eigenen Angaben hat Madlen Mennecke Umsatzeinbußen bis zu 60 Prozent. Die Bauarbeiten waren kurzfristig angekündigt worden.

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Madlen Mennecke vor ihrem Geschäft in der Berliner Straße in Beelitz. Seit die Straße für die Rohrleitungsarbeiten gesperrt ist, bleiben auch die Kunden aus.

Quelle: Heinz Helwig

Beelitz. Eigentlich hat Madlen Mennecke in Beelitz mit ihren „Wollmäusen“ ein krisensicheres Geschäft. Für den Winter verkauft sie Wolle für wärmende Socken und Pullover, im Sommer Angeln und deren Ausrüstungen für passionierte Petrijünger. Doch was nützt es ihr, wenn ihre Kunden den Laden in der Berliner Straße kaum noch erreichen. Fast unangekündigt haben Bauleute der Zerbe Tiefbau GmbH aus Gömnigk bei Brück den voll gesperrten Straßenabschnitt vor ihrem Haus aufgerissen, um im Auftrag des Wasser- und Abwasserverbandes (WAZV) „Nieplitz“ eine neue Trinkwasserleitung zu verlegen.

„Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, dass Männer in orangenen Westen die Straße vermaßen“, sagt Mennecke. Sie habe sich bei ihnen beschwert, nicht von der geplanten Maßnahme informiert gewesen zu sein. Auch vom städtischen Bauamt hatte sie am selben Tag Aufklärung verlangt. In den Plänen für den gesamten Ausbau der Berliner Straße von der Hauptkreuzung in Beelitz bis zur Stadtgrenze nach Potsdam, die im Rathaus öffentlich auslagen, hatte Mennecke keinen Hinweis auf mögliche Bauarbeiten vor ihrem Haus gefunden. In der Stadtverwaltung wusste man ebenso wenig davon. Einen Tag später – einem Freitag – steckte eine kurze Nachricht des Baubetriebes im Briefkasten des Geschäftes, dass die Arbeiten am folgenden Montag beginnen würden. Wie lange sie dauern würden, stand nicht auf dem Zettel.

„Wir haben Umsatzeinbußen von mehr als 60 Prozent“, klagt die Geschäftsfrau. Viele Kunden glaubten, ihr Laden sei geschlossen. Dass die Stadtverwaltung mit drei großen Schildern an den Zufahrtsstraßen zur Berliner Straße sowie an einem Eckhaus an der Hauptkreuzung darauf verweist, dass der Verkauf im Fahrradladen an der Ecke, in den „Wollmäusen“ sowie in der dahinter liegenden Fleischerei trotz Straßensperrung weitergeht, nähmen viele nicht wahr. Außerdem würde der lange Stau auf der Umleitungsstrecke durch Beelitz, die wegen des Ausbaus der A 10 eingerichtet wurde, zusätzlich die Kunden vom Besuch des Geschäfts abschrecken.

Schon seit Anfang November des vorigen Jahres muss Madlen Mennecke mit einer Baustelle leben. Der Bürgersteig vor ihrem Geschäft wurde aufgerissen und Kabel verlegt. Die Gräben blieben bis zwei Tage vor Weihnachten offen und wurden erst dann mit Beton verfüllt.

Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) kann die Händlerin verstehen. Als früherer Inhaber eines Optikgeschäftes in der Stadt hat er selbst zwei Straßenbaumaßnahmen durchlebt. Für die Leitungsarbeiten in der Berliner Straße sei aber der WAZV verantwortlich, der die Anwohner auch informieren müsste. Dass dort eine Trinkwasserleitung verlegt werden soll, sei der Stadt zwar bekannt gewesen, nicht aber der Beginn der Maßnahme.

Ursprünglich sollte die 100 Meter lange Trinkwasserleitung zeitgleich mit der Straßenerneuerung zwischen der Straße am Anger und der Virchowstraße im Juni des vorigen Jahres verlegt werden, sagt Jens Waterstradt, Technischer Leiter des Zweckverbandes. Die Stadt habe aber („aus Rücksicht auf die Besucher des Spargelfestes“ – Knuth) um Aufschub der Arbeiten gebeten. Die Erneuerung der Trinkwasserleitung aus den 1930-er Jahren sei notwendig geworden, weil der Verband seit Jahren Probleme mit ihr und den Hausanschlüssen habe.

Im Baurapport sei der 13. Mai als offizieller Baustart vereinbart worden. Wer warum den Beginn nun vorgezogen hat, konnte Waterstradt nicht sagen. „Das hat uns selbst überrascht.“ Die Baufirma will sich „aus rechtlichen Gründen“ nicht dazu äußern. Juniorchef Christopher Zerbe verweist auf den Auftraggeber – den WAZV.

Menneckes „Wollmäuse“ könnten nach Angaben des Verbandes nach vier bis sechs Wochen wieder uneingeschränkt erreichbar sein – wenn es den Laden dann noch gibt.

Von Heinz Helwig

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