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Bockwindmühle steht seit 189 Jahren

Marzahna Bockwindmühle steht seit 189 Jahren

Das Mühlenfest in Marzahna hat am Pfingstwochenende zahlreiche Besucher in das Flämingdorf gelockt. Dabei erfuhren die Gäste nicht nur interessante historische Fakten zur alten Mühle, auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Die Ausfahrt der Trecker wartete in diesem Jahr mit einer Neuerung auf.

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Schmuckstück: Die T 150 K aus dem Jahr 1979 von Frank Niendorf (links) begeisterte die Gäste des Treckertreffens beim Mühlenfest in Marzahna. Organisiert wird das Treffen von Hermann Jahn aus Marzahna (rechts im Bild).

Quelle: Johanna Uminski

Marzahna. Gespannt umringen die Besucher Horst Lange und lauschen seinen Worten. Der Hobbymüller erklärt die Funktionsweise der alten Bockwindmühle aus dem Jahr 1828. Das Besondere an dieser Getreidemühle ist, dass sich im Inneren des Holzgebäudes noch die historische Mühlentechnik verbirgt. Auf die Besucher des Mühlenfestes in Marzahna warteten aber nicht nur spannende Geschichten und Informationen rund um die alte Mühle. Treckerfreunde trafen sich auf dem Sportplatz und starteten zu einer kleinen Ausfahrt. Für die musikalische Stimmung und Abwechslung sorgten die Blasmusik der Fläming Musikanten aus Marzahna, die Tanzvorführung der Tanzgruppe „Die Holzlatschen“ und Kutschfahrten.

Begeistert von der gut erhaltenen Mühle und der Technik zeigt sich auch Grit Möbius. „Es ist schön die Mühle von innen zu besuchen – es ist sehr wohnlich hier“, schwärmt die Frau aus Zallmsdorf (Sachsen-Anhalt), die mit dem Fahrrad gekommen ist. „Sonst besucht man Mühlen nur im Urlaub.“

Franzosen zum Schärfen der Sandsteine

„Die Bremse der Mühle war die Hauptursache für Brände – und nicht die Blitzeinschläge, wie oft geglaubt wurde“, erklärt Horst Lange. Meist reichten wenige Funken aus, um einen Brand zu verursachen. Warum Mühlen in Kriegen nicht zerstört wurden, erfuhren die Gäste auch: „Sie waren Aussichtsturm und versorgten die Truppen.“ Zum Schärfen der Sandsteine in der Mühle wurden Franzosen verwendet. „Ein Franzose ist ein selbstschärfender Stein aus Rosenquarz“, erklärt der Hobbymüller, der die Fragen der Besucher geduldig beantwortet.

Auch Kutschfahrten konnten die Besucher des Mühlenfestes unternehmen

Auch Kutschfahrten konnten die Besucher des Mühlenfestes unternehmen.

Quelle: Johanna Uminski

Nach so vielen spannenden Geschichten stürzten sich die Besucher auf den einladenden Mühlenschmaus aus Soleiern und Schmalzstullen. „Das bieten wir von Anfang an – wir wollen etwas Bodenständiges“, erklärt Horst Lange, der mit Brunhilde Müller seit 2000 das Hobbymüllerpaar in Marzahna spielt.

Bereits zum fünften Mal organisierte Hermann Jahn für das Mühlenfest ein Treckertreffen. „Die weitesten kommen aus Markendorf hinter Jüterbog – wir haben aber auch welche aus Wittenberg und Zallmsdorf“, sagt der 79-jährige Ur-Marzahnaer. Insgesamt 50 Trecker unterschiedlicher Typen fanden sich auf dem Sportplatz ein, um anschließend zur Ausfahrt zu starten – zumindest diejenigen, die im Verkehr zugelassen sind. „So viele hatten wir noch nie“, schwärmt der rüstige Rentner. Dieses Mal neu ist, dass die Trecker nach ihrer Ausfahrt einzeln vorgestellt werden. „Die besonderen Trecker bekommen einen kleinen Preis“, sagt Sandra Heinze, Vorsitzende von der Spielvereinigung Marzahna.

Seit 2000 technisches Denkmal

1828 gründet Andreas Gottlieb Gensicke, junger Wind- und Mahlmüller-Meister aus Neuenhütte, die Marzahnsche Bockwindmühle.

1890 wird die Windmühle aus Unachtsamkeit bei Reparaturarbeiten durch einen Brand zerstört. 1895 kauft Friedrich Karl Gensicke die Treuenbrietzener Bockwindmühle und baut sie in Marzahna wieder auf.

Müllermeister Karl Müller erwirbt 25 Jahre später die Bockwindmühle.

1928 wird zur Unterstützung des Windantriebes ein elektrischer Antrieb eingebaut. 1960 wird der Mühlenbetrieb jedoch eingestellt, weil er sich nicht mehr rentiert.

1991 erwirbt der Verein „Mühlenvereinigung Fläming“ in Jüterbog die Mühle und beginnt mit der Restaurierung.

Im Jahr 2000 wird die Bockwindmühle als technisches Denkmal eingeweiht. Mit der Bockwindmühle konnten in etwa acht Stunden 20-30 Zentner Futterschrot oder 10 Zentner Mehl gemahlen werden.

Vor allem die Mühle und die Blasmusik der Flämingmusikanten ziehen die Besucher an – aber auch die Aufführung der Tanzgruppe „Die Holzlatschen“, weiß Sandra Heinze, die selbst seit 15 Jahren in der Gruppe tanzt, die in Holzlatschen Polkatänze aufführt. „Man muss sich schon konzentrieren, damit man die Schuhe beim Tanzen nicht verliert.“ Wichtig für die Tanzaufführung sei immer der Untergrund. „Es muss klackern“, sagt die Vorsitzende der Spielvereinigung.

Das Mühlenfest in Marzahna wird von der Spielvereinigung Marzahna, der Freiwilligen Feuerwehr Marzahna und dem Ortsvorsteher Harry Strauch organisiert. Für das leibliche Wohl sorgte die Freiwillige Feuerwehr in Marzahna mit Bratwurst und Steak. Die Seniorengruppe des Sportvereins verwöhnte die Besucher mit viele leckeren Kuchen.

Von Johanna Uminski

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