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Beim Baumblütenfest ausgerastet

Prozess nach Angriff auf Polizisten Beim Baumblütenfest ausgerastet

Das Baumblütenfest in Werder ist nicht nur eines der größten Volksfeste Deutschlands. Es ist auch eine besondere Gefahrezone. Alle Jahre wieder kommt es zu Rangeleien und anderen „volksfesttypischen Delikten“, wie es im Polizeijargon heißt. Immer wieder werden auch die Beamten selbst angegriffen. Jetzt stand ein junger Potsdamer vor Gericht, der einen Polizisten geschlagen hat.

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Am Herrentag am 5. Mai 2016 hatte die Polizei auf dem Baumblütenfest alle Hände voll zu tun.

Quelle: Julian Stähle

Werder. Herrentag und Baumblütenfest – das ist eine hochprozentige Kombination. Darauf ist am 5. Mai dieses Jahres jeder gefasst, der in der Hundertschaft der in Potsdam-Eiche stationierten Bereitschaftspolizei seinen Dienst tut und nach Werder abkommandiert wird. Überrascht ist daher niemand, als es kurz vor 22 Uhr zu einem Massen-Gerangel vor der Bühne an der Uferstraße kommt. Einer der ersten Beamten vor Ort ist Yannik S. (27). Doch er kommt gar nicht erst dazu, die betrunkenen Raufbolde zu trennen. Immer wieder kommt ihm ein junger Mann in die Quere, der mit dem Gerangel eigentlich nichts zu tun hat. „Ich habe ihn mehrmals aufgefordert, zur Seite zu gehen“, sagt S. „Er hat sich immer wieder eingemischt. Als ich ihn dann zur Seite schob, hat er nach mir geschlagen.“

Verletzt wurde der Polizist, der bei dem Angriff einen Ganzkörperschutzanzug und Helm trug, zwar nicht. Dennoch sehen er und Maurice L. (20) sich ein halbes Jahr später vor Gericht wieder. Maurice L. streitet die Vorwürfe – Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung – ab. „Ich war geschockt, als ich von dem Vorwurf erfahren hab“, sagt der Potsdamer. Er habe nur einem Freund helfen wollen: „Ich habe keinen Polizisten geschlagen.“

„Er war während der gesamten Maßnahme sehr, sehr aggressiv“, sagt indes der Polizist, dem ein Kollege zur Hilfe eilte. „Er hat uns sowohl verbal als auch körperlich angegriffen.“ Nachdem die Polizisten L. „mit einfacher körperlicher Gewalt“ überwältigt und ihm die Hände auf dem Rücken fixiert hatten, habe es 20 bis 25 Minuten gedauert, bis er sich beruhigt hatte, man wieder mit ihm reden und die Fesseln lösen konnte. „Er blutete leicht aus der Nase – eine ärztliche Versorgung lehnte er aber ab“, schildert der Polizist. Ein anderer Beamte beschreibt L. als aufgelöst: „Ein paar Tränen hat er schon verdrückt und uns erzählt, was alles schief gegangen ist in seinem Leben.“

Das ist offenbar eine ganze Menge. Bereits vier Mal stand Maurice L. wegen Diebstahls und Sachbeschädigung vor Gericht, kam aber mit Arbeitsstunden und Bewährung davon. Seinem Bewährungshelfer entzieht er sich allerdings seit Anfang des Jahres: „Ich erreiche Maurice weder telefonisch noch per Post. Er meldet sich nicht zurück. Kommt zu keinem Termin. Ich habe keine Kontakt zu ihm.“ Am Anfang der Bewährung sei L. noch kooperativ gewesen, sagt der Bewährungshelfer. Er habe 140 Arbeitsstunden in einem Altenheim abgeleistet – eine Aufgabe, die ihm liege. Einen Beruf hat L. aber nicht. Nach dem Abschluss der Förderschule habe er ein berufsvorbereitendes Jahr begonnen, aber nach wenigen Monaten abgebrochen. „Alle Angebote, die ich ihm machen konnte, hat er abgelehnt“, sagt der Bewährungshelfer. „Er nimmt keine Hilfe an, lebt in den Tag hinein. Die Prognose ist schlecht.“

Der Staatsanwalt ging mit Maurice L. hart ins Gericht. Sein Verhalten sei asozial: „Ihr Einkommen ist gleich null, sie schnorren sich bei Freunden durch, sind nicht bereit, Unterstützung anzunehmen.“ Weil der Bewährungshelfer L. eine deutliche Reifeverzögerung attestiert, plädierte der Ankläger allerdings dafür, Jugend- statt Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. „Ihnen drohen mindestens sechs Monate Haft, unter Einbeziehung der Vorstrafen acht Monate.“ Dennoch sollte man versuchen, ohne Jugendstrafe auszukommen – also ohne den Angeklagten in ein Gefängnis zu stecken. Der Staatsanwalt forderte Jugendarrest, der nicht als Strafe, sondern als Zuchtmittel gilt. Verteidiger Steffen Sauer schloss sich dem Staatsanwalt an. „Was mein Mandant getan hat, ist nicht zu entschuldigen – auch mit 2,83 Promille nicht.“

Richterin Doris Grützmann und ihre Schöffen verhängten vier Wochen Jugendarrest. „Da können Sie mal vier Wochen darüber nachdenken, wie es mit Ihnen weitergehen soll. Offenbar können Sie das nicht, wenn Sie von Kumpel zu Kumpel ziehen“, so die Richterin. „Wenn Sie sich der Hilfe, die man Ihnen anbietet, weiter entziehen, lösen Sie keine Probleme. Wenn Sie sich nicht öffnen, wird es nicht besser. Sie allein haben es in der Hand.“

Maurice L. kann binnen einer Woche Berufung gegen das Urteil einlegen.

Von Nadine Fabian

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