Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
"Biker lieben schöne Kurven"

Manfred Unger macht Gruppenreisen mit dem Motorrad "Biker lieben schöne Kurven"

Eine Gruppe routinierter Motorradfahrer verunglückte kürzlich auf der Autobahn 9 im Fläming. Vier Norweger wurden teils schwer verletzt. Auch Manfred Unger (57), der Vorsitzende des 1. Treuenbrietzener Biker-Clubs, hat Ähnliches schon erlebt. Er liebt aber weiterhin das Reisen auf zwei Rädern und vor allem in der Gruppe, erzählt er im MAZ-Gespräch. 

Voriger Artikel
Tony Marshall in Ruhlsdorf
Nächster Artikel
Radlader gestohlen und wiedergefunden

Manfred Unger ist Vorsitzender des 1. Treuenbrietzener Biker-Clubs.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. MAZ : Herr Unger, wie nahe gehen einem passionierten Motorradfahrer wie Ihnen Meldungen über Unfälle mit Zweirädern?
  Manfred Unger : Da kommen schon immer wieder die Erinnerungen an einen Unfall auf einer unserer Reisen hoch. Ich hatte ihn zwar nicht direkt miterlebt, aber eine Vereinskameradin war damals verletzt worden. Das war schon übel. Bei uns kamen Unfälle bislang aber zum Glück sehr selten vor.
 
 Der Spaß am Reisen auf zwei Rädern und dazu noch in der Gruppe ist also ungetrübt?
  Unger : So ist es. Schließlich tun wir im Verein seit jeher selbst viel für unsere eigene Sicherheit. Immer im Frühjahr geht es zur Saisoneröffnung zum Training auf eine Rennstrecke am Spreewaldring nach Waldow. Dort kann man auch als erfahrener Biker noch viel lernen. Hinzu kommen die Erfahrungen aus vielen Touren.
 
 Welche sind das konkret?
  Unger : Wer schon lange fährt, weiß, dass Biker immer für andere mitdenken müssen. Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer erwarten oft nicht, dass wir wesentlich schneller beschleunigen können und auf der Autobahn plötzlich ran sind. Daher müssen wir doppelt vorausschauend fahren. Immerhin werden die schmalen Motorräder allgemein schlechter gesehen. Ich überhole zum Beispiel immer erst, wenn ich merke, dass der Vordermann mich im Rückspiegel schon gesehen hat.
 
 Gibt es Kooperation, Konfrontation oder gar den Kampf der Systeme auf dem Asphalt?
  Unger : Allgemein geht es schon fair zu. Es gibt einige Autofahrer, die auch mal Platz machen, wenn sie merken, dass wir als Biker schneller unterwegs sein können, als sie. Andere wiederum machen beim Stau auf der Autobahn aber noch extra die Lücken dicht, durch die wir uns ja durchaus noch schlängeln können. Das ist formal ja richtig, aber einfach albern nach dem Prinzip: Wenn ich nicht kann, sollen die auch nicht fahren können.
 
 Welches war Ihre schönste Reise mit dem Motorrad?
  Unger : Im Prinzip sind alle bisher toll gewesen. In der Gruppe entdeckt man Ziele, die wir allein gar nicht ansteuern würden. Höhepunkte sind immer wieder die Dolomiten in Norditalien. Auch Norwegen war toll. Allgemein kann man in den Alpen richtig gut Motorrad fahren. Kürzlich waren wir in Thüringen, auch das war toll.
 
 Da kommen schnell einige Kilometer zusammen.
  Unger : So ist es. Eine Tagesetappe kann bei uns schon mal 850 Kilometer lang sein. Insgesamt war ich persönlich seit 1998 wohl schon 120 000 Kilometer mit Motorrädern unterwegs. Bei meiner Frau sind es auch schon knapp 100 000 Kilometer.
 
 Sie haben also das Glück, Ihr nicht gerade familienfreundliches Hobby teilen zu können?
  Unger : Ja, das ist der Idealfall, wenn die Partner mitspielen. Bei mir ist das zum Glück so. Karin hat selbst eine Maschine und fährt seit Jahren. Das ist auch bei einigen anderen Paaren im Verein so. Selbst meine Tochter hatte mal eine eigene Maschine. Nun hat sie einen Partner, der das nicht so mag, und zudem Nachwuchs.
 
 Welchen Geheimtipp haben Sie für tolle Biker-Touren im Fläming und im Land Brandenburg?
  Unger : Für uns ist die Heimat ehrlich gesagt weniger reizvoll. Biker lieben halt schöne Kurven, die es eben in den Bergen gibt. Wenn es immer nur geradeaus geht, ist das langweilig. Für einen schönen Wochenendausflug fahren wir daher schon öfter mal schnell die 200 Kilometer in den Harz.

