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Bombenfund in Kemnitz war illegal

Sprengung bei Werder/Havel Bombenfund in Kemnitz war illegal

Dass die Bombensprengung in Kemnitz die letzte in der Gegend war, ist unwahrscheinlich. Experten vermuten in dem Waldstück noch mehr Munition und warnen Schatzsucher vor illegalen Aktionen. Denn genau so kam es überhaupt zu dem gefährlichen Fund.

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Sprengmeister Mike Schwitzke an den Überresten der Sprengung.

Quelle: Victoria Barnack

Kemnitz. Um viertel vor elf war alles vorbei. Der Sperrkreis mit einem Radius von einem Kilometer um das Waldstück bei Kemnitz wurde aufgehoben. Auf der nur 130 Meter entfernten Autobahn wurde der Verkehr wieder freigegeben. Die Einwohner des 240-Seelenortes bei Werder durften zurück in ihre Häuser. Sprengmeister Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) des Landes Brandenburg vermeldete eine komplikationslose Sprengung der beiden Weltkriegsbomben, die in der vergangenen Woche gefunden worden waren. Um 10.25 Uhr am Donnerstagvormittag hatte er den entscheidenenden Knopf gedrückt. Die Detonation war bis in den Ortskern hinein zu hören, obwohl 16 000 Liter Wasser das Erdloch bedeckten.

Keine Routineeinsatz für den Sprengmeister in Kemnitz

Trotz des planmäßigen Ablaufs war die Sprengung der zwei 70 Kilogramm schweren Fliegerbomben, die aller Wahrscheinlichkeit nach nie abgeworfen, sondern im Wald vor dem sowjetischen Militär versteckt worden waren, für Schwitzke und seine Kollegen nicht alltäglich. „Routine gibt es in unserem Job sowieso nicht“, sagte er, „aber das hier war mal etwas anderes.“ Denn in den meisten Fällen einer kontrollierten Sprengung wird Stroh oder Sand zur Lärmreduzierung benutzt. Der sogenannte Besatz um die Bomben herum diente außerdem dazu, möglichst wenig Splitterreste in der Umgebung zu verteilen.

Durch die große Wassermenge sah der Fundort der beiden dickwandigen Bomben kurz nach der Sprengung eher wie ein Regenwald als nach einem Kriegsschauplatz aus. Nur einen größeren Splitter stellte der Kampfmittelbeseitigungsdienst sicher. „Vom Rest ist nichts mehr zu sehen“, sagte Mike Schwitzke. Der sei durch die Sprengung im Boden verschwunden. Für Schwitzke war die Mission bei Werder damit erfolgreich.

Kameraden der Feuerwehr, die Polizei und Verwaltungsmitarbeiten hatten bei den Absicherungen des Sperrkreises in Kemnitz geholfen

Kameraden der Feuerwehr, die Polizei und Verwaltungsmitarbeiten hatten bei den Absicherungen des Sperrkreises in Kemnitz geholfen.

Quelle: Julian Stähle

“Diesen Wald müssen wir im Auge behalten“

Für die Gemeinde ist der Einsatz auf dem ehemaligen Fliegerhorst damit jedoch noch nicht beendet. Das betroffene Waldstück ist beim KMBD bereits als Verdachtsfläche bekannt. „Diesen Wald müssen wir im Auge behalten“, sagte Schwitzke. Er vermutet weitere Bomben auf dem Gelände, obwohl der Einsatz am Donnerstagvormittag in dieser Größenordnung der erste seiner Art in der Umgebung war. Eine kleinere, zehn Kilogramm schwere Bombe war schon vor der Sprengung abtransportiert worden. Zuvor hatte es 16 Jahre lang keinen Fall von Fundmunition in Werder gegeben, teilte Bürgermeisterin Saß mit. In Abstimmung mit den Waldeigentümern sollen nun bald weitere Suchmaßnahmen durch den KMBD stattfinden.

Laut Schwitzke wurden in dem Bereich bereits nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Rote Armee Munition vom Fliegerhorst in den Havelauen vernichtet. Die Krater sind im Wald noch sichtbar, doch offenbar nicht immer waren die Sprengungen erfolgreich.

Die Kosten für den gesamten Einsatz hat zunächst die Stadt Werder übernommen. „Uns war es erst einmal wichtig, dass Einwohner und Gäste hier wieder sicher sind“, sagte Bürgermeisterin Manuela Saß, die sich nach der erfolgreichen Sprengung erleichtert zeigte. Nun soll geprüft werden, ob der Bund als Verantwortlicher für die Bergung und Unschädlichmachung von Reichsmunition dafür aufkommt.

Illegales Hobby führte zum Fund der Bomben

Schwitzke erklärte am Rande der Sprengung am Donnerstag auch, wie es überhaupt zu dem gefährlichen Fund gekommen war. Zwei illegale Schatzsucher seien in dem Waldstück mit Metalldetektoren unterwegs gewesen und hätten die Bomben gefunden und teilweise freigelegt. Jugendliche hatten die Ausgrabungen bemerkt und wurden neugierig. Erst als ein Mitglied der Feuerwehr eine Unterhaltung der Jungen mitbekommen und sie darauf angesprochen hatte, wurde der Fund gemeldet. Bürgermeisterin Saß appellierte deshalb insbesondere an die jüngere Generation, die Gefahr von Fundmunition nicht zu unterschätzen.

Das Schatzsuchen sei unter Schrott- und Militaria-Sammlern inzwischen zum Volkssport mutiert, erklärte Mike Schwitzke. Metalldetektoren gibt es in Deutschland schon für wenige Hundert Euro zu kaufen. Der Besitz und Einsatz sind grundsätzlich nicht illegal. Privatpersonen, die im Wald nach Überresten aus Kriegszeiten suchen und einen Fund nicht melden oder sogar mitnehmen, machen sich strafbar.

Richtiges Verhalten bei Fundmunition

Die Polizei des Landes Brandenburg hat im Internet eine Richtlinie für das korrekte Verhalten beim Fund von alter Munition veröffentlicht. Sie warnt vor einem großen Verletzungsrisiko. Schon beim Verdacht eines Fundes sei Vorsicht geboten, da alte Kampfmittel oft nur schwer erkennbar seien. Die Polizei rät deshalb dringend davon ab, den Fund zu berühren.

Eine Anzeigepflicht besteht bei Munitionsfunden grundsätzlich und ist in der Kampfmittelverordnung des Landes festgehalten. Bei der Polizei oder dem nächsten örtlichen Ordnungsamt sind das Entdecken, der Besitz sowie generell Fund- und Lagerstellen von vergrabenen, verschütteten oder überfluteten Kampfmitteln unverzüglich zu melden.

Spezielle Regelungen gelten außerdem bei Funden auf Baustellen, bei Erdarbeiten sowie in der Forst- und Landwirtschaft. Hier müssen der Fundort abgesperrt und Maschinen, die mit der Munition in Berührung waren, sofort ausgestellt werden. Personen sollten diesen Ort verlassen. Die Arbeiten sind an der Stelle einzustellen, um Erschütterungen zu vermeiden.

Von Victoria Barnack

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