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Beelitz Hitzige Debatte über geplanten Insektizid-Einsatz
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Hitzige Debatte über geplanten Insektizid-Einsatz
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17:34 12.04.2019
In Fichtenwalde wurde vier Stunden diskutiert. Die Landesförster bekamen Beifall dafür, dass sie sich den Fragen gestellt haben. Quelle: Jens Steglich
Fichtenwalde

Jörg Ecker vom Landesforstbetrieb schilderte die Lage dramatisch. Manche sagten später, er habe ein Horrorszenario dargestellt. Auf einer Karte zeigte Ecker große rote Punkte für Waldbereiche, in denen eine Raupenentwicklung erwartet wird, die einen doppelten Kahlfraß in den durch den Dürresommer 2018 bereits geschwächten Kiefernwäldern befürchten lässt. „Wir haben auch Nachweise für eine Raupenmenge, die den dort vorhandenen Kiefernbestand fünf Mal kahl fressen könnte“, sagte Ecker am Donnerstagabend in einem brechend vollen Saal in Fichtenwalde.

Eine Gruppe von Fichtenwaldern hatte kurzfristig eine Informationsveranstaltung zum geplanten Insektizid-Einsatz des Landesforstbetriebes organisiert, der etwa 8000 Hektar Wald unter anderem zwischen Beelitz und Treuenbrietzen per Hubschrauber mit dem Insektizid „Karate Forst flüssig“ besprühen will, um die Nonne, einen Kiefernschädling, zu bekämpfen. „Es sieht übel aus“, sagte Ecker, der den Insektizid-Einsatz die „absolute Notbremse“ nannte, um einen Totalverlust zu verhindern: „Der Wald wird sonst in großen Teilen absterben, davon gehen wir aus.“ Der Einsatz soll voraussichtlich ab dem 6. Mai erfolgen, sagte Ecker.

Der Bodenökologe Hans-Holger Liste bezeichnete die Schilderung ein Angstszenario. „Wir hätten nach Jahrmillionen der Evolution keinen Wald mehr, wenn das zutreffen würde“, sagte er. Insekten und Pilze seien nicht die Ursache für das Sterben von Bäumen. Sie erledigten letztlich die Naturaufgabe, tote und geschwächte Bäume zu beseitigen. Den starken Nonnenbefall sah er als Symptom für eine Fehlentwicklung. Als Hauptursache für solche Massenvermehrungen gelten die Kiefern-Monokulturen, in dem Punkt waren sich alle im Saal einig. Wer indes gegen die Nonne Chemikalien anwende, bekämpfe nur Symptome, nicht die Ursachen, sagte Liste. Er warnte davor, „Karate Forst“ einzusetzen, das auch andere Insekten töte, den Vögeln die Nahrungsgrundlage nehme und die Gegenspieler der Nonne gleich mit erledige. Sein eindringlicher Appell: „Wenn wir dem Insektensterben nichts entgegensetzen, geht das Ökosystem flöten und wir mit ihm. Der Einsatz von Pestiziden beschleunigt das. Wir brauchen ökologisch intakte Wälder, keinen toxikologisch verkackten Wald. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten.“

Im Saal in Fichtenwalde war eine klare Mehrheit erkennbar, die einen groß angelegten Insektizid-Einsatz ablehnt, gegen den sich auch die Umweltverbände BUND, Nabu und Grüne Liga aussprechen. „In Südtirol ist es verboten, ’Karate Forst’ über Obstflächen und generell aus dem Hubschrauber heraus einzusetzen, um die Bevölkerung nicht zu gefährden“, sagte der Fichtenwalder Thomas Prasuhn. Er hatte mit einem Agrarwissenschaftler in Südtirol Kontakt aufgenommen und widersprach auch der Darstellung Eckers, „Karate Forst“ sei nicht bienenschädlich.

Der Landesforstbetrieb will das Mittel in einer Konzentration von 75 Millilitern auf 75 Liter Wasser pro Hektar einsetzen und kündigte an, die Abstandsflächen zur Wohnbebauung von gesetzlich vorgeschriebenen 25 Metern auf 100 Meter zu erweitern. Die große Mehrheit im Saal beruhigte das nicht. Unklar blieb, wie die Kritiker des Insektizid-Einsatzes weiter verfahren werden. Einige plädierten dafür, im Dialog mit dem Landesforstbetrieb eine schonendere Kompromisslösung zu suchen. Die Rede war auch von einer möglichen Klage gegen die noch ausstehende Einsatz-Genehmigung, die den Zeitplan des Einsatzes über den Haufen werfen würde.

Von Jens Steglich

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