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Potsdam-Mittelmark Blasmusikanten im Trainingslager
Lokales Potsdam-Mittelmark Blasmusikanten im Trainingslager
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20:16 04.05.2017
Schon zu DDR-Zeiten wurden in Buchholz Polka und Märsche und einiges mehr gespielt: Das Orchester 1981 beim Blasmusikfest. Quelle: Privat
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Buchholz

An das erste Mal kann sich Rainer Sommer noch genau erinnern. Das Buchholzer Jugendblasorchester stand vor dem Torhaus in der Dorfstraße, eine Bühne gab es noch nicht und die Kollegen der Ketziner Kapelle hatten ihre Mühe, den Schauplatz des Geschehens überhaupt zu finden. Ihren Bus stellten sie viel zu früh schon an der B 2 ab, um danach zu Fuß und mit Pauken und Trompeten zur Dorfstraße zu ziehen. Nicht alle kamen zur gleichen Zeit an. „Einige sind erstmal in der Dorfkneipe hängen geblieben“, erzählt Sommer, der Tuba spielt, heute Ortsvorsteher in Buchholz ist und mit 72 Jahren ältestes Mitglied des Jugendblasorchesters, das wegen seiner guten Nachwuchsarbeit den Jugend-Titel immer noch im Namen führen kann und das den Heimatort weit über die eigenen Grenzen hinaus in der Region bekannt gemacht hat.

Der Kneipen-Abstecher der Ketziner Musikanten ist jetzt genau ein halbes Jahrhundert her und geschah beim ersten Buchholzer Blasmusikfest 1967. 50 Jahre später rückt das Ketziner Gastorchester wieder an – zum 50. Buchholzer Blasmusikfest. Für einen Zwischenstopp in der Dorfgaststätte haben sie dieses Mal aber schlechte Karten. Die Kneipe hat nur noch freitags zum Stammtisch-Tag geöffnet. Das 50. Blasmusikfest aber wird am 28. Mai über die Bühne gehen – an einem Sonntag. Die Chancen stehen also gut, dass zum großen Jubiläumskonzert mit weiteren Gastkapellen (siehe Info-Kasten) alle pünktlich da sein werden.

„Wir erwarten wieder mindestens 1000 Besucher und hoffen, dass das Wetter mitspielt“, sagt Carina Wunderlich. Sie ist Sängerin, Moderatorin und Sprecherin des Orchesters und hat ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Wetter zum Blasmusikfest gesammelt. „2010 konnte ich nur mit Regenschirm auf die Bühne gehen, weil es wie aus Kannen gegossen hat.“ Der Schirm musste sein, schließlich trug sie damals das Kleid einer Majestät. Die Hennickendorferin, die in Buchholz singt, war in dem Jahr zur Beelitzer Spargelkönigin gekürt worden. Wer aber hat die 40-Jährige zur Sängerin der Musikkapelle gemacht? Die ehrliche Antwort wäre: Sie selbst!

Abgespielt hat sich alles 1996 bei einem Orchesterausflug. Carina Wunderlich war als Freundin eines Orchester-Mitglieds dabei und sagte aus Spaß in geselliger Runde: „Es ist ja alles schön, was ihr macht. Aber es fehlt euch definitiv eine Sängerin.“ Aus der Runde kam prompt die Antwort: „Dann mach du das doch.“ So bekam das Jugendblasorchester eine Sängerin, die das damalige Geschehen 21 Jahre später mit einem Schuss Humor so kommentiert: „Ich hatte einen großen Mund und trage die Konsequenzen bis heute.“

In Berührung mit den Buchholzer Musikanten kam sie freilich schon als Kind zu DDR-Zeiten in den 1980er Jahren. „Meine Eltern sind immer mit mir zum Blasmusikfest gefahren. Ganz Buchholz war zugeparkt, die Menschen kamen busseweise zum Fest“, erinnert sie sich. Jetzt steht sie mit auf der Bühne, wenn das Orchester spielt. Den „Böhmischen Traum“, eine Polka, die auch als Nationalhymne der Blasmusiker gilt, singt sie besonders gern.

In der Hauptsaison gehört das Buchholzer Orchester mit zu den am meisten gebuchten Kapellen im Land. Für die Musiker, die zwischen 14 und 72 Jahre alt sind, wartet deshalb jedes Jahr ein straffes Programm an vielen Wochenenden. Die Buchholzer Blasmusiker machen es wie die Fußball-Nationalmannschaft vor großen Turnieren – sie fahren ins Trainingslager. Einmal im Jahr zu Beginn der Sommerferien geht es nach Gülpe (Havelland). Nur der Komfort ist nicht zu vergleichen. Die Musikanten wohnen nicht im Hotel, sie zelten auf dem Sportplatz. Nebenan stehen Kühe und ein Kuhstall, und der Gülper See ist auch gleich in der Nähe. „Wir nutzen das Trainingslager meistens, um neue Lieder einzuspielen“, erzählt Carina Wunderlich. Aber auch so geht es ein bisschen wie im Trainingslager zu. Der Tagesablauf ist jedenfalls genau eingeteilt. Morgens machen die Frauen Frühstück und die Männer Frühsport. Vom Frühsport ist nur Kurt Schumann befreit, weil er die frischen Brötchen besorgt.

Es wäre freilich unfair, diese Aufgabe allein so stehen zu lassen. „Kurt Schumann kümmert sich seit vielen Jahren um die Nachwuchsausbildung. Ohne ihn wären wir kein Jugendblasorchester mehr“, sagt die Sprecherin des Orchesters. Das feiert übrigens 2018 schon wieder ein Jubiläum – es wird 60 Jahre alt.

50. Blasmusikfest am 28. Mai in Buchholz

Zum 50. Blasmusikfest am 28. Mai lassen die Buchholzer die Frühshoppen-Tradition wieder aufleben. Ab 11 Uhr spielt das Blasorchester Boßdorf.

Höhepunkt ist wie jedes Jahr das Konzert, das 13.30 Uhr beginnt. Es spielen die Nieplitztaler Musikanten, das Blasorchester Ketzin und das Blasorchester Buchholz.

Das Blasorchester Buchholz hat derzeit 33 Mitglieder, die zwischen 14 und 72 Jahren alt sind. Die Musik ist ihr Hobby. Im Orchester spielen zum Beispiel Lehrer, Werkstattleiter, Zimmermänner, Landwirte, Rentner oder Schüler.

Angefangen hat alles am 28. April 1958 mit der Gründung der Tanzcombo „La Paloma“, aus der ein stattliches Orchester wurde.

Von Jens Steglich

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