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Beetzsee Wo in Havelsee die Unfallbrennpunkte sind
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18:11 13.03.2019
Gilbert Christensen ist seit 30 Jahren Polizist, seit 2016 Repo in Havelsee und bald auch vertretungsweise in Beetzsee. Quelle: Marion von Imhoff
Havelsee/ Beetzsee

Wenn Revierpolizist Gilbert Christensen durch seinen Bereich Havelsee fährt, blickt er auf zwei Straßenkreuzungen mit besonderer Sorge. Die größte gilt der Kreuzung in Pritzerbe, an der am 19. Februar ein 78-jähriger Radfahrer ums Leben kam. Ein aus Marzahne kommender Autofahrer hatte ihn angefahren.

Kaum zwei Wochen später knallte es dort schon wieder. Eine Frau schrottet an der Kreuzung Dammstraße/ Marzahner Landstraße eine Ampel. Ein Lastwagenfahrer hatte ihr die Vorfahrt genommen. „Es wird wohl nun als Unfallhäufigkeitsschwerpunkt eingestuft“, sagt Gilbert Christensen. Die Folge: Polizei und Verkehrsbehörden beraten, was den Verkehrsknoten sicherer machen könnte. Gilbert Christensen war es, der die Angehörigen über den Unfall des Radfahrers informierte.

An dieser Kreuzung in Pritzerbe starb am 19. Februar ein Radfahrer. Beim Abbiegen hatte ein Autofahrer den Mann übersehen, der die Bundesstraße gerade überqueren wollte. Der Revierpolizist zeigt den Unfallort. Der gehört jetzt zu den Brennpunkten im Unfallgeschehen. Quelle: Marion von Imhoff

Die zweite große Sorge gilt der Kreuzung ein paar hundert Meter weiter zur Siedlung Birkenwäldchen. Tempo 100 gilt dort auf der Bundesstraße 102. Noch nicht lange her ist dort ein Unfall, der glücklicherweise glimpflich ausging. Zwei Autos krachten ineinander. Hoher Sachschaden, aber kein Verletzter.

„Das ist eine Kreuzung zu allen vier Richtungen befahrbar, die von zwei Seiten kurvig ist. Da schaut ein Autofahrer, der aus dem Birkenwäldchen kommt, nach links, rechts und noch mal nach links und fährt los und in der Zeit ist da einer schon mit Tempo 100 um die Kurve gekommen.“

Tempofreigabe am Birkenwäldchen in Kritik

Während der Revierpolizist und Hauptkommissar an der Bundesstraße steht und die Gefährlichkeit dieser Kreuzung darlegt, überquert die 81-jährige Vera Bauer mit ihrem elektrobetriebenen Rollstuhl die Bundesstraße. Sicher auf der anderen Seite angekommen, gesteht die Bewohnerin des Birkenwäldchens auf Nachfrage der MAZ, „ich habe hier immer Angst, die Autofahrer rasen hier unmöglich.“ Gilbert Christensen plädiert für Tempo 70 an der Kreuzung. Vera Bauer ist da ganz auf seiner Seite.

Polizeistatistik im Amt Beetzsee

Die Zahl der Straftaten im Amt Beetzsee ist leicht gestiegen. Lag sie 2017 noch bei 237, erhöhte sie sich im vorigen Jahr auf 255 Straftaten. Die Aufklärungsquote stieg im gleichen Zeitraum von 52 Prozent auf 57 Prozent.

18 mal kam es 2017 zu Körperverletzungen im Beetzsee-Bereich. 24 waren es 2018. Jede der Taten konnte die Polizei aufklären. 68 Anzeigen wegen Sachbeschädigungen gab es 2017. Im Jahr darauf lag die Zahl bei 104.

Zu 219 Unfällen mit 27 Verletzten musste die Polizei im Jahr 2017 ausrücken und zu 228 im Jahr 2018.

35 Menschen wurden bei Verkehrsunfällen im Beetzsee-Amtsbereich im vorigen Jahr verletzt. Ein Mensch kam ums Leben und damit ein Unfallopfer weniger als im Jahr zuvor.

Seit 2016 ist der gebürtige Brandenburger Revierpolizist in Havelsee. Am 1. März feierte er sein 30-jähriges Dienstjubiläum. Für ein paar Wochen übernimmt Gilbert Christensen noch das Revier Beetzsee, dann kommt ein neuer Kollege. Die dortige Revierpolizistin Sandy Ballerstein wechselt für ein Jahr nach Beelitz.

