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Bei der Feuerwehr Schwielowsee brennt’s

Personalnot Bei der Feuerwehr Schwielowsee brennt’s

Chronisch unterbesetzt in einem Ehrenamt, das eine Pflichtaufgabe erfüllt: Die Feuerwehren in Schwielowsee wissen vor allem tagsüber nicht mehr, wie sie mit ihren wenigen Mitgliedern zu Einsätzen ausrücken sollen. Sie sehen die Sicherheit der Bürger in Gefahr. Nun fordern sie konkrete und schnelle Lösungen.

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Am Tage unterbesetzt: Manche Einsätze können die Feuerwehren in Schwielowsee aus Personalmangel nicht mehr besetzen. In anderen Fällen ist nur ein Kamerad vor Ort.

Quelle: Julian Stähle

Schwielowsee. Für die Feuerwehren der Gemeinde Schwielowsee ist es fünf vor zwölf. Tagsüber sind sie so schlecht besetzt, dass sie zu manchen Einsätzen erst nach 40 Minuten oder gar nicht mehr fahren können. Wenn es zwischen 8 und 16 Uhr in der Caputher Schule brennen würde, könne keiner kommen, sagt ein Feuerwehrmann. Hilfe aus Potsdam sei auch nicht zu erwarten. Die Ehrenamtler sind es leid, diese Verantwortung zu tragen und haben sich mit einem Hilferuf an die Gemeinde gewandt. Der SPD-Ortsverein hat am Donnerstagabend nun zu einer Diskussionsveranstaltung ins Hotel „Müllerhof“ geladen, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Wie sich herausstellte, sind die Probleme vielfältig und auf Lösungen wird seit mindestens zehn Jahren gewartet.

Dem Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes, Werner-Siegwart Schippel, zufolge sind den Brandenburger Wehren in den vergangenen Jahren etwa 10 000 Mitglieder im Einsatzbereich verloren gegangen. Das hat drastische Folgen. „Die Tagesbereitschaft ist nur noch zu 50 Prozent vorhanden“, sagte er. Perspektivisch brauche die Feuerwehr andere Strukturen. Diese Veränderung ziehe aber mit Kosten in Millionenhöhe nach sich. Konkret geht es zum Beispiel darum, die Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften zu unterstützen, die Altersgrenze von 65 Jahren aufzuweichen und auch mehr Unternehmen dafür zu gewinnen, ihre Mitarbeiter für den Einsatz freizustellen. „Wir haben fast 1000 Gewerbe in der Gemeinde. Wenn ich von jedem Unternehmen einen Mann hätte, wäre uns sehr geholfen“, sagte Enrico Otterstein, Vizewehrführer in Caputh. Die Unternehmer fürchten je nach Branche nicht nur, dass sie auf dem Dienstausfall sitzen bleiben, sondern dass die Produktion still steht.

Verband: Träger sollen die Kommunen bleiben

Ob es für Unternehmer, die Feuerwehrleute zum Einsatz fahren lassen, künftig Ermäßigungen bei der Gewerbesteuer geben kann, konnte die Staatssekretärin des zuständigen Brandenburgischen Innenministeriums, Katrin Lange (SPD), nicht sagen. Das Konzept für eine Reform sei gerade in Arbeit und soll noch in diesem Jahr stehen. Eins steht fest: „Wir werden nicht ohne die Freiwilligen Feuerwehren auskommen. Flächendeckend wird es keine hauptamtliche Unterstützung geben“, so Lange.

Etwa 30 Feuerwehrleute und Gäste kamen zur Diskussionsveranstaltung auf Einladung des SPD-Ortsvereins

Etwa 30 Feuerwehrleute und Gäste kamen zur Diskussionsveranstaltung auf Einladung des SPD-Ortsvereins.

Quelle: Luise Fröhlich

Der Feuerwehrverband will sich dafür einsetzen, dass die Wehren auf jeden Fall weiter von den Kommunen getragen werden. Beim Gefahrenabwehrplan etwa, den bis jetzt jede Kommune für sich erstellt, könne es aber auch übergreifende Lösungen geben. „Bundeseinheitliche Regelungen wären uns am liebsten“, erklärte Werner-Siegwart Schippel.

Feuerwehrleute wollen schnelle Lösungen

Capuths Ortsvorsteher und Fährmann Karsten Grunow sieht Land und Bund in der Pflicht. „An der Sicherheit der Bürger sollte man nicht sparen“, sagte er. Wie viele andere auch vertritt er zudem die Meinung, dass das Ehrenamt attraktiver werden muss. Als Anregung nannte Grunow Finanzspritzen für den Auto- oder Lkw-Führerschein. Bis die neue Reform in Kraft tritt, müssen die Wehren noch eine lange Zeit überbrücken. „Wir Feuerwehrleute sind von Natur aus ergebnisorientiert. Wir wollen keine langen Debatten, sondern schnelle Lösungen“, sagte Enrico Otterstein. „Wir wünschen uns Hilfestellungen hier vor Ort.“ Eine Idee dafür lieferte abschließend Norbert Kunz, Vize-Vorsitzender der SPD in Schwielowsee: „Wir könnten mit engagierten Leuten aus der Gemeinde die Unternehmer aktiv ansprechen und sie um Unterstützung bitten.“

Reform angekündigt

178
Einsätze hatten die Freiwilligen Feuerwehren in Schwielowsee im vergangenen Jahr. Mit 63 waren die meisten in Geltow zu bewältigen.

Die Fercher Wehr ist mit 70 Mitgliedern am besten aufgestellt. 69 sind es in Caputh und nur 32 in Geltow.

Die Zahl der aktiven Mitglieder beschränkt
allerdings in Caputh auf 29, in Ferch auf 35 und in Geltow auf 19.

Die Jugendfeuerwehr in Caputh hat mit 36 Kindern und Jugendlichen die meisten Mitglieder.

25
Frauen sind insgesamt bei den Feuerwehren tätig.

Brandenburgs Innenministerium will noch in diesem Jahr ein Reformkonzept präsentieren, wie der Brand- und Katastrophenschutz in Brandenburg künftig aussehen soll.

Die Regionalkonferenzen des Landesfeuerwehrverbandes mit allen fünf Leitstellenbereichen haben knapp 400 Mitglieder und dienen mit einer Befragung des Ministeriums als Grundlage für das Konzept.

Von Luise Fröhlich

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