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Potsdam-Mittelmark Eine Stadt lebt von der Stange
Lokales Potsdam-Mittelmark Eine Stadt lebt von der Stange
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19:04 24.04.2017
Rathaus und Stadtpfarrkirche als weltliches und geistliches Zentrum der Stadt liegen in Beelitz einträchtig nebeneinander. Quelle: Heinz Helwig
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Beelitz

„Überall, wohin man schaut, wird der Spargel angebaut“, heißt es in der Beelitzer Hymne auf das weiße Edelgemüse. Die Erzieherin Sigrid Kulawik (Text) und die Kinder der Kita „Sonnenschein“ mit der Sängerin Dagmar Frederic haben mit dem Lobgesang ihre Stadt über deren Grenzen hinaus unsterblich werden lassen. In der Tat ist Beelitz von Spargelfeldern regelrecht umzingelt. Neben Nienburg an der Weser nordwestlich von Hannover und Schwetzingen in Baden-Württemberg zählt die Region zu den drei bekanntesten Spargelanbaugebieten in Deutschland und bildet mit knapp 1700 Hektar die größte zusammenhängende Anbaufläche im Osten der Republik.

Die Beelitzer haben ihrem mehr als 150-jährigen Spargelanbau sogar ein eigenes Museum gewidmet und dem Urvater der weißen Stangen, Carl Friedrich Wilhelm Herrmann, ein Denkmal gesetzt. Der Spargelverein kürt alljährlich eine Majestät für das Königsgemüse. Auf dem traditionellen Spargelfest vom 2. bis 5. Juni wird in diesem Jahr die Bankkauffrau Nicole Hahn am Pfingstmontag, dem 5. Juni, den großen Festumzug durch die Altstadt anführen. Beelitz darf seit 2013 auch offiziell den Zusatz „Spargelstadt“ in seinem Namen tragen.

Die Kleinstadt an der Nieplitz macht allerdings schon seit Jahren nicht mehr nur zur Erntezeit von April bis Ende Juni mit ihren kulinarischen Genüssen auf den umliegenden Spargelhöfen von sich Reden. Mittlerweile ist sie das ganze Jahr über auch zu einem kulturellen und touristischen Anziehungspunkt geworden. Jüngste Zahlen belegen, dass immer mehr Gäste nach Beelitz kommen und dort zum Teil auch übernachten.

Wasserturm und Bockwindmühle, in der sich Brautpaare nach der Trauung „vermehlen“ können, oder die ehemaligen Lungenheilstätten sind bei Ausflüglern und Urlaubern sehr gefragt. Schon am ersten Wochenende nach seiner Eröffnung im Herbst 2015 zählte der Baumkronenpfad „Baum & Zeit“ in Beelitz-Heilstätten mehr als 4000 Besucher. In diesem Jahr soll die Anlage durch einen Barfußpfad erweitert werden. Zu regelmäßigen Konzerten, Lesungen und Aufführungen holt der Beelitzer Kultur- und Kunstförderverein bekannte Künstler in die Stadt. Bislang prominentester Gast war 2007 mit 103 Lebensjahren Johannes Heesters im Festsaal des Tiedemann-Hauses. In diesem Jahr sollen unter anderem Gunter Schoß, Joy Fleming, Sky Du Mont und Lena Valaitis kommen.

Im August 2013 entdeckten die Beelitzer erstmals das Musical für sich. Nach jeweils ausverkauften Aufführungen von „Im weißen Rössl“ (2013) und „Frau Luna“ (2015) folgt in diesem Jahr „Pension Schöller“. Obwohl Beelitz im Herbst 2015 den Wettbewerb um die Landesgartenschau 2019 gegen Wittstock verloren hatte, hält Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) an den Plänen eines Nieplitzparkes auf der Festwiese im Süden der Altstadt fest. Dort soll zwischen der Alten Posthalterei und der ehemaligen Wassermühle auch eine vielfältige Museumslandschaft entstehen.

Wenn auch die Stadt mehr als tausend Jahre alt ist, so hat sie sich doch ein junges Aussehen bewahrt. Die moderaten Mieten sowie die gute soziale Infrastruktur locken immer wieder Familien mit Kindern nach Beelitz. In einem Geld und Kräfte zehrenden Sanierungsprozess ist die Altstadt rund um die Sankt-Marien-Stadtpfarrkirche mit ihrer Wunderblutkapelle über zwei Jahrzehnte lang komplett erneuert worden. Die letzen Narben der Vergangenheit am Stadtbahnhof sowie am östlichen Eingang von Beelitz werden jetzt beseitigt.

