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Potsdam-Mittelmark Beten, lernen und viel Spaß haben: das Pater-Engler-Haus in Lehnin
Lokales Potsdam-Mittelmark Beten, lernen und viel Spaß haben: das Pater-Engler-Haus in Lehnin
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17:08 26.02.2019
Relativ unscheinbar steht die katholische Kapelle „Heilige Familie“ in der Lehniner Kurfürstenstraße. Gleich daneben steht das Pfarrhaus. Quelle: Christine Lummert
Lehnin

Wo heute das katholische Gemeindeleben in Lehnin seinen Mittelpunkt hat, ist erst auf den zweiten Blick zu sehen. Relativ unscheinbar steht die Kapelle „Heilige Familie“ in der Kurfürstenstraße. Nur ein Kreuz am kleinen Giebel neben der Eingangstür und die bunten Mosaikfenster deuten auf den Zweck des Baus. Das benachbarte ehemalige Pfarrhaus, das heute unter anderem dem Gemeindeküster als Wohnung dient, ist schon eine Nummer größer.

Überraschend wird es für Besucher, die der kleinen katholischen Gemeinde in Lehnin zum ersten Mal einen Besuch abstatten, auf dem Hof des Gebäudeensembles. Dort steht seit 1995 das Pater-Engler-Haus, in dem im Jahreslauf bis zu 1000 Gäste begrüßt werden.

Pater Alfons Engler in den 70er Jahren im Hof des Gemeindehauses in Lehnin Quelle: Sammlung Hesse

Unter anderem für Rüstzeiten, Klausurtagungen, Probewochen für Chöre und vor allem die beliebten religiösen Kinderwochen wird das Gästehaus der Gemeinde genutzt. In Empfang genommen werden die Besucher von Thomas Grunwald, der sich selbst als eine Mischung aus Küster und Hausmeister für das Gebäudeensemble bezeichnet.

Benannt ist das Gästehaus nach Pater Alfons Engler, der nach dem Zweiten Weltkrieg als erster Pfarrer eigens für die Lehniner Katholiken bestellt wurde und das Gemeindeleben über Jahrzehnte prägte. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit bemühte er sich darum, dass das katholische Leben in Lehnin überhaupt einen festen und vor allem angemessenen Ort für Gottesdienste erhielt. Davor war vieles Provisorium.

Kapelle Heilige Familie in Lehnin

Die Kapelle in der Kurfürstenstraße in Lehnin ist Teil der Katholischen Kirchengemeinde „Heilige Dreifaltigkeit“ in Brandenburg an der Havel und wird seelsorgerisch von Pfarrer Matthias Patzelt betreut.

Gottesdienste werden an jedem 2.,3., 4. und 5. Sonnabend im Monat immer um 17 Uhr gefeiert.

Die Kapelle ist Station auf dem ökumenischen Bernhard-Pilgerweg durch die Gemeinde Kloster Lehnin.

Wer dabei einen Blick in Kapelle werfen möchte, meldet sich vorher unter 03382/703620 bei Küster Thomas Grunwald.

Natürlich reicht das religiöse Leben im Ort weit über die Jahrhunderte zurück. So weit, das schon Mythen und Legenden bemüht werden, um die Klostergründung durch den Askanier-Fürsten Markgraf Otto I. im Jahr 1180 zu erklären.

Als Beweis für den Wahrheitsgehalt der überlieferten Geschichte wird Besuchern der Klosterkirche noch heute der versteinerte Rest eines Eichenstammes in den Stufen zum Altar gezeigt. Mit der Reformation wurde das über die unmittelbare Region hinaus bedeutende Zisterzienser-Kloster aufgelöst und katholische Messen dann lange Zeit nicht mehr gefeiert.

Etwas versteckt auf dem Hof liegt der Eingaang zum Pater-Engler-Haus in dem oft Jugendgruppen zu Gast sind. Quelle: Christine Lummert

Die offizielle Chronik der katholischen Gemeinde in Lehnin setzt erst am Palmsonntag 1896 wieder ein. Dort ist der erste Gottesdienst im Gasthaus „Zum deutschen Kronprinz“ vermerkt, das sich ebenfalls in der Kurfürstenstraße befand. Der Pfarrer kam extra aus der Brandenburger Pfarrgemeinde „Heilige Dreifaltigkeit“, so wie heute auch wieder.

