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Berliner Senat scheut offenbar die Kosten

Streit um Ehrengrab für SPD-Politiker Rudolf Breitscheid Berliner Senat scheut offenbar die Kosten

Ob Berlin der letzten Ruhestätte des SPD-Politikers und Hitlergegners Rudolf Breitscheid den Status „Ehrengrab“ aberkennen wird, ist noch völlig offen. Das wurde auf einer Gedenkveranstaltung zu Breitscheids Todestag am Donnerstag an seinem Grab auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof deutlich. Brandenburger Genossen sind sauer.

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Manja Schüle und Heinrich Plückelmann (beide SPD) erinnerten am Donnerstag gemeinsam an den Hitlergegner und SPD-Politiker Rudolf Breitscheid.

Quelle: Jürgen Stich

Stahnsdorf. Das Land Berlin hat sich immer noch nicht eindeutig zum SPD-Reichstagsabgeordneten Rudolf Breitscheid (1874-1944) bekannt. „Es ist leider nach wie vor in der Schwebe, ob die Einstufung der letzten Ruhestätte von Rudolf Breitscheid als Berliner Ehrengrab aufrechterhalten wird“, sagt Olaf Ihlefeldt, Verwalter des Südwestkirchhofs in Stahnsdorf. Dort befindet sich das Grab des Politikers, der 1933 vor den Nazis aus Deutschland nach Frankreich floh.

Breitscheid, der bereits früh vor der Hitlerdiktatur gewarnt hatte, wurde in Frankreich an die Gestapo ausgeliefert und mit seiner Frau zunächst in Sachsenhausen, dann in Buchenwald inhaftiert. Bei einem US-amerikanischen Luftangriff kam er dort ums Leben, seine Frau überlebte den Angriff.

Im Januar 1945 wurde Breitscheids Asche in Stahnsdorf beigesetzt. Zunächst kümmerte sich die in Berlin gebliebene Haushälterin Emmy Förster um das Grab, später übernahm die SPD die Pflege. Seit 1992 ist die Ruhestätte Ehrengrab des Landes Berlin.

„Im vergangenen Jahr wurde uns mitgeteilt, dass der Status Ehrengrab wegfallen soll“, erzählt Ihlefeldt. Scharfe Proteste von mehreren Seiten haben den Berliner Senat aber offenbar aufgeschreckt. Die Aberkennung stünde „im Moment nicht zur Debatte“, sei die aktuelle Auskunft der Berliner Senatskanzlei, so Ihlefeldt. Am Ende geht es um jährliche Pflegekosten für das Grab von rund 200 Euro.

Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Rudolf Breitscheid schloss sich 1912 der SPD an. Zeitweise gehörte er auch der sozialistischen USPD an, kehrte aber 1922 zu den Sozialdemokraten zurück.

Das Grab des SPD-Politikers auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof ist seit 1992 Ehrengrab des Landes Berlin. Außerdem gilt Breitscheid als Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft – sein Grab ist damit auf Dauer gesichert.

Zu Breitscheids Todestag, dem 24. August, waren am Donnerstag wie in jedem Jahr Vertreter der SPD auf den Südwestkirchhof gekommen. „Für mich ist das Gedenken am Grab von Breitscheid lebendiges Erinnern an seine Lebensleistung und seine aufrechte Haltung in einer Diktatur“, sagte Manja Schüle, die als SPD-Direktkandidaten in Potsdam und dem Umland antritt. Breitscheid, der zu seiner Zeit insbesondere die außenpolitischen Vorstellungen der SPD prägte, sei mit seiner klaren, pazifistischen Haltung Vorbild für heutige Politiker, so Schüle. Für den Erhalt des Ehrengrabs wollen sich Schüle und Stahnsdorfs SPD-Chef Heinrich Plückelmann noch einmal persönlich beim Berliner Senat einsetzen.

Von Jürgen Stich

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