Ihre einstige Ursprünglichkeit konnten sich mit sanierten oder umgestalteten Dorfkernen und -kirchen auch die meisten Ortsteile mehr oder weniger wieder zurückholen. Eigene Ortswappen sollen ihren Einwohnern nun ein Stück Identität zurückgeben, die sie mit dem Anschluss an die Stadt Beelitz vor 15 Jahren zunächst verloren glaubten.

Unbestritten hat Bürgermeister Knuth seit seinem Amtsantritt vor sieben Jahren Beelitz und seine Ortsteile in ihrer Entwicklung nachweislich ein kräftiges Stück vorangebracht. Neben dem Großteil zufriedener Einwohner werden allerdings auch kritische Stimmen gegen seine Verwaltungsstrategie laut. Knuth setze viel Geld falsch ein, das für andere Aufgaben dringender gebraucht werde, und denke dabei nicht an die finanziellen Folgerisiken, behaupten die Kritiker. In ihrem Kreuzfeuer stehen unter anderem die Sanierung des ehemaligen „Deutschen Hauses“ an der Hauptkreuzung der Stadt, der Kauf und die Sanierung des Stadtbahnhofs oder solche „Hobbys des Bürgermeisters“ wie Springbrunnen, Skulpturen, Festbeleuchtungen und Festspiele sowie Visionen von Stadtparks und Kulturlandschaften. Knuth lasse sich als Gönner seiner Vorhaben feiern, wird ihm vorgeworfen.

Die Stadt Beelitz in Zahlen und Fakten

Die Fläche: Das Gebiet der Stadt Beelitz erstreckt sich über eine Fläche von 18 000 Hektar. Die Stadt besteht aus 12 Ortsteilen, die teilweise wiederum mehrere Gemeindeteile haben. Somit umschließen 17 Dörfer die Kernstadt Beelitz. Die meisten Orte befinden sich im Naturpark Nuthe-Nieplitz.

Die Bevölkerung: Aktuell leben rund 12 300 Einwohner in der Stadt Beelitz und ihren Ortsteilen. Die Tendenz ist durch anhaltenden Zuzug und etwa 90 Geburten im Jahr leicht steigend.

Die Bildung: Mit 7 Kitas, 2 Grundschulen, einer Oberschule und einem Gymnasium verfügt Beelitz mit seinen Ortsteilen über eine gute soziale Infrastruktur. Auch deshalb entscheiden sich viele junge Familien, in die Spargelstadt zu ziehen.

Die Politik: Die Beelitzer Stadtverordnetenversammlung setzt sich aus 22 Stadtverordneten zusammen. Stärkste politische Kraft im Parlament wurde nach den Kommunalwahlen 2014 die Listenvereinigung der Bürgerbündnisse UKB/BBB mit 6 Sitzen. Die CDU kam auf 5 Mandate. Die Linke und das Bündnis „Gemeinsam für Beelitz“ (GfB) sind mit jeweils 3 Stimmen vertreten. Die SPD stellt 2 Stadtverordnete. Je 1 Sitz entfällt auf die Grünen, die FDP und den Einzelbewerber Gerhard Thiele (Fraktion „GFT“).

In seiner 1000-jährigen Geschichte hatte Beelitz viele Gesichter. Im Mittelalter war die Stadt vor allem Marktflecken und Pilgerort. Später wurde sie eine Ackerbürger- und Garnisonstadt. Im 18. Jahrhundert stieg sie zur wichtigen Station auf der Postkutschenstrecke von Berlin nach Leipzig auf. Mit dem ersten größeren Feldanbau des Stangengemüses durch den Glasermeister Carl Friedrich Wilhelm Herrmann begann vor mehr als 150 Jahren die heutige Ära des Spargelanbaus.

Die Landwirtschaft gehört zu den größten Branchen in Beelitz. Aber auch das Handwerk und die Dienstleistungen haben in der Stadt ihren Platz und ihre Tradition. In Beelitz gibt es vor allem viele klein- und mittelständische Unternehmen.

Ein Anziehungspunkt für Touristen ist Beelitz nicht allein durch den Spargel geworden. Neben dem traditionellen Spargelfest alljährlich am ersten Juniwochenende locken weitere Veranstaltungshöhepunkte wie die Beelitzer Festspiele viele Besucher in die Stadt. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Gästezahl von etwa 42 000 auf rund 54 000 Besucher.

Von Heinz Helwig

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