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Beelitz „Kiefer bleibt der Brotbaum Brandenburgs“
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz „Kiefer bleibt der Brotbaum Brandenburgs“
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20:16 10.09.2018
1600 Hektar ist der Beelitzer Stadtwald groß. Es dominiert die Kiefer, immer häufiger werden aber auch Laubbäume gepflanzt. Die Kiefer wird ihre Vorrangstellung behalten, glaubt der Förster. Sie verträgt den Klimawandel besser als viele heimische Laubbäume. Quelle: Stadt
Beelitz

Die Stadt Beelitz hat mit ihrem kommunalen Wald im vergangenen Jahr wieder gutes Geld verdient. Wie Stadtförster Martin Schmitt in seinem Waldbericht für 2017 bilanziert, konnte ein Überschuss von gut 146 000 Euro erwirtschaftet werden. Das sind etwa 40 000 Euro mehr als geplant. Insgesamt verbuchte er für das vergangene Haushaltsjahr Ausgaben von 107 540 Euro und Einnahmen in Höhe von 253 900 Euro. Das meiste Geld wurde durch den Holzverkauf eingenommen: Gut 245 300 Euro waren es im vergangenen Jahr – 35 300 Euro mehr als erwartet. Zu den Einnahmen gehörten unter anderem auch die Jagdpacht, die mit fast 6100 Euro zu Buche schlägt, und 2200 Euro Fördermittel.

Geld ausgegeben wurde zum Beispiel für die Waldpflege, den Waldschutz und um Nachwuchs heranzuziehen. Laut Schmitt wurden fast 20 000 neue Bäume im vergangenen Jahr im Beelitzer Stadtwald in die Erde gesetzt. Auch beim Nachwuchs dominiert weiterhin die Kiefer. Etwa drei Viertel der neugepflanzten Bäume waren Nadelhölzer, ein Viertel Laubbäume, sagte Schmitt, der betonte: „Die Kiefer bleibt der Brotbaum in Brandenburg.“ Ohne sie werde Waldbewirtschaftung hierzulande nicht gehen, so Schmitt. Den in Brandenburg dominierenden Nadelbaum nennt der Beelitzer Stadtförster einen ökologischen Gewinner des Klimawandels – trotz aller Probleme, die im Waldbrandjahr 2018 in den Kiefernwäldern gesehen werden.

Für Schmitt steht fest, dass die Kiefer die Klimaerwärmung mit zunehmender Hitze und Trockenheit besser als viele einheimische Laubbäume vertragen wird. Beim Waldumbau im städtischen Forst setzt der Förster auf Laubbäume als ökologische Beimischung. „Es geht darum, von den reinen Kiefernbeständen wegzukommen.“ Angestrebt wird ein Verhältnis von 70 Prozent Kiefern und 30 Prozent Laubbäumen. Derzeit besteht der Beelitzer Stadtwald zu etwa 96 Prozent aus Kiefern.

Der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt ist auch Ameisenschutzwart. Für den kommunalen Wald kann er für das vergangene Jahr eine gute Bilanz ziehen. Quelle: Jens Steglich

Ein größerer Anteil an Laubbäumen nützt dem Wald, dem Boden und dem Grundwasser: Durch das Blätterdach der Laubbäume ist es im Sommer dunkler und kühler im Wald und die Wasserverdunstung ist geringer als in reinen Kieferbeständen, sagt Schmitt. „Bei den Kiefern bleibt viel Niederschlag in den Nadeln hängen und verdunstet dort, ohne den Boden zu erreichen.“

Und Kiefern verbrauchen auch im Winter Wasser, wenn die Laubbäume kein Laub mehr tragen und in einen winterschlafähnlichen Ruhezustand fallen. In Laub- und Mischwäldern ist deshalb die Grundwasserneubildung höher als in Kiefern-Monokulturen, so der Stadtförster. Er kümmert sich in dieser Funktion um 1600 Hektar Wald, die der Stadt Beelitz gehören. Der kommunale Wald warf einen beträchtlichen Gewinn ab, obwohl im Jahr 2016 der Holzpreis eingebrochen war. Er erholte sich zwar von 33 Euro pro Festmeter wieder auf 38,53 Euro in 2017. Die Höchststände der vergangenen Jahre bleiben aber in weiter Ferne: 2014 und 2015 gab es noch fast 47 Euro je Festmeter für Holz aus dem Beelitzer Stadtwald. Es gab freilich Zeiten, in denen der Holzpreis weit tiefer in den Keller gerauscht war: Zuletzt im Jahr 2009, als man für den Festmeter nur 14,47 Euro bekam.

Die derzeitige Holzmarktentwicklung nennt Schmitt trotzdem katastrophal. Als Gründe benennt er vor allem die starken Stürme im vergangenen Jahr, durch die ein Überangebot an Holz entstand, und Schädlingsbefall. An der Schädlingsfront bahnt sich laut Schmitt eine Massenvermehrung des Kiefernspanners, der Nonne und der Forleule an. „Wenn sich die Witterung nicht bessert, wird das so kommen“, sagt der Förster, der befürchtet, dass im nächsten Jahr „großflächige Bekämpfungsmaßnahmen“ nötig sein werden. Er hoffe aber noch, „dass wir 2019 keine Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen müssen“. Die diesjährigen Waldbrände in der Region werden sich erst in der Bilanz für 2018 widerspiegeln. Der Beelitzer Stadtwald ist bislang aber von Großbränden verschont geblieben. Nur am Siebenbrüderweg brannte im Mai eine etwas größere Fläche von etwa 1,2 Hektar. Die großen Waldbrände bei Fichtenwalde oder Treuenbrietzen haben auch den Experten betroffen gemacht: „Diese Dimension war für meine Förstergeneration bisher unbekannt.“ Man müsse die Entwicklung in den nächsten Jahren beobachten. „Es werden heiße Zeiten für Waldbesitzer“, glaubt Schmitt.

Führungen und Waldjugendspiele

Der Beelitzer Stadtförster Martin Schmitt ist auch zertifizierter Waldpädagoge und Ameisenschutzwart, der gerufen wird, wenn zum Beispiel ein Waldameisen-Staat umgesetzt werden muss, weil er etwa dem Bau eines Radwegs oder eines Wohnhauses im Weg steht.

Schmitt widmet sich als Stadtförster auch der Aufgabe, jungen Leuten den Wald und das artenreiche Leben dort nahe zu bringen.

Schmitt führte zum Beispiel Kinder aus Schulen und Kitas der Kommune durch den Wald.

Dieses Jahr fanden bereits die 3. Beelitzer Waldjugendspiele statt. „Sie erweisen sich als Renner“, sagt Schmitt.

Von Jens Steglich

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