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Beetzsee Der „Lutscherladen“ reicht zum Überleben
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Der „Lutscherladen“ reicht zum Überleben
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12:48 21.03.2019
Sigrid Bajerski (r.) und ihre Mitarbeiterin Sylke Kramski im Pritzerber „Lutscherladen“. Quelle: Frank Bürstenbinder
Pritzerbe

Die Kinder haben es erfunden. Für Pritzerbes Grundschüler ist der Getränkeshop von Sigrid Bajerski einfach nur der „Lutscherladen“. Und das seit 25 Jahren. Mit fünf Cent sind die jüngsten Kunden dabei.

Das reicht für einen Fruchtgummi nach Schulschluss. Ein Lolly kostet etwas mehr. Manche legen ihr Taschengeld an, andere tauschen Pfandflaschen gegen Süßigkeiten.

Inzwischen ist der Name aus dem Volksmund nicht mehr wegzudenken. Es kommt nicht selten vor, dass junge Erwachsene die Ladentür öffnen: „Kennen Sie mich noch? Ich habe hier schon als Schüler eingekauft.“

25 Jahre im Geschäft

Es war am 26. März 1994 als Sigrid Bajerski den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. „Was machen wir?“, hatte sich der Familienrat nach der Wende gefragt. Schwiegervater Walter Bajerski war Maurer von Beruf.

Er kam auf die Idee in das ehemals bäuerliche Anwesen seiner Familie in der Kirchstraße eine Verkaufsstelle zu integrieren. Getränkeläden erlebten nach 1990 eine Blütezeit. Nur ganz wenige haben die Folgejahre überstanden.

Alles zum Überleben

„Wir müssen keine Miete zahlen. Das ist der entscheidende Grund, warum es uns noch gibt“, ist die Pritzerber Geschäftsfrau überzeugt. Und die Urlauber. Die Zunahme des Fremdenverkehrs mit Booten und Fahrrädern veranlasste Sigrid Bajerski das Sortiment Schritt für Schritt zu erweitern.

Bier, Brause, Süßigkeiten und Zeitungen reichten allein nicht mehr aus, um die Wünsche der Kunden zu befriedigen. So bekommt man inzwischen in der Kirchstraße alles, was zum Überleben gebraucht wird.

Sonntags geöffnet

Zur Stammkundschaft gehören neben den ganz jungen Einkäufern die Alten und die Vergesslichen. Weil sie den Laden auch sonn- und feiertags offen hält, ist Sigrid Bajerski schon mal Retter in der Not, wenn zum Mittagessen die Mayonnaise fehlt.

Verständnis zeigt die Pritzerberin auch für durstige Seelen, die am Abend an die Scheiben klopfen, weil das Bier ausgegangen ist. Camper versorgen sich mit Konserven, es gibt abgepackte Wurst und jeden Tag frische Brötchen, die aus Rohlingen aufgebacken werden – auch sonntags.

Von dem Aus der beiden Bäckerläden Wernsdorf und Schugardt in Pritzerbe profitiert die Einzelhändlerin kaum. „Die Nachfrage ist stabil geblieben“, berichtet Sigrid Bajerski, die auch als Partnerfiliale der Deutschen Post arbeitet.

Ehemann hilft beim Einkauf

Der Pritzerberin wurde es nicht in die Wiege gelegt, einen Laden zu führen. Vor der Wende war Sigrid Bajerski als BMSR-Mechanikerin im Premnitzer Chemiefaserwerk tätig. Genauso wie ihr Mann Günter. Beide lernten sich auf der Arbeit kennen. Günter Bajerski ist inzwischen Rentner, hilft seiner Frau aber beim Wareneinkauf.

Eigentlich könnte sich Sigrid Bajerski zur Ruhe setzen. Mit 63 hat sie 45 Arbeitsjahre hinter sich. Doch daran will die Ladenbetreiberin noch nicht denken.

„So lange die Gesundheit mitspielt, machen wir weiter. Auch unserer Kundschaft zuliebe“, sagte die Geschäftsfrau zur MAZ. Damit meint sie auch ihre einzige Angestellte. Sylke Kramski ist schon seit sieben Jahren ihre rechte Hand.

Läden sind rar im Amt Beetzsee

Verkaufsstellen sind in Pritzerbe ohnehin Mangelware. Nur in der Havelstraße wird noch ein Lebensmittelgeschäft, der ehemalige Konsum, von privater Hand geführt. Wer kann, weicht zu den Supermärkten in Döberitz, Premnitz oder Brandenburg aus.

Kein Wunder, dass der „Lutscherladen“ auch in Fohrde, Hohenferchesar und Marzahne seine Fans hat. Die umliegenden Dörfer haben schon lange keinen Einzelhandel mehr.

Von Frank Bürstenbinder

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