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Beetzsee Kalter Krieg im Wald – Jetzt wird abgerissen
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12:34 26.03.2019
Waldbesitzer Thomas Kreiner vor den Resten eines Beobachtungsturms der Sowjetarmee auf dem ehemaligen Übungsgelände bei Briest.. Quelle: Frank Bürstenbinder
Briest

 Die Tribüne ist nur noch ein Trümmerhaufen, auch der große Beobachtungsturm steht nicht mehr. Auf den Betonflächen, wo einst Fahrzeuge der sowjetischen Pionierbrigade aus Brandenburg Aufstellung nahmen, ist ein Bagger mit Entsiegelungsarbeiten beschäftigt.

Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit werden gerade ehemalige Militär-Aufbauten in der Gemarkung Briest der Natur zurückgegeben. In wenigen Wochen wird fast nichts mehr an die jahrzehntelange Nutzung des Areals östlich der Landesstraße 962 durch sowjetische Streitkräfte erinnern.

Forstbetrieb gegründet

Die Flächenagentur Brandenburg GmbH entwickelt regionale Flächenpools, um diese an Vorhabensträger und Investoren im Rahmen der Eingriffsregelung zu vermitteln. Auch andere Modelle sind möglich. Gesellschafter der Flächenagentur ist der Naturschutzfonds Brandenburg.

Die Familie des Österreichers Thomas Kreiner ist in den letzten Jahren zu den größten Flächeneigentümern im Amt Beetzsee aufgestiegen. Unter den 300 Hektar Wald bei Briest sind Übungsflächen der ehemaligen sowjetischen Pionierbrigade, die in Brandenburg stationiert war.

Für die Bewirtschaftung der Wälder hat der Eigentümer die Firma Forstverwaltung Briest gegründet. Für forstliche Belange ist Peter Bellingkrodt zuständig. Um die Jagd kümmert sich Maik Preiss.

Hinter der aufwendigen Beräumung von 6300 Quadratmetern Betonfläche steckt eine Gemeinschaftsaktion von Waldbesitzer Thomas Kreiner und der Flächenagentur des Landes Brandenburg.

„In Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde findet bei Briest eine vorgezogene Kompensationsmaßnahme statt. Daran werden anschließend Investoren aller Art beteiligt, die anderswo Flächen versiegeln und für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu sorgen haben“, erklärte Sybille Tinius von der Flächenagentur gegenüber der MAZ.

Allee mit 750 Roteichen

Für Kreiner, der in Briest eine Forstbetriebsgemeinschaft für seine erworbenen Flächen gegründet hat, sind die Kompensationsmaßnahmen ein Glücksfall. Mit den Erträgen aus der Holzernte würden sich die Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Übungsgelände nicht finanzieren lassen. „Dafür investieren wir massiv in die Erstaufforstung.

Jährlich kommen 15 000 Kiefern und rund 1000 Eichen hinzu. Ein Teil davon durch Naturverjüngung. Mit der Beseitigung der militärischen Anlagen bekommt der Wald seine Erholung- und Schutzfunktion auch an diesen Stellen zurück“, freut sich Kreiner.

Die alte Hauptzuwegung zum Übungsgelände ließ der Eigentümer mit 750 Roteichen bepflanzen. Nächste Generationen sollen sich an einer Allee erfreuen.

Entsiegelungsarbeiten auf dem ehemaligen Übungsgelände der sowjetischen Pionierbrigade. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der bei Wien lebende Österreicher kaufte vor gut zehn Jahren dem Bund große Teile der ehemaligen Militärliegenschaft ab. Dazu gehört auch Wald im nördlichen Teil des ehemaligen Flugplatzes. Inzwischen ist sein Besitz auf rund 300 Hektar angewachsen, darunter sind mehrere Kleingewässer.

Kreiner, der in der Alpenrepublik eine Immobilien- und Bauträgergesellschaft und in Paraguay eine Rinderfarm besitzt, will den Wald nicht für sich allein. „Wenn ich etwas besitze, trage ich Verantwortung für die Allgemeinheit. Die Wunden der Vergangenheit sollen verheilen, die Menschen sollen sich wieder wohlfühlen im Wald “, so Kreiner.

Land für den Havelradweg

So hatte der Österreicher kein Problem damit Land für den noch ausstehenden Havelradweg entlang der Landesstraße zur Verfügung zu stellen: „Der Radweg ist eine großartige Sache, die ich gerne unterstütze.“

Als ein Feuer im Dürresommer 2018 seinen Wald bedrohte, bedankte sich der Eigentümer mit einer Spende von 1000 Euro bei den freiwilligen Feuerwehren für ihren Löscheinsatz. Nach dem alle Baugenehmigungen eingegangen sind, wird der Investor mit der Reaktivierung einer von ihm erworbenen Neubauruine am Ende der Briester Parkstraße beginnen.

Dort soll der Sitz seines Forstbetriebes angesiedelt werden. Vorbereitende Arbeiten sind bereits angelaufen. Zuvor musste Kreiner einen neuen Bebauungsplan aufstellen und die Stadt Havelsee ihren Flächennutzungsplan aktualisieren.

Ehemalige Lehrbaracke auf dem Übungsgelände bei Briest. Quelle: Frank Bürstenbinder

Kein Verständnis hat Kreiner für die illegalen Müllablagerungen vor der Schrankeneinfahrt zum alten Fahrschulgelände. „Das hat niemand nötig. Was da immer noch passiert ist ein ständiges Ärgernis“, grämt sich der Österreicher.

Problem: Die Eigentumsfrage bei dem einstigen Kontrollpunkt an der Landesstraße ist unklar. Die unansehnlichen Toraufbauten mit dem Wachhaus werden deshalb wohl nicht so schnell verschwinden.

Von Frank Bürstenbinder

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