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Potsdam-Mittelmark Biker für die bequemen Touren
Lokales Potsdam-Mittelmark Biker für die bequemen Touren
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16:15 05.08.2016
Andreas Bärwind mit seiner Gold Wing in Deetz. Der Polizeibeamte aus Königs Wusterhausen liebt sie wegen der Bequemlichkeit, die das schwere Reisemotorrad bietet. Quelle: Marion von Imhoff
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Deetz

Ganz behaglich lässt es sich auf dem Sitz der Gold Wing thronen. Richtig kommod. Nichts für Liebhaber einer geländegängigen Enduro. Eher das Gegenteil dieser Geländemaschine ist die bis zu 400 Kilo schwere Honda Gold Wing und damit genau das richtige für Andreas Bärwind. 400 Kilo bringt auch schon ein kleines Pferd auf die Waage. Bärwind liebt sein Reisemotorrad. Das ist eher ein schweres Schlachtross, denn eine Maschine mit qualmenden Reifen: „Irgendwann will man es bequem haben“, sagt der 53-Jährige aus Königs Wusterhausen. Gemächlichen Reifens ohne rauchendes Gummi ist Bärwind jetzt zum 5. Gold Wing-Treffen in Deetz gereist, das noch bis Sonntag geht. Bis zu 200 Gleichgesinnte wird der Polizeibeamte dort treffen.

Groß, schwer und golden: Eine Gold Wing am Freitag in Deetz mit Besuchern des dortigen Treffens. Quelle: Marion von Imhoff

Schon am Freitagmittag waren mehr als 80 Teilnehmer aus ganz Deutschland, der Schweiz, Belgien und Schweden am Deetzer Sportplatz angekommen. Eingeladen hat der Verein Gold-Wing-Freunde Potsdam. Der ist zwar mit knapp 20 Mitstreitern an Mitgliederzahl eher schmal auf der Brust, regional jedoch breit aufgestellt. Zwei der drei Vorstandsleute kommen aus Niedersachsen wie Simone Bühren, die aus Eschede bei Celle angereist ist. Dabei fährt die 58-jährige Angestellte im öffentlichen Dienst nicht einmal eine Gold Wing, sondern ein viel sportlicheres BMW-Motorrad. „Wir sind halt offen für alles“, sagt dazu Vereinskollegin Bärbel Gaedecke, die selbst gar keinen Führerschein besitzt. Die 65-jährige Rentnerin lässt ihrem zehn Jahre älteren Ehemann Peter daher den Vortritt am Steuer und macht es sich auf dem weich gepolsterten hinteren Sitz bequem.

Fahrer und Mitfahrer dieser Gold Wing lieben es besonders behaglich während der Touren. Quelle: Marion von Imhoff

Alle zwei Jahre organisiert der Verein das Event. Vor zehn Jahren kamen sie zum ersten Mal in dem Dorf bei Groß Kreutz zusammen. Der Ablauf ist stets der gleiche: Am Park wird gezeltet, im Heim des FC Deetz geduscht und in die weite Region bis Potsdam auf den Gold Wings in Kolonne gejuckelt.

Zum Luisenplatz in Potsdam geht es an diesem Samstag. Möglicherweise begleitet eine Krad-Staffel der Polizei die Motorrad-Freunde. Die Eskorte ist nötig, damit die Biker nicht getrennt werden. Von ihnen selbst geht keine Gefahr aus. Rocker sind sie nicht. Das haben auch die Deetzer schnell gemerkt, damals 2006 beim ersten Treffen.

