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Bis zu fünfmal höhere Friedhofsgebühren

Ärger in Wiesenburg Bis zu fünfmal höhere Friedhofsgebühren

Die Friedhofsgebühren in der Gemeinde Wiesenburg (Potsdam-Mittelmark) sollen steigen – und zwar drastisch. Bis zu fünfmal mehr müssen Angehörige jetzt für ein Begräbnis zahlen. Doch das ist noch nicht alles: Für noch mehr Aufregung sorgt, dass Sarg und Urne nicht mehr im selben Grab beigesetzt werden dürfen.

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Das gar nicht so anonyme Gräberfeld auf dem Wiesenburger Friedhof muss mit erheblichem Aufwand gepflegt werden.

Quelle: Dirk Fröhlic]

Wiesenburg. Die seit zwölf Jahren gültigen Friedhofsgebühren in der Gemeinde Wiesenburg/Mark sollen erhöht werden – und zwar drastisch. Doch nicht allein die vorgeschlagene Steigerung um durchschnittlich das Zwei- bis Fünffache sorgt jetzt dafür, dass die Ortsbeiräte der Gemeinde buchstäblich auf die Barrikaden gehen.

Wohl noch mehr Aufregung herrscht in den Dörfern, dass man in einem Reihengrab künftig nicht mehr sowohl einen Sarg als auch eine Urne beisetzen kann. Das war in Wiesenburg/Mark bisher üblich. Diese Praxis widerspricht dem Brandenburgischen Bestattungsgesetz, das die Einhaltung der Totenruhe von mindestens 20 Jahren fordert. Dieses Recht will die Gemeindeverwaltung Wiesenburg/Mark umsetzen. Das hat sie jetzt bei einer Beratung mit den 14 Ortsbeiräten angekündigt.

Ministerium hat auf Fehler hingewiesen

Die Verwaltung beruft sich auf ein Schreiben des Innenministeriums des Landes. Es hatte damit schon 2011 zahlreiche märkische Kommunen auf solche Missstände in Satzungen und Fehlinterpretationen hingewiesen und Korrekturen gefordert.

„Dann haben Sie aber die Fehler gemacht“, protestierte Jürgen Kröckel, Ortsbeirat aus Lehnsdorf. Und: „Es kann nicht zu Lasten der Bürger gehen, die in der Zwischenzeit mit der Kommune trotzdem den Vertrag eingegangen sind, im Glauben, die sogenannte Zubettung sei möglich.“ Es könne niemandem vermittelt werden, „dass Ehepartner nun getrennt voneinander beigesetzt werden sollen und dafür sogar nochmals Ausgaben für Grab und Stein fällig werden“, polterte Kröckel. Schadenersatzklagen würden die Folge sein, ist er sich gewiss. Wenigstens müssten Übergangsregelungen gefunden werden, forderte Daniela Rabinowitsch (Linke).

„Mit der fehlerhaften Satzung fortzufahren ist schlicht nicht rechtmäßig“, betonte Bürgermeister Marco Beckendorf (Linke). Die Zahl der betreffenden Fälle zu überprüfen und nötigenfalls individuelle Lösungen zu suchen, das empfahl daher Hans-Peter Konrad, Rechtsbeistand der Kommune. „Vor allem muss aber das Gesetz eingehalten werden.“

Kosten für Pflege sollen gesenkt werden

Die Gemeinde will – angesichts eine aktuellen Kostendeckungsgrades von weniger als 20 Prozent – die Ausgaben für das Friedhofswesen senken.

Ins Auge gefasst werden demnach die anonymen Grabstellen. „Sie sind Gemeinschaftsgräber, die als Rasenfläche gestaltet sind. Die Gemeinde übernimmt die Pflege. Es sind keine eigenen Anpflanzungen und Gestaltungen gestattet“, erklärte Fachamtsleiterin Anke Glistau. Der Bauhof werde jegliche Blumen, Kerzen und Engel rigoros entfernen, was natürlich ebenfalls Kosten zu Lasten der Allgemeinheit bedeute.

Weil sich die Bestattungs- und Friedhofskultur drastisch verändert hätten, hält es Marco Beckendorf für nötig, die Gebühren anzupassen. Wobei er den Ausgleich betont, den hohe Fallzahlen in großen Orten wie Wiesenburg und geringerer Gesamtaufwand in kleinen Dörfern mit sich bringen. Die Kritik an den Leistungen des Bauhofes versuchte Kämmerin Kornelia Feldmann zu zerstreuen. „Wir haben mehrfach versucht, die Leistungen an Private zu vergeben. Meist mit wenig Resonanz oder noch höheren Preisen.“

Aufwand beträgt 115 000 Euro

Geplante Steigerungen: Reihengrab (1830 statt bisher 710 Euro), Urnengrab (1330 statt 270 Euro), Familiengrab (2040 statt 990 Euro), anonyme Bestattung (1020 statt 200 Euro).

Kommunale Friedhöfe gibt es in Jeserigerhütten, Klepzig, Lehnsdorf, Medewitz, Mützdorf, Neuehütten, Reetz, Reetzerhütten, Reppinichen, Schlamau und Wiesenburg. Die Kosten für deren Unterhaltung werden mit 115 000 Euro angegeben.

Im ehrenamtlichen Engagement sieht die Verwaltung zwar eine Entlastung, aber anscheinend keine dauerhafte Lösung. „Es wird immer mehr zurückgehen, wenn trotzdem die Preise erhöht werden“, sagte Gisela Schindelhauer aus Reppinichen. Jürgen Kröckels Alternative lautet ohnehin: „Gebühren senken, dann lassen sich vielleicht ein paar Großstädter auf dem Lande beerdigen“. Doch sind nach Recherchen von Bernd Müller (SPD) gerade in Berlin die Kosten für das Begräbnis deutlich günstiger.

Von René Gaffron

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