Die katholische Gemeinde blieb aber noch lange Jahre ohne festen Ort. Mal dienten verschiedene Lehniner Gasthäuser als Raum für den Gottesdienst, mal der Zeichensaal der Schule. Unter den Nationalsozialisten wurde auch das verboten. Unterstützung kam in

dieser Zeit von der evangelischen Kirchengemeinde, die den Katholiken in der Klosterkirche Raum bot, um ihren Glauben zu leben. Immer wieder gab es erfolglose Bemühungen, ein Grundstück für einen eigenen Kirchenbau zu kaufen.

Ein Altarbild mit der heiligen Familie Schmückt die Kapelle in Lehnin. Quelle: Christine Lummert

Ein bisschen Heimat bot damals vor allem das Haus der Kaufmannsfamilie Völker. Dort wurden sogar im Wohnzimmer Gottesdienste gefeiert. Aus diesen Anfängen machte Pater Engler nach Ende des Zweiten Weltkrieges schnell mehr. Er kam selbst mit mit einem Flüchtlingstreck zuerst nach Belzig und dann nach Lehnin.

„In dieser Gruppe waren Hildegard Marx und Maria Nenntwig, die später als Seelsorgshelferin beziehungsweise Hauswirtschafterin in Lehnin tätig wurden.“ Unter den Flüchtlingen aus dem Osten waren viele Katholiken und die Zahl der Gottesdienstbesucher stieg schnell an.

Mehr über Pater Alfons Engler lesen Sie hier

Am 1. Dezember 1946 wurde Pater Engler offiziell Kaplan der Gemeinde und Familie Völker stellte ihre Wagen-Remise als Kapelle zur Verfügung. „Und im heutigen Gemeindesaal war damals der Pferdestall“, sagt Grunwald. Ein Umbau wurde in Angriff genommen und am 19. März 1948 konnte die Kapelle auf den Namen „Heilige Familie“ geweiht werden.

Wiederum zwei Jahre später überließ die Familie Völker das gesamte Grundstück der Gemeinde und Pater Engler begann unter anderem mit dem Aufbau eines Pfarrheims, das vor allem für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen genutzt wurde.

In der Kapelle finden an mehreren Sonntagen im Monat Gottesdienste statt. Quelle: Christine Lummert

Das Gebäudeensemble wurde innen und außen in den nächsten Jahrzehnten herausgeputzt. „Zum Beispiel hatte Pater Engler die Erlaubnis erhalten, die Torkapelle auf dem Klostergelände zu enttrümmern und bei diesen Arbeiten alte Formsteine geborgen.

Zur Erinnerung an die Ursprünge des katholischen Lebens in Lehnin ließ er diese in einer kleinen Gartenmauer verbauen“, erzählt Grunwald. 1962 kam ein Gestell für zwei neue Glocken auf den Hof. Endlich konnte zum Gottesdienst geläutet werden.

Die kleinere Glocke ist immer noch in Gebrauch. „Als im Zuge des Bau- und Sanierungsprojekts für das Pater-Engler-Haus Anfang der neunziger Jahre vieles verändert wurde, errichtete man den kleinen Glockenturm unmittelbar neben der Kapelle“, sagt Grunwald. Im Tum sind auch die historischen Formsteine des Klosters verbaut.

Tantiemen aus einem Buch bekommen

Der Kirchenraum ist ebenfalls immer weiter geschmückt worden. Aus dem gleichen ungarischen Mamor, der auch in der Berliner Hedwigskathedrale verbaut ist, wurden unter anderem Altar, Lesepult, Kommunionsbank und Priestersitz gearbeitet. „Der damalige Domprobst Otto Riedel hat dafür die Tantiemen eines Buch zur Verfügung gestellt“, berichtet Grunwald.

Gottesdienste werden regelmäßig gefeiert. „Allerdings hatten wir früher weniger Platz auf den Kirchenbänken“, sagt Grunwald. Da haben die Lehniner Katholiken das gleiche Problem wie viele andere Kirchengemeinden.

Von Christine Lummert

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