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Beelitz Wo das alte Löschfahrzeug die Blumen gießt
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20:35 27.02.2019
Wolfgang Kotsch mit dem Magirus Deutz, einem Schwerschaumrohr aus den 1920er Jahren und dem kanadischen Feuerwehrhelm. Quelle: Jens  Steglich
Beelitz

Im Mai 2018, als die ersten Brände den Dürresommer ankündigten, hatte der alte Magirus Deutz noch einmal einen großen Auftritt. „Wir kamen gerade von einem Feuerwehrjubiläum aus Zauchwitz, als wir auf der Rückfahrt einen Böschungsbrand sahen“, erzählt Wolfgang Kotsch. Der Beelitzer Feuerwehrmann fuhr mit dem Oldtimer kurzerhand zum Brandort und für Momente sah es für Beobachter so aus, als wären sie in eine Zeitschleife geraten und in den 1960er Jahren gelandet. Gelöscht haben den Brand dann doch die modernen Löschfahrzeuge. „In den inoffiziellen Einsatzbericht wurde aber hineingeschrieben, dass der Magirus Deutz im Einsatz war“, sagt Kotsch.

Der Magirus Deutz steht normalerweise in seiner Garage. Die Leihgabe eines Feuerwehrmannes aus Werder ist Baujahr 1961, stammt aus Nordrhein-Westfalen und kam Anfang der 1990er Jahre in den Osten. „Das waren die Zeiten, als wir uns über moderne Westtechnik gefreut haben, die älter war, als die Autos, die wir in den Gerätehäusern stehen hatten“, sagt Kotsch.

Blick durch das Rad der 118 Jahre alten Haspel auf die dahinterstehende Lenzpumpe aus den 1950er Jahren. Quelle: Jens Steglich

Der Beelitzer ist Feuerwehrmann und Sammler: Er hat zwei große Garagen, die bis an den Rand mit historischer Technik gefüllt sind, die sich Feuerwehren gern ausleihen, wenn sie zu Jubiläen den Besuchern altes Löschgerät zeigen wollen. Das älteste Stück ist eine sogenannte Haspel, die früher an Handdruckspritzen angehängt wurde, um beim Einsatz mehrere Schläuche dabei zu haben, weiß Kotsch. Das gute Stück ist 118 Jahre alt. Gern zeigt er auch die alte Lenzpumpe aus den 1950er Jahren, die zu DDR-Zeiten half, vollgelaufene Keller auszupumpen. „Das ist das letzte Teil, an dem ich mit meinem Vater gearbeitet habe. Einen Tag später ist er gestorben.“

Angefangen hat alles mit der Sammelleidenschaft des Vaters

Angefangen hat alles mit der Sammelleidenschaft des Vaters, die sich nahtlos auf den Sohn übertrug. 1996 sollte der Vater, der 1952 in die Freiwillige Feuerwehr Beelitz eintrat, den 100. Geburtstag des Löschtrupps mit einer Technikschau vorbereiten. Der Vater, der als Schlosser „goldene Hände hatte“, begann, altes Gerät zu restaurieren und konnte auch nach dem Jubiläum nicht mehr davon lassen. Der Grundstein war gelegt für eine Sammlung mit eigenen Geräten und Leihgaben, die inzwischen zwei Garagen füllen und noch die eine oder andere Scheune im Umkreis von Beelitz.

Das Bild zeigt die Freiwillige Feuerwehr Beelitz zum zehnjährigen Bestehen im Jahr 1906. Quelle: Jens Steglich

Der Sohn, der das Sammel-Erbe weiter pflegte und ausbaute, kann sich gut vorstellen, vieles davon als Leihgabe für ein kleines Feuerwehrmuseum zur Verfügung zu stellen. Bei ihm sei kein Platz mehr für Neuaufnahmen. „Für weitere Anschaffungen müsste mir einer eine Halle sponsern“, sagt Kotsch, der gern betont, dass auch andere Kameraden alte Feuerwehrtechnik pflegen.

Einen Wunsch hat er trotz Platzmangels noch: „Eine historische Drehleiter würde ich noch nehmen. Aber dann zieht meine Frau aus, hat sie gesagt“, so Kotsch, der vorsichtshalber hinzufügt: „Deshalb werde ich das lieber lassen.“ Dafür hat er ja zwei alte Feuerwehrautos in der Garage stehen – einen W 50 und den Magirus Deutz. „So ein Auto steht sich kaputt, wenn es nicht bewegt wird“, sagt er. Deshalb fährt er den alten Magirus Deutz ab und an heraus aus der Garage. Dann hilft das Löschfahrzeug mit seinem 2400-Liter-Wassertank bei der Gartenarbeit und kommt zum Beispiel beim Bewässern der Pflanzen zum Einsatz.

Der kanadische Feuerwehrhelm kam über Umwegen nach Beelitz

Alte Feuerwehruniformen aus seinem Fundus kamen auch schon im Fernsehen zu ehren, als der RBB für eine Dokumentation das Zugunglück in Trebbin in den 1960er Jahren nachstellte. Und Helme aus der Sammlung trugen historisch gekleidete Feuerwehrmänner auf dem Kopf, als sie bei den Beelitzer Festspielen abseits der Bühne ihre ganz eigenen Auftritte hatten.

Ein gelber Feuerwehrhelm sticht aus der Helmsammlung heraus. Er stammt aus Kanada und kam über Umwegen nach Beelitz. Der Chef der Firma, bei der Kotsch arbeitet, reiste nach Kuba und lernte dort einen Feuerwehrmann aus Vancouver kennen. Später besuchte er die Urlaubsbekanntschaft in Kanada. Kotsch gab seinem Chef ein Mitbringsel für den Brandbekämpfer aus Übersee mit auf den Weg – einen DDR-Feuerwehrhelm. „Als mein Chef zurückkehrte, brachte er mir den kanadischen Helm mit.“

Buch zum 120-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Beelitz

Wolfgang Kotsch ist seit 1994 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Beelitz und hat auch das Buch verfasst, das zum 120-jährigen Bestehen des Löschtrupps im Jahr 2016 entstanden ist.

Er kümmert sich mit anderen Feuerwehrleuten auch um die Pflege und Restaurierung historischer Technik der Beelitzer Ortswehr.

In Pflege ist etwa ein Hilfsrüstwagen aus dem Jahr 1966, den die Beelitzer Feuerwehrleute das „Urvieh“ nennen. Die alten Feuerwehrautos kommen ab und an auch zu runden Geburtstagen von Feuerwehrleuten oder zu Hochzeiten zum Einsatz.

Bei seiner Hochzeit wurden Wolfgang Kotsch und seine Frau auf einer Handdruckspritze zum Standesamt gefahren. Mit zwei Pferden und dem Kutscher drehten sie noch eine Runde durch die Spargelstadt.

Kotsch hofft, dass in der Region irgendwann einmal ein kleines Feuerwehrmuseum entsteht, dem er einiges aus seinem Fundus gern als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen würde. „Es würde einem in der Seele weh tun, diese alte Technik wegzuwerfen“, sagt er.

Von Jens Steglich

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