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Beetzsee Landesjugendamt prüft mögliche Kindesmisshandlungen in Brielower Kita
Lokales Potsdam-Mittelmark Beetzsee Landesjugendamt prüft mögliche Kindesmisshandlungen in Brielower Kita
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18:40 26.02.2019
Vor knapp einem Jahr wurde die neue Brielower Kita eröffnet. Quelle: Frank Bürstenbinder
Brielow

Drei Elternpaare erheben schwere Vorwürfe gegen eine Erzieherin der Kita Lindwürmer in Brielow. Die Frau soll Kinder mehrfach geschlagen und gekniffen haben. Drei Mütter sprachen über die Vorwürfe mit der MAZ. Aufgekommen sind die Anschuldigungen bereits im Frühsommer 2018.

Aus Angst vor Repressionen möchten sie namentlich nicht genannt werden. Sie fordern vom Amt Beetzsee die Entlassung der Erzieherin. Die Eltern stützen sich auf Aussagen ihrer Kinder, die angaben, vor der Erzieherin Angst zu haben. Auf Nachfragen der Eltern sollen die Kinder berichtet haben, von der Frau Schläge bekommen zu haben.

Amtsdirektor Guido Müller sagte am Dienstag, eine Hospitation habe die Erzieherin von den Vorwürfen entlastet. Es sei eine Personalangelegenheit, deswegen könne er sich nicht umfassend dazu äußern.

Hospitation entlastet Erzieherin

Eine externe Fachkraft der Pädagogika gGmbH aus Potsdam hat am 8. und 13. November in der Kita hospitiert. „Die Kinder zeigten sich entspannt und nicht verängstigt und haben die Erzieherin auch begrüßt und waren ihr gegenüber unbefangen“ , fasste Müller das Ergebnis der Hospitation zusammen.

Pädagogika-Leiterin Anja Günther lehnte eine Stellungnahme gegenüber der MAZ ab: „Wir sind zum vertraulichen Umgang mit den uns anvertrauten Informationen verpflichtet.“ Amtsdirektor Müller sagte: „Es gibt keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen gegen die Erzieherin. Für uns ist das Thema damit beendet.“

Ministerium kündigt Prüfung an

Nicht so für das Landesjugendamt. Das ist die Aufsichtsbehörde. Im Zuge der MAZ-Recherchen zu den Vorwürfen kündigte der Sprecher des Ministeriums für Bildung und Jugend in Potsdam, Ralph Kotsch, an: „Wir prüfen intensiv, ob Kindeswohlgefährdungen stattgefunden haben. Mehr können wir zum derzeitigen Zeitpunkt leider noch nicht sagen.“

Eine Mutter sagte der MAZ: „Wir haben gehofft, Hilfe zu finden.“ In Briefen beschwerten sich die Eltern bereits im Mai 2018 über die Erzieherin. Sie fordern den Schutz ihrer Kinder vor der Erzieherin. Diese sei mit ihrem Beruf überfordert und das sei in der Kita bekannt.

Angeblich Mund zugehalten

In einem der MAZ vorliegenden Brief schildern Eltern, ihrem Kind sei auf die Finger geschlagen worden und auf den Po. Zum Schlafen würde die Erzieherin den Kindern Kleidungsstücke über das Gesicht legen, damit die Jungen und Mädchen zur Ruhe kämen. „Wenn die Hemden nicht über dem Gesicht blieben, wird wieder in den Arm gekniffen.“ Wer noch rede in der Mittagsschlafenszeit, dem werde der Mund zugehalten.

Die Eltern sehen sich mittlerweile Vorwürfen ausgesetzt, sie seien Hetzer und Nestbeschmutzer.

Kita-Leiterin spricht von Gerüchten

Kita-Leiterin Monika Hödtke sagte am Dienstag gegenüber der MAZ, die Vorwürfe seien Gerüchte. Kein Kind sei misshandelt worden „Ich wäre nicht seit 30 Jahren Kitaleiterin, wenn ich so etwas dulden würde.“

In einem Brief vom Mai 2018, der der MAZ ebenfalls vorliegt, wendet sich die Kita-Leiterin nach Bekanntwerden der Vorwürfe an die Eltern. Die Sorgen der Eltern würden verstanden und ernst genommen. Sie habe umgehend den Amtsdirektor von den Vorwürfen informiert.

Das Amt Beetzsee zog die Kitapraxisberaterin des Landkreises Potsdam-Mittelmark hinzu, um die Vorwürfe zu klären. Daraufhin wurde die Hospitation in die Wege geleitet, die dann im November war. Zudem wurden Gespräch geführt im Bürgermeisterbüro mit Eltern und Mitgliedern des Kita-Ausschusses.

Politisches Nachspiel

In einem Brief des Amtsdirektors an Eltern von Anfang Januar 2019 berichtet das Amt Beetzsee von der Hospitation: „Durch die Fachkraft wurde festgestellt, dass die Vorwürfe aus ihrer Sicht nicht zu vertreten sind.“

Der Fall hat auch ein politisches Nachspiel. Elisabeth Elsner aus Radewege, seit 1996 Gemeindevertreterin, schließt nicht aus, sich deswegen aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen. Elsner ist Mitglied im Kita-Ausschuss und hat sich intensiv mit den Vorwürfen der Eltern befasst.

Gemeinde ist Kita-Betreiber

Elsner und Gemeindevertreterin und Ausschussmitglied Gerlinde Rusch aus Brielow wurden im jüngsten Beetzsee-Gemeinderat kritisiert, die Vorwürfe nicht eher in dem Gremium angesprochen zu haben. Die Gemeinde Beetzsee ist Träger der Kita.

Erzieher erhoben ihrerseits die Anschuldigungen, Elsner und Rusch würden gegen die Kita hetzen. Erzieherinnen weigerten sich, in dem Gremium weiter mitzuarbeiten. Am Dienstag sagte Amtsdirektor Müller dazu: „Der Ausschuss ist seit gestern wieder vollständig. Es wurden drei Erzieherinnen als Mitglieder gewählt.“

Eltern fühlen sich im Stich gelassen

Die MAZ fragte die Eltern, warum diese bei den im Raum stehenden Vorwürfen ihre Kinder nicht sofort in einem anderen Kindergarten angemeldet hätten. „Meine Tochter hat alle ihre Freunde in der Kita. Und ein Jahr vor der Einschulung wollten wir sie auch nicht herausreißen aus der Gruppe“, sagte eine Mutter.

Sie hätten darauf vertraut, dass die Erzieherin einer anderen Gruppe zugeteilt werden würde und nicht mehr für ihre Kinder zuständig sei. Sie fühle sich von den Behörden im Stich gelassen.

Von Marion von Imhoff

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