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Blütentherme wird Werder zum Verhängnis

Vor der Vertragsauflösung Blütentherme wird Werder zum Verhängnis

Seit drei Jahren warten die Werderaner vergeblich auf die Eröffnung der Blütentherme. Seit Monaten wird nicht mehr gebaut. Stattdessen streiten sich die Stadt Werder und die Kristall Bäder AG. Nun zeichnet sich sogar eine Vertragsauflösung ab.

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Stillstand auf der Baustelle der Blütentherme in Werder.

Quelle: Julian Stähle

Werder. In der Landeshauptstadt Potsdam wächst das Sport- und Freizeitbad gerade in die Höhe. Es soll Ende nächsten Jahres fertig sein. Die Blütentherme in Werders Havelauen ist zwar zur guten Hälfte fertig, doch das Anbaden steht in den Sternen. Vermutlich schwimmen und saunieren die Potsdamer zuerst, während die Werderaner noch immer im Trockenen üben. Seit Monaten befindet sich die Therme im Dornröschenschlaf, während sich die Stadt Werder und die Kristall Bäder AG als Vertragspartner um Kosten, Geld und über die Einhaltung der Baupläne streiten. Doch seit den Klagen der Beteiligten, der Gerichtsverhandlung im Sommer ruht still der See. Folgende Termine vor dem Landgericht sind geplatzt. Die Medien werden nicht informiert, Fragen nicht beantwortet, der Bürger auf der Straße hört und erfährt nichts. Die Gerüchteküche brodelt, Optimisten sehen Werder die Therme vollenden und von einem neuen, zuverlässigen Partner betreiben. Pessimisten haben es schon immer gewusst, dass die Therme Werder in den Ruin treibt. Beides scheint nicht ausgeschlossen.

Streit um Geld und Kosten

Der Erholungsort Werder wünscht sich seit Jahrzehnten ein Bad. Vor der Kristall Bäder AG wollte ein Investor aus Zypern ein Bad in Werder bauen. Als keine Aussicht auf Förderung bestand, nahm er Abstand vom Vorhaben.

Die Stadtverordneten beschlossen nach europaweiter Ausschreibung 2010 mit großer Mehrheit den Bauauftrag für die Kristall Bäder AG. Das Grundstücke hatte die Stadt bereits erworben. Die Bausumme für die Therme war auf 18 Millionen Euro festgesetzt.

Der Grundstein wurde im Herbst 2011 gelegt, im Dezember 2012 sollte das Bad mit Saunen und Sportbecken eröffnen.

Richtfest fand im August 2013 statt, Bäder AG versicherte Fertigstellung bis Jahresende und keine Mehrkosten für die Stadt.

September 2013 will die Bäder AG größer bauen, befürchtet Konkurrenz durch Badbau in Potsdam. In der Folge fordert die Gesellschaft mehr Geld von der Stadt für den Bau der Therme. Stadt gibt zusätzlich 900 000 Euro, lehnt weitere Zahlungen ab.

Bäder AG reicht im Dezember 2014 Klage gegen die Stadt Werder ein, fordert 400 000 Euro Nachzahlungen. Stadt Werder reicht Gegenklage ein, fordert Geld zurück und beklagt Mängel in der Ausstattung der Therme.

Sommer 2015 Güteverhandlung vor dem Landgericht Potsdam. Richter empfiehlt den Parteien Einigung. Folgende Gerichtstermine sind geplatzt.

Auf der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 12. November steht die Blütentherme auf der Tagesordnung. Schließlich hatte das Gremium im Dezember 2010 beschlossen, der Kristall Bäder AG den Zuschlag im europaweiten Ausschreibungsverfahren zu erteilen. Die Gesellschaft sollte im Auftrag von Werder das Bad für 18 Millionen Euro bauen, künftig betreiben und später zum Restwert von der Kommune kaufen können. Was die Stadtverordneten nach dem anhaltenden Desaster nun fünf Jahren später entscheiden sollen, kann man wieder nur erahnen. Viel spricht für die Auflösung des Vertrages mit der Bäder AG. Bleibt die Frage: Wie geht es weiter? Noch einmal wird sich die Stadt wohl kaum blamieren wollen. Sie ist als Bauherr und Eigentümer in der Verantwortung. Ob sie selbst die Therme vollendet und künftig betreibt ist eine Vision, ein Verkauf und neuer Betreiber die andere. Eine Entscheidung ist kurzfristig nicht zu erwarten. Aber Interessenten für die Zukunft der Blütentherme soll es geben – und nicht wenige. Die Therme für 18 Millionen Euro am Zernsee sollte ursprünglich im Dezember 2012 eröffnen. So hatte es der Aufsichtsratsvorsitzende der fränkischen Kristall Bäder AG, Heinz Steinhart, zur Grundsteinlegung im Herbst 2011 vollmundig versprochen. Ein Jahr später musste er eine provisorische Mini-Sauna aufstellen, als Trostpflaster, weil die Therme noch in den Kinderschuhen steckte. Die Tage des heißen Bauwagens waren gezählt. Ex-Bürgermeister Werner Große (CDU) fand das damals schon gar nicht lustig, schmorte weder in der Mini-Sauna noch wollte er sich im eiskalten Bottich erfrischen.

Die kalte Dusche kam für die Werderaner früh genug. Es folgten von Steinhart Geldforderungen an die Stadt wegen angeblich gestiegener Baukosten und mehr Luxus als geplant. Schließlich wollte der „Bäderkönig“ mit der Blütentherme nicht dem Bad in Potsdam unterliegen. Nun ist er vielleicht bald gar nicht mehr im Rennen. Man kann nur hoffen, dass sich Werder und Bäder AG ohne Zeitverzögerung, Schlammschlacht und finanzielle Katastrophe für die Stadt über die Trennung einigen können, so wie es der Richter zur Güteverhandlung im Sommer empfohlen hatte. Denn je länger die Bad-Hülle in Werders neuem Stadtteil leer steht, um so teuerer wird sie und damit Werders einstiger Traum zum unendlichen Alptraum.

Von Regine Greiner

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