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Potsdam-Mittelmark Borkheide will NSDAP-Vergangenheit prüfen
Lokales Potsdam-Mittelmark Borkheide will NSDAP-Vergangenheit prüfen
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00:29 31.10.2015
Zeitzeuge: Den Eingang zum Borkheider Wohn- und Werksgelände von Hans Grade gibt es noch heute. Quelle: Michaela Riedel
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Borkheide

Bis Mitte Januar kommenden Jahres soll in Borkheide in einer Einwohnerversammlung über die Idee eines Namenzusatzes für die Gemeinde informiert werden. Edda Haage und John Peter Dostal (beide SPD) wünschen, dass mit dem Zusatz „Hans-Grade-Gemeinde“ der erste deutsche Motorflieger gewürdigt wird und dadurch stärker in den Mittelpunkt rückt. Vor dem Beschluss kam es in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung erneut zu einer heftigen Debatte. Uwe Schomburg beantragte, den Tagesordnungspunkt zu verschieben, um vor einer Informationsveranstaltung die Biografie des Flugpioniers genauer zu betrachten. „Wir sollten für die Versammlung externen Sachverstand nutzen, denn Grade soll in der NSDAP gewesen sein und es gibt Gerüchte, dass im Werk Zwangsarbeiter beschäftigt gewesen sein sollen“, sagte der Abgeordnete der SPD-Fraktion. Der Gemeindevertreter könne sich bei einer Bestätigung dieser Fakten nicht vorstellen, den talentierten Ingenieur zu würdigen.

Schule, Museum und Platz tragen bereits Hans Grades Namen

„Die Mitgliedschaft Grades in der NSDAP scheint unstrittig, allerdings ist nach Auskunft des Bundesarchivs eine Entnazifizierung erfolgt“, teilte John Peter Dostal mit. Er und Edda Haage haben inzwischen recherchiert und keine Bedenken gegen eine Ehrung. „Wäre es tatsächlich so schlimm, dann müssten wir auch die Schule umbenennen, das Museum schließen und ebenfalls über den Platznamen nachdenken“, sagte die ob des Widerstandes entrüstete Sozialdemokratin Haage. Für Manfred Albrecht, einen alteingesessenen Einwohner, gehört Hans Grade zum Ort. „Es wäre eine tolle Ehrung“, sagte der rüstiger Rentner.

Hans Grade im Jahr 1939 am Tor zu seinem Borkheider Domizil. Quelle: Bundesarchiv

Sechs Gemeindevertreter stimmten nach langer Diskussion für die Durchführung einer Einwohnerversammlung, der eine Bürgerbefragung folgen sollte. Vier Abgeordnete – neben Schomburg auch Elke Pollack (SPD), Aline Holtmann (Bürgerbündnis) und Wolfgang Nagorsni (CDU) – votierten dagegen. Laut Einwohnerbeteiligungssatzung muss die Versammlung nun bis zum 16. Januar durchgeführt werden. Darum will sich die Brücker Amtsverwaltung kümmern. „Wir werden auch versuchen, einen Wissenschaftler dafür zu gewinnen“, so Christian Großmann. „Wenn das nicht gelingt, könnte die Ortschronistin Auskunft geben“, schlug der Amtsdirektor vor. Er machte zugleich deutlich, dass die Verwaltung keinerlei Recherche zu dem Thema übernehmen werde. Über den Namenszusatz soll dann nach Auswertung der Umfrage entschieden werden. Dafür ist eine Dreiviertelmehrheit der Stimmen notwendig. Sollte es bei den augenblicklichen Verhältnissen in der Gemeindevertretung bleiben, dürfte diese nicht erreicht werden.

Von Andreas Koska

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