Seit 14 Jahren auf Tour

  • Gegründet wurde der 1. Treuenbrietzener Biker-Club 1999. Damals gehörten ihm zirka 50 Motorradfahrer aus der Sabinchenstadt und deren Umgebung bis hinein nach Sachsen-Anhalt an. Heute zählen 20 Mitglieder zum festen Kern des Vereins, darunter sind vier Frauen, die eigene Maschinen fahren.
  •  Neben regelmäßigen Reisen stehen das ganze Jahr über jeden Monat Aktivitäten auf dem Veranstaltungsprogramm der Biker.
  •  Die Vereinsmitglieder besuchen Motorradmessen, veranstalten Skat-, Rommé- und Bowling-Turniere und nehmen am Sabinchenfest in Treuenbrietzen teil.
  •  Der Verein ist bei seinen Ausfahrten und Reisen immer offen für Mitfahrer, die nicht dem Klub angehören.
  •  Vereinstreffen sind immer am 1. Donnerstag eines jeden Monats im Rasthaus „Zum tiefen Brunnen“ an der B 102 in Tiefenbrunnen. 

 Wie schnell sind sie denn allgemein so unterwegs?
  Unger : In der Gruppe fahren wir schon zügig. Allerdings wird stets Rücksicht genommen auf das individuelle Können und Wollen der einzelnen Mitfahrer. Wir kommen auch auf den längsten Touren immer gemeinsam an. Das verstehen andere Clubs mitunter gar nicht. Aber wir warten dann halt mal auf die Nachzügler.
 
 Der Reiz liegt doch aber auch in der enormen Beschleunigung eines Motorrades und dem Rausch der Geschwindigkeit?
  Unger : Mit den Jahren wird man da auch auf einer starken Maschine ruhiger. Heute fahren wir mehr mit dem Kopf als mit dem Gefühl. Immerhin läuft meine 1000er-Maschine schon locker 280 Stundenkilometer. Das kann man aber nur mal für kurze Zeit fahren, wenn die Piste wirklich mal schön frei ist. Schließlich spielen da die genannten Sicherheitsrisiken eine verschärfte Rolle. Bei dem Tempo sieht dich einfach keiner mehr.
 
 Was mögen Sie überhaupt nicht am Motorradfahren?
  Unger : Regenwetter auf der Reise. Wenn die Piste dann glatt wird und schlechte Sicht herrscht, drückt dies schon auf die Stimmung in der Gruppe.
 
 Gehören auch Motorradtreffen zu ihren Ausflugszielen?
  Unger : Allgemein nicht. Zwar hatte ich mit Jürgen Gehrhardt zusammen ja mal selbst Bikertreffen in Treuenbrietzen organisiert. Doch heute reizt uns das nicht mehr so. Zumeist sind sie heute ja auch sehr auf eine bestimmte Gruppe ausgelegt.
 
 Biker gelten bei manch einem landläufig allgemein als Rocker, die ja mitunter durch diverse kriminelle Aktivitäten in die Schlagzeilen geraten .
  Unger : Das sind aber zwei ganz verschiedene Dinge. Wir sind die „Bunten“ und die Rocker sind „Kuttenträger“. Das ist eine eigene Welt, die mit uns Freizeitfahrern gar nichts zu tun hat. Die wollen nicht mal gegrüßt werden, was sonst unter Bikern ja allgemein üblich ist. Wir fahren auf sportlichen Maschinen mit farbiger Kleidung. Die Rocker lieben Schwarz und ihre Chopper-Maschinen.
 
 Und die machen zuweilen gehörig Lärm. Wie verhält es sich denn damit bei Ihren Maschinen?
  Unger : Irgendwie muss ein Motorrad natürlich auch schon gut klingen, damit es auch so richtig Spaß macht.
 
 Wie reagieren Anlieger von beliebten Motorradstrecken darauf?
  Unger : Aus Brandenburg sind mir da keine Probleme bekannt. Woanders reagiert die Polizei bei Kontrollen auf illegale Auspuffanlagen äußerst scharf, das kann teuer werden.
 
 Es gibt also persönliche Erfahrungen?
  Unger : Nur indirekt. Ein Vereinsmitglied musste mal seine Maschine in Bayern zurücklassen. Die bekam er erst wieder, als er mit einem ordentlichen Auspuff wieder runtergefahren war. Im Schwarzwald gibt es sogar auf manchen Strecken zu bestimmten Zeiten Fahrverbote für Motorradfahrer.
 
 Weite Reisen, Spritkosten und die Maschine selbst. Motorradfahren ist schon ein teures Hobby?
  Unger : Sicher ist es das. Aber jeder hat eben so sein Hobby. Allerdings ist es schon mit den Jahren immer teurer geworden. Wenn eine gute Maschine früher für 10 000 bis 15 000 Mark zu haben war, muss man diese Summe heute locker in Euro ausgeben. Eine Tankfüllung für rund 20 Euro ist auch nach 200 Kilometern weg. Zudem muss auch regelmäßig mal ein Reifen gewechselt werden. Das sind schon einige Kosten, die da zusammenkommen. Aber was tut man nicht alles für den Spaß auf zwei Rädern.
 

Interview: Thomas Wachs
 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg