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Beelitz Er gibt Parkinsonkranken die Kraft zur Selbstbehauptung
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21:05 04.02.2019
Wird am Mittwoch mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt: Prof. Dr. med. Georg Ebersbach, Facharzt für Neurologie und Chefarzt der Parkinsonklinik in Beelitz-Heilstätten. Quelle: Dietmar Gust
Beelitz-Heilstätten

Eigentlich wollte er Journalist werden. Ein Roman über einen Kriegsberichterstatter schreckte ihn davon ab. „Ich wollte Handelnder sein, nicht Beobachter“, sagt er. Georg Ebersbach wurde Arzt. Ein Arzt, der seine Patienten nicht heilen kann und doch viel für sie tut. Der 57-Jährige ist Spezialist für Parkinson, jene unheilbare Krankheit, bei der Dopamin produzierende Nervenzellen untergehen und in der Folge die Glieder der Erkrankten einzufrieren scheinen. Ihre Bewegungen werden immer langsamer. Den Satz, was aus ihm geworden ist, müsste man aber eigentlich so formulieren: Professor Georg Ebersbach ist heute ein herausragender Diagnostiker und Forscher, der bittere Befunde mitteilen muss, die ein Leben verändern, und dennoch Betroffenen Zuversicht und Bewegungsspielräume gibt und die Kraft zur Selbstbehauptung.

Für seinen langjährigen Einsatz bei der Erforschung und Therapie von Parkinson wird Ebersbach am Mittwoch in der Brandenburger Staatskanzlei mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. „Ich sehe es als Auszeichnung für die Gesamtleistung des Teams“, sagt der Chefarzt der Beelitzer Parkinsonklinik und betont noch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Parkinsonhilfe und der AOK Nordost. „Auch diese Kooperationen haben viel zum Erfolg beigetragen“, sagt er.

Sein jüngster Parkinsonpatient ist zehn Jahre alt

Der Neurologe trug maßgeblich dazu bei, die Klinik in Beelitz-Heilstätten in den vergangenen 20 Jahren zu einem überregional anerkannten Behandlungszentrum aufzubauen. Er und sein Team behandeln inzwischen jedes Jahr etwa 2000 Parkinson-Erkrankte aus ganz Deutschland und aus dem Ausland. Sein jüngster Patient ist zehn Jahre alt.

Ali, ein pakistanischer Junge, bekam die Diagnose Parkinson im Alter von fünf Jahren. Er konnte bald nicht mehr laufen, musste in den Rollstuhl, seine Sprache wurde leiser. „Er hatte auch extreme Bewegungsschwankungen“: Mit den Medikamenten im Blut konnte er nicht ruhig sitzen, ohne sie verkrampfte er. Ein Neurochirurg aus dem Universitätsklinikum Magdeburg, der sich in Pakistan für den Aufbau eines OP-Zentrums für Parkinsonerkrankte engagiert, wurde auf das Kind aufmerksam und holte es zur Behandlung nach Deutschland. In Magdeburg bekam der Junge einen Hirnschrittmacher implantiert, mit dessen Hilfe die Bewegungsstörungen besser ausgeglichen werden können. Die Nachbehandlung erhält der Zehnjährige in Beelitz-Heilstätten – bei Professor Ebersbach. „Er ist ein blitzgescheiter Junge. Er sitzt im Rollstuhl und kann seinen Kopf wieder aufrecht halten“, sagt der Arzt und fügt hinzu: „Wie es aussieht, kann er sein größtes Ziel erreichen: die Schule wieder besuchen.“

„Die Visite ist kein deprimierendes Erlebnis“

Ebersbach hat es mit Menschen zu tun, die nicht gesund werden können, und doch vergehe kein Tag, an dem er sich nicht über einen Patienten freue. „Die Visite ist kein deprimierendes Erlebnis.“ Manchmal warten auf den routinierten Arzt Überraschungen. Als er von einer über 90-jährigen Patientin in der Klinik erfuhr, hatte er die Fragen im Kopf: „Muss sie in ein Krankenhaus, ob ihr das gut tut?“ Dann sah er die gut 90-Jährige mit zwei kleinen Hanteln in der Hand im Bett sitzen. Die alte Dame erklärte: „Ich würde gern Anregungen mitnehmen, was ich tun kann, um fit zu bleiben.“

Um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten, gehören neben den Medikamenten Bewegungs- und Sprachtherapien zu den wichtigsten Instrumenten. Auch Musik und Tanz spielen eine Rolle. „Bewegung, die durch Musik getrieben ist, bringt viel“, sagt der Chefarzt und erzählt von einem älteren Herrn, der sehr unbeweglich war. Wenn er allerdings Tango tanzte, „dachte man: Es ist ein anderer Mensch.“ Nach dem Tango froren die Glieder wieder ein. Solche Phänomene sind aber die Ausnahme, sagt Ebersbach.

Der Parkinson-Spezialist kam 1998 nach Beelitz-Heilstätten

Der Parkinson-Spezialist kam 1998 nach Beelitz-Heilstätten, als dort das Parkinsonzentrum aufgebaut werden sollte. „Das ist genau das, was ich machen will“, sagte er sich damals und verließ die Universitätsklinik Innsbruck. Ebersbach, der in Frankfurt am Main geboren wurde und in den 1980er Jahren an der FU Berlin im damals noch eingemauerten Westberlin Humanmedizin studierte, war 37 Jahre alt, als er vor gut 20 Jahren Chefarzt der Parkinsonklinik in Beelitz-Heilstätten wurde. Kurz nach dem Studium Anfang der 1990er Jahre war er schon einmal dort. Er fuhr zufällig mit dem Auto durch Beelitz-Heilstätten und dachte: „Was für ein tolles Gelände. Wenn ich hier mal arbeiten könnte, das wäre was.“

Gastdozent an der Berliner Charité

Georg Ebersbach wurde 1961 in Frankfurt am Main geboren und studierte in den 1980er Jahren Humanmedizin an der FU Berlin.

Auslandsstipendien führten ihn später auch nach Houston und Barcelona.

Er ist Träger der Humboldt-Medaille der Deutschen Parkinson Gesellschaft und Gastdozent an der Berliner Charité und seit 2012 zusätzlich auch an der Universität Potsdam tätig.

Von Jens Steglich

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