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Betreuerin von Mädchen-WG vor Gericht

Wilhelmshorst Betreuerin von Mädchen-WG vor Gericht

Es hätte alles so schön sein können. Eine Villa im beschaulichen Wilhelmshorst, acht gestrandete Mädchen, die nach Stress mit den Eltern und in der Schule zurückfinden sollen auf den Weg in ein geordnetes Leben. Und mittendrin als Betreuerin und mütterliche Freundin Roswitha B. Doch nun steht Roswitha B. vor Gericht. Ihre einstigen Zöglinge haben sie angezeigt.

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Justitia

Quelle: dpa

Wilhelmshorst. Roswitha B. schaut die jungen Frauen, denen sie das Leben zur Hölle gemacht haben soll, mit mildem Blick an. Die 55-Jährige, die in Wilhelmshorst von 2009 bis 2014 mit Erlaubnis des Landesjugendamts ein Haus für in Not geratene Mädchen betrieben hat, muss sich seit Dienstag wegen Körperverletzung im Amt und wegen Nötigung vor dem Potsdamer Amtsgericht verantworten. Die Aussagen ihrer einstigen Schützlinge verfolgt sie kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln.

Die Vorwürfe: Geohrfeigt, geschubst, an den Haaren gezogen

Laut Anklage soll Roswitha B. die Mädchen, mit denen sie in der Villa Stinthorn zusammen lebte, anhaltend schikaniert haben. Demnach hat sie die damals 13- bis 18-Jährigen geohrfeigt, geschubst, an den Haaren gezogen und zu Boden gestoßen. Eines der Mädchen soll sie gezwungen haben, ein Pilzgericht zu essen, obwohl es gar keine Pilze mochte. Eine andere Jugendliche soll sie im Winter in Minirock, Trägertop und Pumps vor die Tür gesetzt haben – zuvor habe sie ihr Ausweis, Geld und Fahrkarte abgenommen.

Roswitha B. streitet all diese Vorwürfe ab, möchte sich vor Gericht aber nicht näher äußern. Die Mutter dreier Kinder, die auch zwei Pflegekinder in ihre Familie aufgenommen hat, wohnt inzwischen in Bayern und führt dort einen eigenen Pflegedienst. Ist sie die herzlose, rabiate Person wie in der Anklage beschrieben? War sie als einzige Betreuerin der Mädchen-WG überfordert? Ist sie gar das Ziel einer späten Rache für ein strenges Regiment, das nicht jeder der jungen Damen in der Villa gefiel? Das zumindest legt Verteidiger Steffen Voigt nahe. Für ihn sind die Zeugenaussagen „Wischiwaschi“, denn genaue Zeit- und Ortsangaben können die jungen Frauen nicht machen. Ein Vorfall soll sich „an einem nicht genau feststellbaren Tag im Jahr 2010“ ereignet haben, ein anderer „an einem weiteren Tag im Zeitraum Ende 2012 bis 2014“. „Meine Mandantin hat gar nicht die Gelegenheit, sich zu verteidigen und ein Alibi vorzubringen. Worüber reden wir hier eigentlich?“ Richterin Constanze Rammoser-Bode räumt ein: „Das ist ein schwieriger Fall, auch für mich.“

Eine WG für Mädchen, die Probleme daheim und mit sich selbst hatten

Sicher ist: Das Leben in der Villa war nicht konfliktfrei. Man muss sie sich vorstellen, diese Gruppe pubertierender und auch sonst nicht ganz einfacher Mädchen, die gern über die Strenge schlagen – deswegen sind sie ja überhaupt erst bei „Rosi“ gestrandet. Weil sie daheim nicht klar kamen, weil sie von zu Hause abgehauen, teils mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Weil sie Probleme in der Schule und mit sich selbst hatten.

Bei Roswitha B. sollen die Mädchen zur Ruhe kommen, den Weg zurück in ein geordnetes Leben finden und mit einer sinnvollen Perspektive heranwachsen. „Rosi war wie eine Mutter für mich – sie hat mich aufgefangen“, sagt Maike B., die Hauptbelastungszeugin, die mit ihrer Anzeige im Juli 2014 den Prozess erst möglich gemacht hat.

Es war nicht alles schlecht bei Rosi

Maike B. hat von 2009 bis 2012 in der Villa gelebt und ist Ende 2012 freiwillig für drei Monate dorthin zurückgekehrt. Sie habe unbedingt in die WG ziehen wollen, sagt die heute 21-Jährige: „Weil ich Mist gebaut und mich mit meinen Eltern auch nicht gut verstanden hatte.“ Gerade die Anfangszeit bei Rosi sei sehr schön gewesen: „Aber die schlechten Seiten haben überwogen.“

Roswitha B. habe die Mädchen per Kamera überwacht, ihre Handys kontrolliert, Briefe der Eltern geöffnet, Geld vorenthalten. Wer nicht spurte oder Rosi verärgerte, habe eine Backpfeife oder Stubenarrest kassiert. „Wir hatten Angst – wir hatten alle nur Angst. Sie hat einen so manipuliert. Wenn man sich aber eingeschleimt hat, durfte man alles.“ Einmal habe sie sich jemandem anvertraut: „Ich habe einem Jugendamtsmitarbeiter erzählt, dass wir ständig geschlagen und unter Druck gesetzt werden – es ist aber nichts passiert. Davor hatten wir immer Angst: Dass man uns nicht glaubt. Deshalb hatten wir auch Angst, Rosi anzuzeigen.“ – Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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