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Bestergebnis in Bad Belzig

Ehemalige Schulabbrecher erfolgreich Bestergebnis in Bad Belzig

Zwei Drittel aller Teilnehmer der Berufsorientierung mit Schulabschluss haben die Prüfung bestanden. Die durchschnittliche Erfolgsquote liegt bei nur 25 Prozent. Ausdehnung der Kursdauer und intensive Alltagsbetreuung der 18- bis 40-jährigen Lernenden haben sich als gelohnt. Zum Gratulieren kam ein märkischer Minister, der mal Lehrer war.

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Jeanette Engel ist stolz auf ihr Abschlusszertifikat

Quelle: Fotos: René Gaffron

Bad Belzig. Besser spät als nie. Das könnte zumindest die Devise für Jeanette Engel sein. Die 24-Jährige hat ab sofort das Zertifikat für den Schulabschluss mit beruflicher Orientierung – gleich bedeutend mit dem Abschluss der 10. Klasse – in der Tasche.

Aufgewachsen in Berlin hatt sie als Jugendliche absolut keine Lust mehr zum Lernen gehabt, wie sie unumwunden zugibt. „Alles andere im Leben hatte mehr Reize“, sagt sie. Inzwischen zweifache Mutter und seit einem Dreivierteljahr in Damelang zu Hause ist die junge Frau zu der Erkenntnis gelangt, dass sie aus dem Leben noch mehr machen und ihren Kindern ein Vorbild sein will. Die von der Arbeitsagentur vermittelte Chance war der zum zweiten Mal von der SPI-Stiftung im Jugendfreizeitzentrum Pogo der Kur- und Kreisstadt veranstaltete 18-Monate-Kurs, der für Leute wie sie gedacht ist. In der Backsteinvilla ist gestern Abschluss gefeiert worden. Diesmal gab es mehr Anlass denn je dazu.

Die Gruppe beim Unterricht

Die Gruppe beim Unterricht.

Quelle: privat

Denn es wurden rekordverdächtige Ergebnisse erreicht. Von den 15 Teilnehmern, die insgesamt zeitweise im Lehrgang waren, sind im Frühsommer 13 zur Prüfung angetreten. Zehn haben direkt bestanden. In einem Fall gibt es am Monatsende die Gelegenheit zur Nachprüfung. „Ich gehe davon aus, dass es ein Erfolg wird“, sagt Olaf Görisch. Der Koordinator ist zuversichtlich. Schließlich liegt der aktuelle Jahrgang weit über dem märkischen Durchschnitt, wobei die Durchfallquote bei 75 Prozent liegt. Im Schwesterkurs in Brandeburg/Havel war lediglich ein halbes Dutzend beim Examen. Zwei, mit Nachprüfung vielleicht drei Teilnehmer, kriegen dort nur ihre Urkunde.

Bei der Premiere der Qualifizierung 2012/13 war das Resultat in Bad Belzig noch ähnlich bescheiden. „Die daraus gezogene Konsequenz, die Dauer von 12 auf 18 Monate auszudehnen und die Betreuung sowohl beim Lernen als auch im Alltag nochmals zu intensivieren, hat sich gelohnt“, sagt Olaf Görisch. Ausdrücklich lobte er neben den Pädagogen die zwischen 18 und 40 Jahre alten Schüler, die sich besonders angestrengt hätten. Sieben Frauen mit insgesamt nicht weniger als 14 Kindern waren dabei, für die es gewiss nicht leicht gewesen sei, sich auf Mathematik, Deutsch und Politische Bildung zu konzentrieren.

Neben Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast (parteilos), die den jungen Leuten dafür Respekt zollte, kam Günter Baaske (SPD), um das Engagement zu würdigen. „Wir erwarten, dass es so weitergeht“, gab der Minister für Bildung, Jugend und Sport dem Lehrer- und Betreuerstab sowie der seit Monatsfrist bestehenden neuen Klasse mit auf den Weg. Seinerzeit noch als Ressortchef für Arbeit und Soziales hatte er das Zustandekommen der pro Kopf fast 10.000 Euro teuren Maßnahme mit auf den Weg gebracht. Leute, die nicht wie vorgesehen im Alter von 16 oder 17 Jahren die Schule mit Abschluss verlassen, gibt es nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch im Hohen Fläming noch genug, wie die Vermittler von Arbeitsagentur und Maia-Jobcenter bestätigen können. „Doch in Zukunft werden Fachkräfte gebraucht“, so der Politiker, der einmal Lehrer war. „Und für die Ausbildung ist der Schulabschluss die wichtigste Grundlage.“

Stefan Ptock wird als nächstes sogar noch die Reifeprüfung anstreben. Einige Mitstreiter haben noch Bewerbungsgespräche vor sich bzw. sind zur Probearbeit eingeladen. Jeanette Engel, die selbst die Mathematik geschafft und mit Durchschnitt 3,0 abgeschlossen hat folgt nun ebenfalls einem langfristig angelegten Plan. Wie zwei Freundinnen aus der Klasse wird sie in Beelitz-Heilstätten eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin absolvieren. Danach ist es ihr Ziel, Erzieherin zu werden.

Von Rene Gaffron

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