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Brand in Beelitz: Harte Kritik an Einsatzleitung

Kellerbrand in Beelitz Brand in Beelitz: Harte Kritik an Einsatzleitung

Überforderte Einsatzleitung, angetrunkene Kameraden? Nach einem Kellerbrand in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) erheben Feuerwehrleute Vorwürfe. Der Brand in einem Mehrfamilienhaus beschäftigte die Einsatzkräfte mehrere Stunden. Die interne Kritik: Vor Ort soll es alles andere als koordiniert zugegangen sein.

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106 Feuerwehrleute aus vier Wehren waren in der Silvesternacht in Beelitz im Einsatz.

Quelle: Julian Stähle

Beelitz. Bei der Beelitzer Feuerwehr raucht es hinter den Kulissen: Nach dem Kellerbrand in der Silvesternacht mit mehr als 20 Evakuierten erheben mehrere Feuerwehrleute schwere Vorwürfe gegen die Einsatzleitung. Für den Brand seien viel zu viele Leute angefordert worden. Hätte es noch anderswo gebrannt, wären keine Helfer mehr zügig verfügbar gewesen, heißt es. „Wir standen da zwei Stunden nur in der Kälte herum“, sagt ein Feuerwehrmann aus Beelitz, der anonym bleiben will. „Da wurden Ressourcen und Geld verschwendet“, meint der Helfer. Er sei mehr als zehn Jahre in der freiwilligen Feuerwehr, aber so einen unkoordinierten Einsatz habe er selten erlebt.

106 Feuerwehrleute, 18 Fahrzeuge – viel zu viel für diesen Einsatz

„Das war eine Katastrophe“, bestätigt ein anderer Kamerad einer Beelitzer Ortsteilwehr. Zwei Löschzüge à 22 Mann seien für so eine Lage angemessen. In Beelitz waren 106 Feuerwehrleute mit 18 Fahrzeugen in der Straße des Aufbaus im Einsatz. Nicht nur Wehren aus dem Stadtgebiet Beelitz, sondern aus Seddiner See, Treuenbrietzen und Werder/Havel kämpften gegen das Feuer, das mutmaßlich durch Brandstiftung im Keller eines Mehrfamilienhauses ausgebrochen war. Doch die meisten seien zur Untätigkeit verdammt gewesen. „Effektiv haben nur etwa zehn Leute gearbeitet“, kritisiert ein weiterer Feuerwehrmann. Als die Alarmierung gegen 1.45 Uhr erfolgte, hatten zudem offenbar einige Kameraden schon aufs neue Jahr angestoßen. Mehrere seien angetrunken am Einsatzort erschienen.

Evakuierte wurden versorgt

Die Versorgung der 24 Evakuierten in der Silvesternacht habe gut funktioniert, sagt Klaus-Dieter Hallex, Leiter des Rettungsdienstes Potsdam-Mittelmark, der auch selbst vor Ort war.

Eine Sondereinsatzgruppe kümmerte sich um die Hausbewohner, darunter auch Kinder, die mit einem Rettungsbus ins Feuerwehrtechnische Zentrum Beelitz-Heilstätten gebracht wurden. Dort wurden Feldbetten aufgestellt . Am Vormittag konnten die meisten Bewohner das Quartier verlassen und bei Freunden unterkommen.

Der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth war vor Ort und brachte acht Bewohner vorübergehend in einer Pension unter. Auch der Spargelhof Jakobs bot Wohnungen von Saisonarbeitern als Notquartiere an. Inzwischen konnten alle in ihre Wohnungen zurück.

Der Stadtwehrführer weist die Kritik zurück

Der für den Einsatz verantwortliche Beelitzer Stadtwehrführer Mathias Jahn (38) weist die Vorwürfe vehement zurück. „Brandgebäude groß. Kellerbrand mit Menschenrettung“ habe die Alarmierung geheißen. „Da versucht man, möglichst viele Einsatzkräfte mit Atemschutzgeräten vor Ort zu bringen“, erläutert Jahn, der seit Ende 2013 im Amt ist. „Bei der Alarmierung weiß man noch gar nicht, was einen erwartet“, sagt er. Vor Ort habe zunächst tatsächlich „Chaos“ geherrscht, weil viele Leute herumgerannt seien. Nicht nur Bewohner, sondern auch Schaulustige. In der Feuerwache Beelitz sei aber noch eine Staffel in Bereitschaft gewesen, falls ein weiterer Alarm eingegangen wäre.

Kritik gibt es aber nicht nur am hohen Personaleinsatz, sondern auch an der Vorgehensweise. Die Evakuierung zumindest so vieler Menschen hätte vermieden werden können, wenn man sofort gezielt den Brand im Keller bekämpft hätte, beklagen Einsatzkräfte verschiedener Wehren. Höchstens ein Aufgang hätte in ihren Augen evakuiert werden müssen. Das Haus, ein alter Plattenbau, hat insgesamt vier Aufgänge. Das Gebäude verfüge über Brandschutzwände, so dass für die meisten Bewohner keine Gefahr bestanden hätte, wenn sie in ihren Wohnungen geblieben wären.

Tatsächlich sei in die Wohnungen kein Rauch eingedrungen, wohl aber in die Hausflure, so Stadtbrandmeister Jahn. Die Evakuierung sei gerechtfertigt gewesen. „Die Menschenrettung steht immer an allererster Stelle“, erläutert er. Kurzzeitig habe auch der Strom abgeschaltet werden müssen und man habe nicht sicher sein können, ob Leute im Haus seien, die etwa wegen einer Krankheit auf elektrische Geräte angewiesen seien.

Auch der Kreisbrandmeister kann keine Fehler erkennen

Auch Kreisbrandmeister Herbert Baier kann nach Lesen des Einsatzberichts und Gesprächen mit Zugführern keine groben Fehler erkennen. Von angetrunkenen Einsatzkräften sei nichts bekannt. „Die Evakuierung war notwendig. Diese und die Brandbekämpfung mussten von Anfang an parallel erfolgen, weil sich der Qualm im Keller schnell ausbreitete“, so Baier. Der Keller sei so geschnitten, dass der Rauch alle Aufgänge erreichen konnte. Am Ende wurden acht Menschen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in eine Klinik gebracht, sie konnten aber schnell wieder entlassen werden.

Auch die Einsatzstärke findet Baier nicht übertrieben. Man müsse die 106 Mann in Relation zur Dauer des Einsatzes sehen. Von rund 2 Uhr nachts bis 6 Uhr früh sei die Feuerwehr vor Ort gewesen. Sofort mit vielen Leuten anzurücken und nicht erst vor Ort die Lage zu sondieren, sei nicht falsch. „Eine Nachalarmierung kostet wertvolle Zeit“, erklärt er.

Auffällig: Der Silvestereinsatz ist nicht der erste, der innerhalb der 430 Mann starken Beelitzer Feuerwehr umstritten ist. Interne Kritik gibt es auch an der Einsatzführung beim Wohnhausbrand in der Clara-Zetkin-Straße im Oktober, bei dem eine 86 Jahre alte Frau ums Leben kam. Auch hier heißt es hinter vorgehaltener Hand: Zu viele hätten zu unkoordiniert gearbeitet. „Das kann ich nicht bestätigen“, sagt Kreisbrandmeister Baier. „Das war ein schwieriger Einsatz.“ Von Versäumnissen und Fehlentscheidungen sei ihm nichts bekannt.

Von Marion Kaufmann

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