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Potsdam-Mittelmark Betreuungsbedarf wächst weiter
Lokales Potsdam-Mittelmark Betreuungsbedarf wächst weiter
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02:16 11.09.2015
Viele Ehrenamtliche helfen an Demenz erkrankten Senioren im Kreis. Quelle: Landkreis Potsdam-Mittelmark
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Bad Belzig

Die vom Landkreis Potsdam-Mittelmark im Januar 2013 als Pilotprojekt gestartete „Aktion Demenz PM“ hat gute Erfolge gebracht. Das geht aus einem Evaluationsbericht für den Untersuchungszeitraum bis Dezember des vorigen Jahres hervor. Die Ergebnisse hat Koordinatorin Martina Alband vom Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin jetzt vorgestellt. Demnach wuchs der Beratungsbedarf von Menschen, die selbst oder deren Angehörige von diesem organischen Hirndefekt betroffen sind. Er geht mit Vergesslichkeit und Veränderung der Persönlichkeit einher.

Berater kommen auch zum Hausbesuch

Zu Beginn des Projektes, das vom Kreis gemeinsam mit dem Evangelischen Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin sowie 166 Netzwerkpartnern realisiert wird, waren rund 2800 Menschen im Kreisgebiet von Demenz betroffen. Nach Hochrechnungen des Brandenburger Gesundheitsministeriums werden es im Land im Jahr 2030 fast 90.000 Fälle sein. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark verdoppelt sich demnach die Zahl aus dem Jahr 2009 bis 2030 auf fast 7300 Fälle. „Die Dunkelziffer ist jedoch deutlich höher“, sagte Martina Alband. „Nicht jeder traut ich mit dem Thema an die Öffentlichkeit, so die Koordinatorin. Sie ist für das Projekt beim Diakonissenhaus angestellt. Zudem sind vier Beratungsstellen im Kreisgebiet eingerichtet worden. Ansprechpartnerinnen gibt es in Bad Belzig, Teltow, Beelitz und Kloster Lehnin. Sie erledigen auf Wunsch zur Beratung auch Hausbesuche. Sie können Kontakte zu Spezialisten und Pflegeeinrichtungen vermitteln „und vor allem auch Behördengänge und den oft umfangreichen Papierkram erledigen“, erklärt Alband.

Rund 80 ehrenamtliche Helfer stehen bereit

Mit der Aktion Demenz konnten innerhalb eines Jahres insgesamt 612 Personen direkt und indirekt erreicht werden. Dabei überwiegt die Zahl der nicht direkt Betroffenen Personen, die Rat suchen. Zudem sind zu 62 Prozent Frauen betroffen, die im Alter zwischen 75 und knapp 90 Jahren sind. Allein im Beobachtungszeitraum wurden mehr als 1100 Gespräche geführt. „Vor allem geht es Betroffenen und ihren Angehörigen, die oft die Pflege bis an ihre Grenzen aufopfernd übernehmen, um Entlastungsmöglichkeiten“, erklärte Alband. Dafür stehen im Kreis inzwischen rund 80 ehrenamtliche Helfer bereit. Sie haben bei der Betreuung von circa 100 Demenz-Kranken im Untersuchungszeitraum insgesamt 12.000 Helferstunden geleistet. „Immerhin würde dies sieben Jahresvollzeitstellen entsprechen“, rechnet Martina Alband vor. Ziel der Helferkreise sei es, so lange wie möglich eine Betreuung Betroffener in der eigene Wohnung zu ermöglichen und somit Heimaufenthalte zu vermeiden. Heute leben 72 Prozent bei Angehörigen, 19 Prozent in der eigenen Wohnung und fünf Prozent in Pflegeheimen.

Vier Demenz-Beratungsstellen im Landkreis

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark gibt es vier Beratungsstellen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Ansprechpartner ist für Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf, Nuthetal Annekatrin Opitz, Potsdamer Straße 7/9, 14513 Teltow, 0152/ 22543278. Sprechzeit ist dort Donnerstag von 11 bis 13 Uhr.

Um das Thema Demenz weiter zu enttabuisieren, war auch das Theaterstück „Letztes Kapitel“ Gegenstand des Projektes. Es wurde bei rund 25 Vorstellungen erfolgreich im gesamten Landkreis gezeigt und kann auch noch weiterhin angefordert werden, sagte Frank Grünert aus Borne.

Frank Grünert ging mit dem Theaterstück „Letztes Kapitel“ auf Tour. Quelle: Uwe Klemens

Für ihn war es das Ziel, „bei dem Infotainment-Abend möglichst viele Informationen zum Nachdenken zu vermitteln“, so der Regisseur und Schauspieler von Stadt- und Burgtheater Bad Belzig. Nach dem Puppenspiel vor bis zu 70 Besuchern hatten sich „oft erschütternde Gespräche ergeben“, die aber vielen „Leuten den Blick geöffnet haben“, so Grünert.

Demenz bleibt wichtiges Thema

Nach dem Ende des zweijährigen Förderzeitraumes für die Aktion Demenz sollen die geschaffenen Beratungsstrukturen an den vier Standorten im Landkreis nun gefestigt werden. „Wir gehen davon aus, dass auch das Thema Demenz weiter zunehmen wird, weil immer mehr Menschen immer älter werden“, sagte Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Er geht von einem wachsenden Personalbedarf im sozialen Bereich aus. Zudem sei es nötig, niedergelassene Ärzte noch stärker in das Netzwerk „Aktion Demenz“ einzubinden. Örtliche Schwerpunkte, die sich während der Projektlaufzeit in den Sozialräumen Bad Belzig und Wusterwitz ergeben hatten, sollen nun als „lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ intensiver begleitet werden. Koordinatorin Martina Alband wird nunmehr überregional als Koordinatorin für Altenhilfe und Pflege im Landkreis agieren und das Thema Demenz innerhalb dieses Komplexes weiter verfolgen.

Von Thomas Wachs

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