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Beetzsee In Seelensdorf ist der Braunbär los
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee In Seelensdorf ist der Braunbär los
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11:18 16.04.2019
Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz (l.) und Ernst Kaiser vor dem neuen Seelensdorfer Wahrzeichen. Aus einem Eichenstamm hat der Holzschnitzer einen Braunbären geschnitzt. Quelle: Frank Bürstenbinder
Seelensdorf

 Die Seelensdorfer nennen ihn Bruno. Doch ein Problembär aus Fleisch und Blut ist dieses hoch aufgerichtete Exemplar nicht. Friedlich nimmt Bruno Witterung in Richtung Ortseingang auf. Die Ohren sind gespitzt. Seine kleinen Augen richten sich auf jeden Ankömmling, der auf der einzigen Zufahrtstraße die kleine Siedlung erreicht. Wie ein mittelalterlicher Roland steht er da. Über zwei Meter hoch begrüßt der Braunbär die Friedliebenden. Doch immer bereit, das Böse vom Dorf und seinen rund 30 Menschen abzuwehren.

Film und Ausstellung

Im Jahr 1319 übertrug der damalige Bischof den Ort Seelensdorf samt Waldbesitz dem Domstift zu Brandenburg an der Havel. Mit knapp 2000 Hektar ist das Domstiftsforstamt heute der größte kirchliche Waldbesitz der Mark Brandenburg.

Anlässlich der 700-Jahr-Feierlichkeiten hat die Filmemacherin Stefanie Stoye über mehrere Monate den Alltag und das Leben der Seelensdorfer mit der Kamera festgehalten. Was dabei entstand, zeigt der RBB am 1. Mai um 18.40 Uhr in seinem Programm.

Aus Anlass des Jubiläums widmet das Dommuseum Brandenburg dem Seelensdorfer Forst eine Sonderausstellung, die vom 10. Mai bis zum 10. November geöffnet hat. Eine außergewöhnliche Zeitleiste macht die Geschichte Seelensdorfs mit allen Sinnen begreifbar.

Das vor 700 Jahren erstmals urkundlich erwähnte Seelensdorf hat ein neues Wahrzeichen. Neben dem Glockenstuhl unter freiem Himmel ist es jetzt ein aus dem Stamm einer Windwurfeiche geschnitzter Bär, der alle Blicke auf sich zieht. Im Auftrag des Domstiftsforstamtes ist die tierische Skulptur unter den Händen von Ernst Kaiser entstanden, der in der Region für zahlreiche Arbeiten aus Holz bekannt ist. Unter anderem schuf er 2015 die Osterinsel-Figuren für das Buga-Gelände in Premnitz, die inzwischen im Rathenower Optikpark einen endgültigen Standort gefunden haben.

Braunbär Bruno hat die Seelensdorfer Ortseinfahrt im Blick. Quelle: Privat

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„Die Arbeit war für mich eine Premiere. Einen Bär habe ich noch nie geschnitzt“, freut sich Kaiser. Wobei man sich das Schnitzen bei ihm nicht mit einem Taschenmesser vorstellen darf. Am aufrecht stehenden Stamm hantiert der Seelensdorfer, der beruflich im benachbarten Sägewerk arbeitet, mit Kettensäge, Fräse und Bildhauereisen. Im Januar begann er den Bären aus der Eiche zu hauen. Vor wenigen Tagen kam Bruno per Gabelstapler auf seinen von Hackschnitzeln umsäumten Platz.

Anlass für die Geburt des Bären sind die Feierlichkeiten zum 700-jährigen Bestehen Seelensdorfs, die in den nächsten Monaten wohl mehr Besucher als in der Vergangenheit anlocken dürften. Dazu gehört der traditionelle Gottesdienst im Grünen und die berühmte Trophäen- und Abwurfstangenschau im September. „Der Bär soll die Gäste symbolisch begrüßen“, erklärt Domstiftsforstmeister Friedrich Hinz die Idee.

Blick in die Geschichte

Eigentlich gilt Seelensdorf mit der nahen Pritzerber Laake als das Zentrum des Rotwildeinstandsgebietes Westhavelland. Doch einen lebensgroßen Hirsch aus einem Stamm zu schnitzen wäre nicht praktikabel gewesen. Außerdem wollte das Domstiftsforstamt anläßlich des Jubiläums weiter in die Geschichte zurückblicken. Als Seelensdorf noch den Edelleuten von Brösicke gehörte, hatte der Braunbär einen festen Platz in den ausgedehnten Waldgebieten.

Flurnamen erinnern an Bären

Auch nach 1319, als der Besitz vom Brandenburger Bischof an das Domstift ging, gab es noch Bären vor den Toren Pritzerbes. Davon zeugt zum Beispiel eine im Domarchiv aufbewahrte Rechnung aus dem 15. Jahrhundert. Darin zählt ein Schmied die Kosten für Eisen auf, um die Bienenstöcke in Seelensdorf vor Bären zu schützen. Domstiftsforstmeister Hinz zählt außerdem die historischen Namen von Forstorten auf, die die Jahrhunderte überdauert haben: „Es gibt zum Beispiel den Bärwinkel sowie die kleine und die große Bärendickte. Diese Bezeichnungen erinnern bis heute, wo einmal die Bären zu Hause waren.“

Seelensdorf blickt in diesem Jahr auf eine 700-jährige Geschichte zurück. Quelle: Frank Bürstenbinder

Einig sind sich die Seelensdorfer, dass Bruno auch nach den 700-Jahr-Feierlichkeiten seinen Platz am Dorfeingang behalten darf. Ernst Kaiser hat die Skulptur mit Leinöl behandelt, um größere Risse im Holz zu verhindern. Wer mehr Arbeiten des Seelensdorfer Schnitzers sehen möchte, kann am 4. und 5. Mai die Kirche in Hohenferchesar besuchen. Dort stellen Künstler aus der ganzen Stadt Havelsee bei der Veranstaltung „Offene Ateliers in Brandenburg“ aus.

Von Frank Bürstenbinder

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