Hier zeigen in der Birkenwäldchen-Siedlung Sandy Ballerstein (l.) und Daiana Sawatzki-Koppe , damals ebenfalls Revierpolizistin, Präsenz. Quelle: F. Bürstenbinder

Die 48-jährige Hauptkommissarin kennt ihr Revier ebenfalls wie ihre Westentasche. Das größte Problem? „Nachbarschaftsstreitigkeiten“, sagt Sandy Ballerstein, die seit 1989 bei der Polizei ist. „Immer mehr zum Problem werden Kameras. Dass jeder meint, er müsste solche Kameras als Einbruchsschutz an seinem Haus montieren. Und dann den Nachbarn aufnimmt, das geht natürlich nicht“, sagt Sandy Ballerstein. Und ihr Revier? Wo ist es ruhig, wo weniger? „Wir sind selten in Riewend, in Brielow und Radewege kommt es dagegen häufiger zu Sachbeschädigungen.“

Zu den Aufgaben der Revierpolizisten gehört es, im Auftrag der Staatsanwaltschaft Potsdam Aufenthalte zu ermittelt und Haftbefehle umzusetzen. Wer seinen Führerschein abgeben muss und es nicht tut, auch der bekommt in Havelsee und Beetzsee Besuch von Gilbert Christensen. „Bevor man dann aber die Wohnung umkrempelt, sind die meisten doch geneigt, endlich ihren Führerschein herauszugeben.“

Auf den Dörfern unterwegs

Einmal am Tag fährt Gilbert Christensen, bisher mit Kollegin Sandy Ballerstein die große Runde über die Dörfer. „Die Postfrau sieht den Streifenwagen mindestens ein Mal am Tag“, sagt der Revierpolizist, während er gerade an einem gelben Post-Transporter in Fohrde vorbeifährt. „Ich finde es schon schön, wenn die Leute sehen, dass die Polizei durch ihre Dörfer fährt.“

Sein Revier Havelsee beginnt an der Brielower Aue, Automeile und in Butterlake, es geht weiter bis zum Plauer Hof bis Pritzerbe. Gilbert Christensen mag seinen geregelten Tagesablauf nach Jahrzehnten im Wach- und Wechseldienst der Polizei und als Dienstgruppenleiter. „Es ist nicht mehr der ganz extreme Zeitdruck.“ Ein Revierpolizist erlebt den Menschen nicht nur bei Unfällen oder Straftaten, sondern auch entspannt zur Plauderei. „Dann kann man mal eine Viertelstunde miteinander reden, wenn es sein darf und kann.“

Am Fähranleger ist es unübersichtlich

Der Familienvater kommt an der Kita in Pritzerbe vorbei. Gilbert Christensen winkt beim Vorbeifahren kurz aus dem Streifenwagen zum Garten, in dem Kinder spielen. „Kinder sollen den Polizisten als Helfer erleben, nicht als jemanden, der kommt und Leute einsperrt.“ Auch deswegen pflegt er den Kontakt zu Schulen und Kitas in seinem Revier. „Dann fährt man vorbei, macht mal das Blaulicht an, spricht mit den Kindern, die haben dann eine ganz andere Beziehung zur Polizei.“

In Pritzerbe behagt dem Revierpolizisten die Kreuzung Havel-, Ecke Puschkinstraße wenig. Die Stichstraße zum Fähranleger nach Kützkow ist nur schwer einzusehen. „Eine Temporeduzierung oder ein Stoppschild würde das entschärfen. Manche fahren hier einfach durch, sagen, es werde schon niemand kommen: ,Gestern war es ja auch frei.’“ Der Revierpolizist schüttelt den Kopf.

Trotz schmaler Straßen Tempo 50

„Die Straßen in Pritzerbe sind relativ schmal.“ Freigegeben sind sie für 50 Stundenkilometer. „Die Holperstraßen, die engen Kurven. Da muss man nicht 50 fahren.“

Gilbert Christensen kennt viele und viele ihn: Wenn er durch das Amtsgebäude in Brielow läuft, begrüßt ihn der Hausmeister einer Schule, ein Campingplatzbetreiber wendet sich an ihn, in fast jedes Büro grüßt Christensen kurz hinein. Dort im Amt ist auch ein Büro der Revierpolizei.

Sprechstunde in Pritzerbe ist dienstags von 15 bis 17 Uhr im Rathaus. Danach fährt Gilbert Christensen häufig bei der Freiwilligen Feuerwehr in Fohrde ran. „Wie geht’s denn, Jungs“, fragt der Revierpolizist dann die Runde. Er will wissen, ob irgendwo der Schuh drückt. „Der Kontakt zum Bürger“, sagt Gilbert Christensen, „der ist schon gut.“

Von Marion von Imhoff

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