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Beelitz Von Stockschlägen und Erdölbohrungen
Lokales Potsdam-Mittelmark Beelitz Von Stockschlägen und Erdölbohrungen
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20:13 27.05.2018
Geschenk für die Zeitzeugen: Hans Gondzik mit dem Buchholzer Geschichtsbuch. Seine Erzählungen füllen ein Kapitel in dem Werk. Quelle: Friedrich Bungert
Buchholz

Als Hans Gondzik das ABC lernte, gingen die Kinder in Buchholz noch in Holzpantinen zur Schule, die sie im Schulhaus gegen Filzlatschen einzutauschen hatten. Damals herrschte in der Dorfschule und nicht nur dort Zucht und Ordnung. Für Schüler, die nicht gehorsam waren, gab es schon mal Hiebe mit dem Stock. „Die Jungs mussten sich den Stock, mit dem sie geschlagen werden sollten, oft selbst im Garten des Schulhauses schneiden“, erzählt er. Der 89-Jährige hat sein ganzes Leben in Buchholz verbracht. Vom Leben im Dorf mit seinen Erschwernissen und den großen und kleinen Freuden, die damit genauso verbunden sind, hat er Silvia Herrmann und Anette Heese erzählt. Die beiden Buchholzerinnen gehören zum siebenköpfigen Chronikteam des Dorfvereins Buchholz/Zauche, der sich seit seiner Gründung 2014 auf die Fahnen geschrieben hat, Ortsgeschichte zu bewahren und fortzuschreiben.

Eine Chronik, die man jetzt auch in die Hand nehmen kann

Pünktlich zum 675-jährigen Bestehen von Buchholz hat das Team eine Chronik vorgelegt, die man jetzt – gedruckt und gebunden – auch in die Hand nehmen kann. Das 130 Seiten starke Geschichtsbuch präsentierten sie am Samstagabend beim Chronik-Abend des Vereins erstmals. Es enthält die urschriftliche Version der Chronik, die vor 25 Jahren zum 650. Geburtstag des Ortes zusammengestellt wurde, und Geschichten aus dem Dorfleben, die bisher nirgendwo gestanden haben. Die sieben Leute des Chronikteams hatten sich auf Spurensuche gemacht, alteingesessene Buchholzer wie Hans Gondzik besucht und deren Berichte notiert, die nun im Buch nachzulesen und für die Nachwelt bewahrt sind. Zeitzeugen, die halfen, der Vergangenheit auf die Spur zu kommen, bekamen am Samstag Geschichtsbücher mit Schleifchen drumherum geschenkt.

Die Spurensucher vom Chronikteam des Buchholzer Dorfvereins: Torsten Boecke, Annette Heese, Silvia Herrmann, Sabrina Görlitz, Lutz Pahl, Birgit Müller und Steve Herrmann (v.l.). Quelle: B. Görlitz

In den 1950er Jahren wurde in Buchholz nach Erdöl gesucht

Im Buch erfährt der Leser zum Beispiel, dass ab Mitte der 1950er Jahre in Buchholz nach Erdöl gesucht wurde. „Die Leute, die hier erste Bohrtürme aufstellten, haben sich bei Buchholzer Familien, die ein Zimmer frei hatten, einquartiert“, heißt es im Kapitel „Erdöl in Buchholz?“, das Annette Heese aufgeschrieben hat. Die Erdölvorkommen waren allerdings nicht nennenswert. „Aber bei den Bohrungen wurde festgestellt, dass unser Boden sehr porös ist und sich gut für die Erdgasspeicherung eignen würde“, schreibt die Spurensucherin. Die erste Einspeisung von Erdgas erfolgte am 28. April 1976. Manche der jungen Männer, die bei den Bohrtrupps arbeiteten, hinterließen nicht nur in der Buchholzer Erde Spuren. Es blieb nicht aus, dass neben Freundschaften auch Liebesbeziehungen und Familien entstanden. „So haben nicht wenige Leute ihrem Glück unserem porösen Boden zu verdanken.“

Buchholz feierte am Sonntag auch das 51. Blasmusikfest. Als Gastkapelle spielt hier das Eisenbahner Blasorchester Potsdam zum Frühschoppen auf. Quelle: Christin Iffert

Geschichte hat auch das Buchholzer Jugendblasorchester geschrieben, das am Sonntag zum Blasmusikfest aufspielte. Die Kapelle trägt die Jugend im Namen, wird aber 60 Jahre alt. Dieses Jubiläum soll im September gefeiert werden.

Zu Gast beim Blasmusikfest in Buchholz: Der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth und Spargelkönigin Lara Luisa Kramer Quelle: Christel Köster

Buchholzer Mühle erzeugt Strom

Beim 4. Chronikabend des Dorfvereins hielt am Samstag Jochen Möller einen Vortrag über die Buchholzer Mühle, die erstmals 1705 erwähnt wird, als ein Christian Werner den Bau einer Wassermühle in Buchholz beim Amt Saarmund beantragte.

Jochen Möller übernahm die Mühle in den 1990er Jahren und setzte sie 1997 wieder in Betrieb.

Mehl wird keins hergestellt, aber sie erzeugt seit gut 20 Jahren Strom – für den Eigenbedarf. Was übrig bleibt, wird ins öffentliche Netz eingespeist.

Von Jens Steglich

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