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Beschwingtes „Fenster zum Flur“

Premiere an der Volksbühne Michendorf Beschwingtes „Fenster zum Flur“

Das Berliner Volksstück „Fenster zum Flur“ hat an der Volksbühne Michendorf umjubelte Premiere gefeiert. Mit Horst Pillau war sogar ein Stargast dabei: Pillau hatte das Stück 1960 mit Curth Flatow fürs Berliner Hebbeltheater geschrieben. Die vielfältigen familiären Verstrickungen hat Regisseurin Franziska K. Huhn in die Gegenwart geholt.

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Bernd Schulte und Regina Schulte am Hülse.

Quelle: Veranstalter

Michendorf. „Die schönen Tage von Aranjuez sind nun zu Ende“ lautet der Eingangssatz von Schillers „Don Carlos“. Und man war am Freitagabend in der Michendorfer Volksbühne versucht, diesen Satz auf die großen Boulevardtheater-Zeiten umzumünzen, als Inge Meysel, Brigitte Mira oder Heidi Kabel mit ihren Auftritten auf Bühne und Mattscheibe generationenübergreifend für ekstatische Beglückung sorgten. Zur Michendorfer Premiere des Bühnenkrachers „Fenster zum Flur“ hatte sich mit Horst Pillau ein Stargast angekündigt. Pillau schrieb das Stück 1960 mit Curth Flatow fürs Berliner Hebbeltheater. Dort feierte es einst unter Regie von Erik Ode („Der Kommissar“) mit Inge Meysel und Rudolf Platte in den Hauptrollen Triumpfe feierte.

Weil mehr als 50 Jahre ein heftiger Zeitsprung sind, hat die Regisseurin Franziska K. Huhn nun eine aktualisierte Spielfassung geschaffen und das Zeitalter von Handy, Laptop und Niederflurstraßenbahnen eingearbeitet. Die von ihr entworfene Bühnenausstattung bebildert ihr Vorgehen insofern, als sie vorsichtig in die das gealterte Mobiliar Versatzstücke und Requisiten der Moderne streute. Die Fabel ist schnell erzählt. Die ignorant und manchmal etwas zu hysterisch gespielte Mutti Wiesner (Regina Schulte am Hülse) arbeitet mit Vehemenz am vermeintlichen gesellschaftlichen Aufstieg der Familie. An ihre tradierten Vorstellungen von Oben und Unten müssen sich ihr gutmütiger Gatte Karl (Bernd Raucamp) und die drei Kinder orientieren. Das Projekt scheitert natürlich kläglich. Muttis ganzer Stolz Helen (Fiona-Maria Karagiannidu) kehrt aus angeblicher Millionärsehe ledig, aber dafür mit unehelichem Knäblein aus New York zurück. Mamas ewiger Filius Herbert (Sebastian Witt) will sein Medizinstudium schmeißen und die 23-jährige Inge (Bettina Brezinski) kellnert, statt Ballerina zu werden und verknallt sich dabei ausgerechnet in einen dahergelaufenen polnischen Jazzmusiker. Als sich dann noch beim straßenbahnernden Ehemann der graue Star einstellt und es zu einem Unfall kommt, zerbricht der mühevoll von der Chefin gekittete Familienfrieden. Klar, dass selbst nach dem missglückten Suizid des Gatten die Geschichte noch happy endet.

Der Riesenbeifall am Schluss und der Jubel des Publikums konnten aber nicht überdecken, dass es der Inszenierung etwas an Spielkraft und Lockerheit mangelte. Das lag möglicherweise weniger an den langen Schatten Inge Meysels und Rudolf Plattes, sondern vor allem daran, dass die kleinbürgerlichen Kosmen – trotz aller textlichen Auffrischung – wie aus der Zeit gefallen schienen.

Wie punktgenau man Pointen setzen kann demonstrierte der quicklebendige 83-jährige Stückautor beim anschließenden improvisierten Interview mit Theaterleiter Siegfried Patzer im Foyer. Pillau erzählte, dass ihn neulich ein Taxifahrer gefragt habe, ob er ein „Nachfahre des Autors sei“. Auch seinen zweiten Gag platzierte er zielsicher. Ein anderer Herr wollte wissen, ob er – bevor er Schriftsteller wurde – schon mal einen richtigen Beruf ausgeübt habe. Sogar einen Wunsch wurde Pillau noch los. Er hoffe, dass die kleinen Theater wie die Volksbühne Michendorf weiter leben. Auch dafür gab es zu Recht viel Beifall.

Weitere Spieltermine: 27.-29. Mai, 10., 12., 17.-19., 25./26. Juni, 8./9. Juli. Reservierungen: 033205/ 268 188.

Von Lothar Krone

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