Tradition und Show sind von großer Bedeutung

Tradition ist es auch, mit den maximal beleuchteten Schlachtrössern auf zwei Rädern freitags zu einer Lichterfahrt aufzubrechen durch die Dörfer der Umgebung. Bis zu „600 LED-Lichter haben manche an ihre Gold Wing montiert“, sagt Ralph Schmalfeld. „Die leuchten bunt wie ein Weihnachtsbaum und die Leute stehen am Straßenrand und winken mit Wunderkerzen. Das ist für uns und die eine Freude.“ Diese Lichter seien polizeilich erlaubt, sagt Schmalfeld. Polizeibeamter Bärwind winkt ab: „Die Polizei duldet das nur. LED ist nach der Straßenverkehrsordnung nicht zulässig. Es ist nur für eine Show.“ Und das Wort Show wird groß geschrieben bei diesen Motorrädern. Andreas Bärwind legt einen Schalter um und seine Scheinwerfer fangen im Disco-Takt an zu funkeln.

Simone Bühren (links) aus der nähe von Celle und die Berlinerin Bärbel Gaedecke gehören in Deetz zum Empfangskomitee des Vereins Gold-Wing-Freunde Potsdams. Quelle: Marion von Imhoff

Direkt neben Bärwinds Maschine steht die viel leichtere seines 30-jährigen Sohnes. Will er mit seinem Vater tauschen? Bärwind-Junior schüttelt entschieden den Kopf und macht aus seiner Meinung keinen Hehl: „Ich könnte mir das frühestens mit 50, 55 Jahren vorstellen. Vorher nicht!“ Auch sein Vater war früher flotter unterwegs. Zu DDR-Zeiten mit einer MZ, später auf einer Suzuki. Fünf Motorrad-Typen probierte Andreas Bärwind binnen 40 Jahren aus, bis er bei seiner Gold Wing ankam.

Mit der war er schon „in fast allen Ländern Europas“. Bulgarien, Skandinavien, England und Irland. Von der rumänischen Grenze in Ungarn fuhren er und seine Frau in einem Ritt gen Heimat, angehalten wurde nur zum Tanken. Hinauf die Autobahn, Tempomat auf 120 Stundenkilometer, so lässt es sich auf einer Gold Wing leben.

Daheim parkt ein Honda auf vier Rädern in der Garage

Daheim parkt ein Honda auf vier Rädern in der Garage für den täglichen Gebrauch. Ganz auf die Maschine verzichten oder auf ein Cabrio umzusteigen, „die kriegt man ja auch schon für 30 000 Euro“, so viel in etwa kostet eine neue Gold Wing, würde der Königs Wusterhausener nie. „Es bleibt ein Balance-Fahrzeug, das ist das Tolle." Unfälle hatte Bärwind Senior schon, aber glimpfliche. Jedes Mal war die Maschine umgekippt. Durch Bügel an der Seite liegt sie nie ganz flach auf dem Asphalt. So sei sie notfalls auch von dem Fahrer allein aufzurichten, „doch meistens ist man ja in einer Gruppe unterwegs“. Dann werden die 400 Kilo gemeinsam gewuppt.

Die Vereinsfahne der Gold-Wing-Freunde Potsdam hängt am Sportheim des FC Deetz. Quelle: Marion von Imhoff

Reines Männervergnügen sind sie nicht, die Gold Wings. Juliane Ziemann aus Ludwigsfelde, bisher Sozia, möchte in ein paar Jahren ebenfalls eine solche Maschine fahren. Derzeit schiebt noch einen Kinderwagen durch Deetz.

Honda Gold Wing

Das Vorläufermodel der Gold Wing von Honda stammt aus dem Jahr 1974. Zwischenzeitlich wurde sie in den USA gefertigt. 2006 produzierte Honda sogar einen Airbag, den ersten für ein Motorrad, für die Goldwing.

Deutschlandweit gibt es rund 70 Vereine. Fester Bestandteil des Vereinslebens sind Treffen in ganz Europa. Fast jedes Wochenende gibt es sie. Die nächsten im August sind in Irland, Schweden und England.

Das 5. Gold-Wing Treffen Deetz geht bis zum 7. August. Zu einem bunten Fest lädt der Veranstalter Samstagvormittag auf den Festplatz. Am Samstagabend feiern die Biker eine Disco mit Grill und Bar, zu der alle Interessierten eingeladen sind.

Von Marion von Imhoff

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