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Besinnlicher Abschluss des Jubeljahres

Dorfjubiläum in Lehnsdorf Besinnlicher Abschluss des Jubeljahres

Das Lehnsdorfer Festjahr geht zu Ende. 800 Jahre zählt der heutige Ortsteil Wiesenburgs, die Einwohner erstellten sogar eine aufwendige Dorfchronik zum Jubiläum. Zum besinnlichen Abschluss gab es nun noch einmal eine Ausstellung mit den Bildern der Chronik und all jenen Ergänzungen, die sich im Lauf des Jahres noch anfanden.

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Sabine Zurmühl und Ortsvorsteher Lutz Knape präsentieren die Ausstellung im Lehnsdorfer Dorfgemeinschaftshaus

Quelle: Saskia Popp

Lehnsdorf. In Lehnsdorf geht das Festjahr zum 800-jährigen Bestehen des Ortes zu Ende. Am Freitagabend erklangen die vertrauten Weihnachtslieder in der Dorfkirche, untermalt von Orgelmusik und der Bläsergruppe Belzig machte sich schnell festliche Stimmung in der kleinen Kirche breit. Dieser besinnliche Abschluss des Jubiläumsjahres knüpft an dessen Beginn an – im Februar hatten die Lehnsdorfer mit einem Festgottesdienst die Feierlichkeiten eingeläutet.

Im Anschluss gab es noch einiges zu sehen: im Dorfgemeinschaftshaus erwartete die Besucher eine umfangreiche Ausstellung mit den Fotos der zum Jubiläum erstellten Dorfchronik. Auch die vielen Bilder, die im Laufe des Jahres bei den Feierlichkeiten entstanden sowie diejenigen Fotos, die erst nach der Erstellung der Dorfchronik noch auf Dachböden oder in Kellern auftauchten, bekamen hier ihren großen Auftritt.

Umfangreiche Chronik zum Jubiläum

„Der Höhepunkt des Jahres war mit Sicherheit das große Fest im Juni“, so Ortsvorsteher Lutz Knape. 19 Monate Vorbereitung waren nötig, um das Jubiläum zu einem derart rauschenden Fest werden zu lassen. Ein Findling als Gedenkstein, der Traktorenumzug, das schöne Feuerwerk – in Lehnsdorf wird man sich an diese Feier noch lange erinnern.

„Nicht zuletzt ist es die Dorfchronik, die unser Jahr zu etwas ganz Besonderem gemacht hat“, erinnert sich Knape. Eine Gruppe von acht Lehnsdorfern hat sie zusammengestellt. Unzählige Fotos, Dokumente und Erinnerungen enthält das mehr als 150 Seiten starke Werk, das bereits in zweiter Auflage erschienen ist. Lehnsdorfs bewegte Geschichte von der Gründung des Dorfes – damals unter dem slawischen Namen Lotzschke – bis heute haben die Rechercheure in Archiven und auf Dachböden zusammengetragen.

Schlaglichter: Lehnsdorf im Lauf der Zeit

Im Jahr 1215 wird das Dorf Lotzschke erstmals urkundlich erwähnt.

Graf Heinrich I. von Askanien gestattete dem Ort Coswig damals die Errichtung eines Stiftes für die Marienkirche und schenkt der neuen Stiftung gleich ein Dorf dazu: Lotzschke.

Elf Familien zählt das Dorf dann im Jahr 1506. Sie leben von der Landwirtschaft.

Der Dreißigjährige Krieg zerstört einen großen Teil der landwirtschaftlichen Nutzflächen, auch die Häuser sind kaum noch bewohnbar. Die Pest wütet im Fläming.

Im 18. Jahrhundert wächst die Landbevölkerung an. Auch Lotzschke floriert, doch die Einwohner müssen hohe Abgaben leisten.

In der NS-Zeit ist der Landstrich früh auf Hitlers Seite. Schon 1932 errang die NSDAP im Kreis Zauch-Belzig die absolute Mehrheit. 1937 wird Lotzschke ins deutscher klingende Lehnsdorf umbenannt.

„Eine wichtige Quelle waren die älteren Frauen im Dorf“, erinnert sich Sabine Zurmühl. Die Journalistin hat viel Zeit in die Chronik gesteckt, sie kennt jedes einzelne Bild in der nun eröffneten Ausstellung. „Mein Lieblingsbild ist ganz eindeutig dieses hier“, sagt Zurmühl und deutet auf eine Fotografie zweier Mädchen. Die beiden stehen auf der staubigen Dorfstraße, sind herausgeputzt mit großen Haarschleifen und lachen ungezwungen in die Kamera. Das Bild stammt aus dem Jahr 1910.

Ortsvorsteher Lutz Knape hat zwar kein Lieblingsbild, kann aber zu fast jedem Foto eine Anekdote beisteuern. Die im Fläming verbreiteten Fastnachtsbräuche, die früheren Gasthäuser und die Jugendherberge des Dorfes, die Gründung der Feuerwehr – Lutz Knape kennt die Geschichte Lehnsdorfs gut. „Meine Familie lebt seit ungefähr 300 Jahren hier“, erklärt Knape, „da werden viele Geschichten über die Generationen weitergetragen.“

Ahnen lebten schon vor 300 Jahren hier

Knape sorgt sich um die Zukunft seines Heimatdorfes. „Der Negativtrend ist ganz klar erkennbar, die jungen Leute gehen für ihre Ausbildung weg und kommen nicht wieder“, klagt er. Knape lebt gern in Lehnsdorf. „Es ist ruhig hier und trotzdem ist man in wenigen Minuten auf der Autobahn, in weniger als einer Stunde in Berlin. Ich finde das wunderbar“, beschreibt er die Vorzüge des Landlebens. „Es gibt hier einen großen Zusammenhalt im Ort, man hilft sich“, ergänzt Sabine Zurmühl. Auch als Zugezogene sei sie schnell Teil des Ortes geworden.

Dieser Zusammenhalt hilft den Lehnsdorfern auch im Umgang mit einer aktuellen und traurigen Nachricht zum Ende des so fröhlichen Jahres. „Unsere geschätzte Frau Manthai ist vor kurzem gestorben“, sagt Sabine Zurmühl. „Sie ist hier geboren worden, hat ihr ganzes Leben im Ort verbracht und ihre sechs Kinder hier großgezogen.“ Nach dem Tod der alten Dame hat Lehnsdorf jetzt nur noch 99 Einwohner.

Von Saskia Popp

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