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Berliner Mauer soll nach Michendorf

Originalteile sollen an Kappung erinnern Berliner Mauer soll nach Michendorf

Michendorf lag zwar einige Kilometer vom Grenzstreifen entfernt, gehörte mit seinen Autobahnraststätten aber zu den wenigen Orten, an denen sich Ost und West auch in Zeiten der Trennung begegnen konnten. Jetzt sollen an Bahnhöfen in der Gemeinde Teile der Berliner Mauer aufgestellt werden – als Erinnerung an die Kappung der Wetzlarer Bahn im Jahr 1961.

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Ekkehard Krauß an seinem Mauerbild, das die alte Kokerei in der Potsdamer Schiffbauergasse zeigt. Heute nutzt der Software-Konzern Oracle den Turm als Bürogebäude.

Quelle: Jens Steglich

Michendorf. Ein Stück Berliner Mauer soll einen Platz in Michendorf bekommen. Der Gemeinde liegt das Angebot von zwei Künstlern vor, Originalmauerteile am Michendorfer und am Wilhelmshorster Bahnhof aufzustellen. Die Standorte sind mit Bedacht gewählt. „Die Mauerteile sollen daran erinnern, dass mit dem Bau der Mauer 1961 auch die Wetzlarer Bahn gekappt wurde“, sagt der Langerwischer Künstler Ekkehard Krauß. Die Wetzlarer Bahn, die Ende des 19. Jahrhunderts als Teil der sogenannten Kanonenbahn (Strecke Berlin – Metz) entstand und durch Michendorf und Wilhelmshorst führt, endete 28 Jahre lang vor den Toren Berlins. „Für den Personenverkehr war in Potsdam-Drewitz Schluss“, sagt Krauß.

Die beiden 3,30 Meter hohen und 1,7 Tonnen schweren Mauerteile nutzten er und die Potsdamer Künstlerin Juliane Rothenburg als Projektionsfläche für ihre Werke, die Bezug nehmen zu der Zeit, als der Beton Berlin und Deutschland trennte. Juliane Rothenburg verarbeitete auf einer Betonseite ein Foto der DDR-Grenztruppen, auf dem eine Leiter zu sehen ist, die an der Mauer lehnt. Das Foto schossen Grenzsoldaten. „Einer Familie gelang mit so einer Leiter die Flucht in Klein Glienicke. Sie hatte einen Stromausfall ausgenutzt“, erzählt die Potsdamerin. Sie nannte das Werk „Zurückgelassen“ und krönte es mit einer lebensgroßen Drahtfigur, die den Wunsch symbolisiert, unter höchstem Risiko für Leib und Leben in die Freiheit zu gelangen. Ihr Bild auf der anderen Seite des Mauerstücks nannte sie „Die Sicht der Dinge“. Inspiriert von den Erinnerungen an die Zeit, als der Betonwall noch stand, reflektiert sie mit Ironie Erzählungen vom „goldenen Westen“ – etwa, als eine Bekannte nach ihrer Rückkehr von einer Westreise berichtete, die Wiesen dort seien grüner, der Himmel blauer und die Kühe bunter.

Juliane Rothenburg an ihrem Werk

Juliane Rothenburg an ihrem Werk.

Quelle: Jens Steglich

Juliane Rothenburg, die zu DDR-Zeiten im Museum für Ur- und Frühgeschichte arbeitete und am Standort im Babelsberger Park die Mauer vor ihrer Nase hatte, platzierte auf dem Mauerstück ein Bild mit goldenem Rahmen. Darin ist eine Milka-Kuh an einem gelben Fluss zu sehen, der für die Annahme steht, drüben würden Milch und Honig fließen.

Ekkehard Krauß gab dem Bild auf seinem Mauerstück den Titel: „Freiheit ist die optimale Verteilung von Abhängigkeit.“ Es ist ein Spruch von Hausbesetzern, die den Satz 1990 an der alten Kokerei in der Potsdamer Schiffbauergasse anbrachten. Den Koksseparator nutzt seit 2003 der amerikanische Software-Riese Oracle als Bürogebäude.

Die Betonplatten, die nach Michendorf kommen sollen, gehörten zu jenen Mauerstücken, die ein Bauunternehmen von der Nationalen Volksarmee (NVA) erhalten hat. Sie schlummerten auf dem Firmengelände der Klösters Baustoffwerke, die das Projekt „Mauerteilebemalen“ initiierte und so Künstlern ein besonderes Betätigungsfeld bot. Das Unternehmen stellte Mauerteile zum kreativen Gestalten zur Verfügung, einige sind noch auf dem Gelände zu sehen, auf dem Teltow seinen Stadthafen baut. Viele gestaltete Mauerstücke sind inzwischen in der ganzen Welt verstreut, vier wurden etwa nach Südkorea verschifft, zwei stehen in Singapur. Mauerteile zum Bemalen gibt es keine mehr.

Für die Bemal-Aktion wurde mit Künstlern Nutzungsverträge abgeschlossen. Sie können ihre Mauerteile in der Vertragslaufzeit in eigener Regie vergeben. Michendorf kann die Teile als Dauerleihgabe erhalten oder kaufen. „Ich finde es eine herrliche Idee und freue mich, dass wir solche geschichtsträchtigen Kunstwerke bekommen können“, sagte Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU). Ortsbeirat Michendorf und Sozialausschuss gaben bereits grünes Licht. Sollte die Gemeinde die Werke für alle Zeit behalten wollen, wäre den Künstlern ein Kauf freilich lieber. „Mauerteile mit Kunstwerken steigen beständig im Wert“, sagt Krauß. Derzeit würde das Mauerteil von Juliane Rothenburg 6000 Euro kosten, ein Drittel davon bekäme die Firma Klösters.

Von Jens Steglich

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