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Berühmter Sohn ohne Gesicht

Treuenbrietzen Berühmter Sohn ohne Gesicht

Mit einem Rundgang ist am Sonntagvormittag in Treuenbrietzen an einen berühmten Sohn der Stadt erinnert worden. Auf den Tag genau vor 300 Jahren wurde dort Christoph Nichelmann (1717 - 1762) geboren. Als Musiker und Komponist erlangte er am Hofe von Preußenkönig Friedrich dem Großen Bekanntheit. Überliefert sind Noten aber keine Bilder.

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An der Neuen Markstraße in Treuenbrietzen lag das Geburtshaus von Christoph Nichelmann. Die langjährige Kantorin Ilse Waschau (Mitte) hat sich viel mit dem Musiker befasst und einiges zu erzählen.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Wie er ausgesehen haben mag, weiß heute niemand. Bilder von Christoph Nichelmann (1717 - 1762) sind nicht überliefert. Dabei erlangte der Sohn eines Tuchmachers aus Treuenbrietzen zu Lebzeiten einige Bekanntheit. Als Komponist und Musiker machte er am Hofe von Preußenkönig Friedrich dem Großen Karriere.

Anlässlich seines 300. Geburtstages am Sonntag lud der Kulturverein Rietz auf Initiative von Helmut Päpke zu einem Rundgang auf den Spuren diverser bedeutender Persönlichkeiten und Künstler der Stadtgeschichte ein. „Wir wollen unsere Aktivitäten nicht nur auf Rietz konzentrieren“, erklärt Werner Leschhorn zum Hintergrund des Sonntagsspazierganges im Stadtgebiet. „Schließlich ist Rietz ja auch Treuenbrietzen“, so der Vereinsvorsitzende.

Der  Stadtrundgang auf dem Spuren bedeutender  Treuenbrietzener führte auch zum Gedenkstein für Martin Chemnitz an der Marienkirche

Der Stadtrundgang auf dem Spuren bedeutender Treuenbrietzener führte auch zum Gedenkstein für Martin Chemnitz an der Marienkirche.

Quelle: Thomas Wachs

Der Einladung folgten 15 interessierte Bürger. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen bei dem Rundgang. Persönlichkeiten wie Lothar Sell, Aron Isaak, Friedrich Heinrich Himmel, Martin Chemnitz, Arthur Jaenicke sowie Carl August Pauckert und Karl Reichhelm fanden Erwähnung. Auch gibt es Hinweise auf die Hobbykünstler, die im Gildenhaus an den Hakenbuden ihre Gemeinschaftsausstellung betreiben sowie auf Andreas Bruns. „Er hat als Investor für diverse Sanierungsobjekte viel zum Erhalt des historischen Stadtbildes beigetragen“, sagt Helmut Päpke.

Zum Jubilar Nichelmann konnte Ilse Waschau interessante Fakten beisteuern. Sie war von 1959 bis 1992 langjährige Kantorin an St. Marien. Erst in Treuenbrietzen habe sie von Nichelmann erfahren, „als es Anfragen Interessierter Berliner gab“, bekennt die heute 84-Jährige. Daraufhin hat sie viel zu ihm gearbeitet und in Archiven sowie Bibliotheken recherchiert.

Dieses historische Foto zeigt vermutlich das Geburtshaus Nichelmanns am Neuen Markt

Dieses historische Foto zeigt vermutlich das Geburtshaus Nichelmanns am Neuen Markt.

Quelle: Thomas Wachs

Immerhin begleitete Nichelmann einst als Mitglied der Hofkapelle den Preußenkönig Friedrich II. bei dessen Flötenspiel, verfasste musiktheoretische Schriften und glänzte auch mit Kompositionen, die sich stilistisch mehrheitlich an Größen wie Karl Heinrich Graun, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Joachim Quantz anlehnen. Seine größte stilistische Eigenständigkeit erreichte der Treuenbrietzener mit seinen Cembalokonzerten.

„Heute gibt es wieder Noten von Nichelmann und eine Doppel-CD mit sechs Cembalo-Konzerte“, erzählt Ilse Waschau. „Wenn man Glück hat, hört man auch mal bei Klassik-Sendern im Radio Musik von ihm.“ Zu Sabinchenfest im Juni organisierte die Seniorin ein Geburtstagskonzert. Zum Rundgang am Sonntag hat sie Dokumente sowie ein Foto mitgebracht, das wahrscheinlich Nichelmanns Geburtshaus in der Neuen Marktstraße zeigt. Das Fachwerkgebäude steht nicht mehr. Eine Mauer mit Hoftor schließt heute die Lücke. An der Einfahrt von der Großstraße her erinnert eine Tafel an Nichelmann.

Fotos zu Nichelmann hat auch Wolfgang Ucksche noch nie entdeckt. „Wahrscheinlich war er stiller und nicht so draufgängerisch wie etwa Friedrich Heinrich Himmel“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins am Rande des Rundganges gegenüber der MAZ. „Und schließlich wurde Nichelmann ja auch nur 44 Jahre alt“, so Ucksche.

Von Thomas Wachs

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