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Potsdam-Mittelmark Borkheide ist nach Mord erschüttert
Lokales Potsdam-Mittelmark Borkheide ist nach Mord erschüttert
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09:48 11.04.2017
Victoria Walter, Helga Napp und Alexandra Walter sind entsetzt über das grauenhafte Ereignis in ihrer Nachbarschaft. Quelle: Julian Stähle
Borkheide

Der gewaltsame Tod der körperbehinderten Ilona F. (58) bewegt die Menschen ihrer Nachbarschaft in Borkheide. „Der Junge war kein Kind von Traurigkeit“, sagt Nachbar Andreas Bimberg über den 17-jährigen Sohn von Ilona F., der seine Mutter getötet haben soll. „Es war ein offenes Geheimnis, dass er mit Drogen dealt, jedoch ist niemand dagegen angegangen“, ergänzt Bimberg. Er wohnt nur ein paar Grundstücke weiter und hielt hin und wieder einen Schwatz mit seiner ehemaligen Schulkameradin. Außerdem ärgerte es ihn, wie respektlos der Junge seiner Mutter gegenüber trat und wenn er sonst über die Stränge schlug. Am heutigen Montag hätte der Jugendliche vor Gericht stehen sollen, weil er gestohlen und seine Mutter bedroht haben soll.

Nun steht er unter dem Verdacht, seine Mutter auf grausame Weise getötet, zerstückelt und die Leichteile im Garten verscharrt zu haben. In der Beelitzer Straße in Borkheide sind die Anlieger erschüttert. Das Verbrechen ist das Gesprächsthema Nummer 1 vor Ort. Eine Zeugin hatte am Sonnabend die Polizei gerufen, weil sie sich Sorgen um ihre Bekannte gemacht hat. Sie hätten seit einigen Tagen keinen Kontakt mehr gehabt. Das Auto des Opfers indes stand jedoch unbewegt vor der Tür, was sonst praktisch nie der Fall war.

Andreas Bimberg kannte Ilona F. schon zu Schulzeiten. Quelle: Julian Stähle

„Dieses Schicksal hat sie nicht verdient“, sagt Stephan Rüde-Mösenthin. Der Gastwirt des Hotels „Fliegerheim“ kennt Ilona F. seit Kindheitstagen, beide sind in Borkheide aufgewachsen. Ilona F. war Agrarökonomin, später im Landratsamt in Bad Belzig im Amt zur Regelung offener Vermögensfragen angestellt. Schließlich trat sie der SPD bei und wurde zur Geschäftsführerin des SPD-Unterbezirkes Potsdam-Mittelmark bestellt. Nach vielen Jahren der Zusammenarbeit war ihr wegen eines Untreue-Vorwurfes 2013 der Job im Bad Belziger Bürgerbüro gekündigt worden. Rund 5000 Euro fehlten. Vor Gericht kam es zu einem Vergleich. Eine feste Anstellung hat sie nicht mehr gefunden.

Was die Polizei am Sonnabend auf dem Grundstück in der Beelitzer Straße entdeckte, war grauenhaft. An verschiedenen Stellen auf dem Grundstück stießen sie auf Leichenteile und Blutspritzer. Unter dem Verdacht, er habe seine Mutter getötet, wurde der 17-Jährige festgenommen, noch am Sonntag dem Amtsgericht vorgeführt und schließlich ins Gefängnis nach Wriezen gebracht, heißt es weiter. Der Tatzeitpunkt ist bisher noch nicht bekannt, wie der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Christoph Lange, am Dienstag der dpa sagte.

Vor einigen Jahren hatte Ilona F. bei einem Afrika-Urlaub Ernest aus Sierra Leone kennen und lieben gelernt. Sie heirateten. Doch das Glück war nicht von Dauer. Schon bald, nachdem er einen Aufenthaltsstatus in Deutschland erhalten hatte, setzte er sich ab. Dem Vernehmen nach lebt er heute in England oder wieder auf dem afrikanischen Kontinent. Ehefrau und Sohn ließ er zurück.

Alle Ausbildungsangebote in den Wind geschlagen

Der Junge besuchte die Krause-Tschetschog-Oberschule in Bad Belzig und hat offensichtlich alle danach angebotenen Ausbildungschancen in den Wind geschlagen. Dafür wollen einige Borkheider beobachtet haben, wie er auf die schiefe Bahn geraten ist.

Die Auseinandersetzung mit seiner Mutter im Januar brachte dem Jugendlichen eine Behandlung in der Asklepios-Fachklinik in Brandenburg an der Havel ein, das Jugendamt wurde eingeschaltet. Anlass: Er soll sie bedroht und beleidigt haben. Bekannt wurde nun auch, der sich wegen Diebstahl-Delikten vor Gericht verantworten sollte.

Als die Suchtrupps der Polizei anrückten

„Der Junge war anderen gegenüber stets freundlich. Wir kennen ihn ja schon aus der Zeit, als er noch klein war“, sagt Anwohnerin Victoria Walter. Dass er sich oft mit seiner Mutter stritt, habe auch sie gewusst. „Ich hätte aber nie gedacht, dass es soweit kommt“, sagt die Anwohnerin. Als die Suchtrupps der Polizei anrückten, habe sie jedoch geahnt, was sie finden könnten. Diese Ahnung sei zur Gewissheit geworden – wenngleich die Polizei die Identität nach dem Leichenfund als bisher noch nicht zweifelsfrei geklärt angibt.

„Das ist eine traurige Familiengeschichte“, sagt Bürgermeister Andreas Kreibich, In dem von Zuzug geprägten 1900-Einwohner-Ort kannte viele Leute Ilona F.. Gewiss wegen ihrer Kleinwüchsigkeit. Aber auch weil sie trotz der körperlichen Behinderung stets versucht hat, das Leben zu meistern. Und als allein erziehende Mutter, der das Kind mehr und mehr entglitt.

Von René Gaffron

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