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Borkheide: Umfrage in allen Haushalten geplant

Namensstreit um Hans Grade Borkheide: Umfrage in allen Haushalten geplant

Bei eine Einwohnerversammlung in Borkheide ist jetzt öffentlich weiter diskutiert worden, ob die Gemeinde den Namenszusatz „Hans Grade“ erhalten soll. Dabei klärte ein Historiker über die NSDAP-Vergangenheit des im Ort einst aktiven Flugpioniers auf. Sie galt bislang für einige Gemeindevertreter als Kriterium gegen eine Würdigung.

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Unter anderem John Peter Dostal (SPD) möchte Hans Grade im Borkheider Ortsnamen ehren.

Quelle: A. Koska

Borkheide. Das Thema bleibt heiß umstritten. Mehr als zwei Stunden lang ist in Borkheide jetzt auch bei einer Einwohnerversammlung diskutiert worden, ob Borkheide den Namenszusatz „Hans-Grade-Gemeinde“ beantragen soll. Als nächsten Schritt wird es eine schriftliche Umfrage an alle Haushalte geben. Erst danach will die Gemeindevertretung, die mit einer Zweidrittelmehrheit der Zusatzbenennung zustimmen muss, entscheiden.

Zur Versammlung im Hotel „Fliegerheim“ sind jetzt nochmals kontroverse Argument für und gegen den Namenszusatz ausgetauscht worden. Im Mittelpunkt stand dabei die Beziehung des ersten deutschen Motorfliegers und bekannten Luftfahrtpioniers Hans Grade zur Nazi-Partei NSDAP, deren Mitglied er war. Aus diesem Grund hatten einige Abgeordnete Einwände gegen eine Würdigung des bekanntesten Einwohners der Siedlung im Ortsnamen.

Streit geht weiter

Obwohl der Luftfahrtjournalist, Autor und Grade-Biograf Klaus-Dieter Seifert versuchte, die Zweifel auszuräumen, gelang es ihm nicht, alle der rund 30 Teilnehmer der Versammlung zu überzeugen. Nach seiner Einschätzung sei Grade kein aktiver Nazi gewesen.

„Ich will nicht, dass Borkheide ein zweites Halbe wird“, sagte Wolfgang Nagorsni. Der CDU-Abgeordnete und ehemaliger Berliner fürchtet um den guten Ruf seines Wohnortes. Dass der Zusatz andere Touristen oder Neubürger auf Borkheide neugierig machen könnte, glaubt er nicht. Zu den Erinnerungsstätten an Grade hat Nagorsni ein gespaltenes Verhältnis. „Einzig das Naturbad ist touristisch interessant, der Schrottplatz ist es nicht“, setzte der Kommunalpolitiker fort.

Mit der Bezeichnung Schrottplatz bezog er sich auf das Museumsareal im Ort, auf dem unter anderem mehrere Hubschrauber und Flugzeuge ausgestellt sind und wo im Inneren der Verkehrsmaschine IL-18 „Tango Echo“ an Hans Grade erinnert wird. Diese Charakterisierung blieb unwidersprochen. Auch der Vorsitzende der Hans-Grade-Gesellschaft, Burkhard Ballin, verwahrte sich nicht gegen die Unterstellung.

„Diskussion viel zu spät!“

Manfred Albrecht sprach sich „für den Namenszusatz und zusätzlich für eine Erklärungstafel zum Wirken Grades“, aus. „Er hat es verdient, die Diskussion ist falsch und auf jeden Fall viel zu spät“, sagte der alteingesessene Borkheider. Er bezog er sich auf die anderen Erinnerungsstätten im Ort. Dort gibt es ein Grade-Denkmal, einen Grade-Platz, ein Ehrengrab für den Flugpionier und die Schule trägt seit etwa zehn Jahren seinen Namen. Zudem führt ein Grade-Wanderweg an allen Wohn- und Wirkungsstätten des Flugpioniers vorbei. Eine Bürgerin, die sich ebenfalls für den Namenszusatz aussprach, warf die Frage auf, was mit dem Schulnamen im Falle einer Verwehrung sei. Für Uwe Schomburg (SPD) sind das zwei Paar Schuhe.

„Das müssen wir getrennt sehen“, sagte der Gemeindevertreter ohne weitere Begründung. Der Brücker Amtsdirektor Christian Großmann glaubt nach dem Vortrag des Historikers Seifert, dass die NSDAP-Mitgliedschaft Grades keine Bremse für einen Namenszusatz sei. „Es geht weniger um den Ruf als um die Frage, ob der Zusatz der richtige Weg wäre“, sagte Großmann zum Abschluss der zweistündigen Diskussion. Auch für Bürgermeister Andreas Kreibich (SPD) sei einiges deutlicher geworden. „Die Historie ist geklärt. Klar ist, dass sich der Verein stärker engagieren und in der Öffentlichkeit präsentieren muss“, sagte der Ortschef.

Von Andreas Koska

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