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Potsdam-Mittelmark Besucher tauschen und fachsimpeln bei der Saatgutbörse
Lokales Potsdam-Mittelmark Besucher tauschen und fachsimpeln bei der Saatgutbörse
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11:15 27.02.2018
Samentauschbörse im Naturparkzentrum Sortenvielfalt Quelle: Andreas Trunschke
Raben

Saatguttausch ist guter Brauch seit langer Zeit. Samenkörner wurden früher von Nachbarn zu Nachbarn getauscht. „Die Entwicklung ist wirklich faszinierend“ sagt Carsten Tarrach. Der Dippmannsdorfer zeigt vor allem Interessieren an alten Sorten.

Mit ihm haben sich ungefähr 80 Gleichgesinnte in der Alten Brennerei Raben getroffen. Zum zweiten Mal hat der Naturparkverein „Hoher Fläming“ die einst vom Wiesenburger Parkförderverein etablierte Saatgutbörse ausgerichtet. Nicht umsonst hatte der Veranstalter um Anmeldung gebeten. Der Raum im Naturparkzentrum war bis auf den letzten Platz besetzt.

Gäste bekommen eine TV-Dokumentation zu sehen

Bevor es an das Tauschen ging, gab es eine 45-minütige NDR-Dokumentation von Jean Boué über Gemüserebellen zu sehen. „Verbotenes Gemüse“ erzählt von drei engagierten Menschen, die alte Gemüsesorten erhalten wollen.

„Verbotenes Gemüse“ deshalb, weil – so seltsam es klingt – man nach dem aus dem Jahr 1930 stammendem Saatgutverkehrsgesetz altes, nicht zugelassenes Saatgut weder handeln, noch tauschen oder weitergeben darf. Die Zulassung wäre für die meisten Engagierten unerschwinglich.

Nur 43 der bekannten Tomatensorten kommen in den Handel

Deshalb kommen hierzulande von den 15 000 bekannten Tomatensorten lediglich 43 in den Handel – davon zehn alte Sorten. Und wer kennt schon Kartoffelsorten wie das Bamberger Hörnchen, Blauer Schwede oder Rosa Tannenzapfen?

Tomatentag beim Pflanzentausch

Für den 29. April, 14 bis 16 Uhr, wird eine weitere Tauschaktion vorbereitet. Es ist eine Pflanzenbörse allgemein und ein Tomatentag ganz speziell.

Weiße Schönheit, Dattelwein, Berner Rosen, Black Zebra, Weltwunder – das Team des Naturparkvereins „Hoher Fläming“ hat seltene, ungewöhnliche Sorten der Paradiesäpfel vorgezogen und bietet sie zum Kauf an – nur solange der Vorrat reicht. Außerdem steht ein großer Tisch bereit, auf dem alle ihre Pflanzen tauschen, verkaufen oder verschenken können.

Teilnahme bitte anmelden im Naturparkzentrum Raben, Brennereiweg 45, 033848 / 6 00 04.

Die Veranstalter hatten mit dem Film für die entsprechende, rebellische Stimmung gesorgt. „Sind wir jetzt alle Kriminelle?“, fragte spaßhaft jemand aus dem Publikum. Zumindest sind die ganz historischen Sorten, um die es wohl vordergründig geht, nicht im Angebot gewesen. Dennoch konnte den Teilnehmern allemal eine Vielfalt geboten werden, um deren Erhalt es bei der Börse geht.

Lust auf den Samentausch wird geweckt

Die Lust auf den Tausch der Samen war aber spätestens mit dem Streifen geweckt. Wo gerade noch die Leinwand war, konnte anschließend an einem langen Tisch nach Herzenslust begutachtet, gefachsimpelt und ausgetauscht werden. Die unterschiedlichsten Samen wanderten in kleine Tütchen.

Timo Galbenis-Kiesel hat Samen von Chilli, Physalis, Stockrosen, Malven und Buschbohnen mitgenommen. Er ist extra aus den Götzer Bergen angereist. „Ich habe dort zum ersten Mal einen eigenen Garten und bin gespannt, was sich aus den Mitbringseln entwickelt.“

Helmut Moritz aus Raben hat diverse Knollen dabei

Er kennt Samentauschbörsen bereits aus Frankreich: „Dort sind es vor allem junge Leute, die miteinander tauschen. Hier ist das Publikum gemischter.“

Helmut Moritz aus Raben hatte wie im Vorjahr vor allem Topinambur-Knollen mitgebracht, die gefragt waren. Seine Ehefrau Ingetraut füllte Flaschen mit „effektiven Mikroorganismen (EM)“ ab, die sie selbst produziert hatte und gegen Spenden abgab.

„Als effektive Mikroorganismen wird diese Mischung von aeroben und anaeroben Mikroorganismen aus der Lebensmittelverarbeitung bezeichnet“ erklärte sie. Nach Überzeugung der Enthusiasten bekämpfen sie Fäulnis und Schimmel und sorgen statt dessen für Fermentation, also die Umwandlung organischer Stoffe Einige Gärtner werden es probieren.

Gast ist enttäuscht, dass er nicht alle Sorten findet

Carsten Tarrach indes hat nicht die ganz alten Gemüsesorten gefunden, auf die er gehofft hat. Aber immerhin konnte er Samen der Kornrade mitnehmen, ein auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehendes Ackerwildkraut, das Dietmar Neubert aus Wiesenburg angeboten hat.

Von Andreas Trunschke

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