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Brand in Beelitzer Asylheim: Zeugen schweigen

Berufung am Landgericht Potsdam beginnt Brand in Beelitzer Asylheim: Zeugen schweigen

Sie haben Silvester gefeiert, haben vor dem Haus in Beelitz angestoßen und Raketen gezündet. Plötzlich brennt es im Haus nebenan, in das schon bald Asylbewerber einziehen sollen. Den Brand soll einer aus der Gruppe gelegt haben – Björn K. wird verurteilt. In der Berufungsverhandlung schweigen die Zeugen nun beharrlich, denn auch sie sind inzwischen angeklagt.

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Der Angeklagte Björn K. sitzt derzeit in Haft.

Quelle: Julian Stähle

Beelitz-Heilstätten. Beginn des Berufungsverfahrens gegen Björn K., der in der Silvesternacht 2012/13 einen Brand in dem damals noch nicht bezogenen Asylbewerberheim in Beelitz-Heilstätten gelegt haben soll. Das Amtsgericht hatte den 30-Jährigen im Mai 2015 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt: wegen Sachbeschädigung, versuchter Brandstiftung und Fahrens ohne Führerschein. Sowohl die Staatsanwaltschaft – sie hatte drei Jahre und neun Monate gefordert – als auch die auf Freispruch plädierende Verteidigung haben das Urteil angefochten.

Angeklagte besucht in Haft in der JVA Wulkow eine Therapie

Im Landgericht wird Björn K. in Handschellen vorgeführt. Weil er zum Tatzeitpunkt unter drei laufenden Bewährungen stand, sitzt er bereits seit Sommer 2014 in der Justizvollzugsanstalt Wulkow (Ostprignitz-Ruppin) in Haft. Dort habe er nun eine Psychotherapie begonnen, erzählt K., der auch ein Attest vorlegt. Demnach leidet er unter einer Angststörung. Den Grund dafür sucht der schmächtige Mann, der mit 30 schon so tiefe Furchen auf der Stirn hat wie ein Großvater, in seiner Kindheit. Die Mutter habe Angst und Tränen als Schwäche angesehen. „Ich habe immer versucht, eine starke Persönlichkeit darzustellen, die ich aber nie war“, so Björn K. – Wollte der Havelländer den Beelitzer Bekannten in der Silvesternacht imponieren?

Immerhin war die Nachbarschaft im Schwarzen Weg in den letzten Wochen des Jahres 2012 in Aufruhr: Glaubt man der ehemaligen Anwohnerin Nicole J., hatte sich „eine kleine Bürgerwehr“ gegen das Vorhaben formiert, in dem Saisonarbeiterheim der Beelitzer Spargelbauern Josef und Jürgen Jakobs Asylbewerber unterzubringen. Man verfasste einen Protestbrief. Auch Björn K., der immer mal wieder zu Besuch im Schwarzen Weg war, habe bei einer Gelegenheit deutlich gemacht, „dass er die Ausländer nicht haben möchte“ – er habe auch ein Video von einer Katze vorgespielt, die den Hitlergruß zeigt.

Gegen die meisten Zeugen läuft ein Verfahren

Am Silvesterabend ist den Bewohnern im Schwarzen Weg jedoch erst einmal zum Feiern mit Rum, Bier und Böllern zumute. Die Gastgeber sind die Eheleute Katrin und Andreas H. (49 und 50 Jahre alt), dazu kommen deren Tochter (25) und ihr Freund (24), die Nachbarn Nicole J. (25) und Stephan P. (29) sowie der Angeklagte mit der damaligen Freundin Rebecca K. (27). Viele Zeugen, die viel gesehen haben und sicher auch einiges berichten könnten – vor Gericht sagen allerdings nur die Nachbarn aus. Gegen die Gastgeberfamilie wird indes wegen Vereitelung einer Straftat ermittelt. Alle vier machen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und schweigen zu den Vorkommnissen der Brandnacht.

Die Ex-Freundin will alles vergessen haben

Auch Rebecca K. war wegen Vereitelung einer Straftat angeklagt. Sie wurde bereits rechtskräftig verurteilt und muss daher aussagen. Allerdings behauptet sie, alles vergessen zu haben. Ihre spontane Amnesie begründet sie folgendermaßen: „Weil ich an dem Abend nichts hören und nichts sehen und später auch die ganze Beziehung aus meiner Erinnerung löschen wollte.“

Was bleibt, ist die Aussage von Nicole J. Sie will in der Tatnacht gesehen haben, wie der Angeklagte zum Heim hinüber ging und in ein Fenster kletterte. Wenig später habe sie ein oranges Flackern gesehen. „Keiner will die Ausländer hier haben – einer musste es ja tun“, soll Björn K. später in der Gruppe gesagt haben.

„Ich bin definitiv nicht in dieses Haus rein und habe das Ding angezündet“, sagt hingegen der Angeklagte. Der nächste Verhandlungstag ist der 8. Februar.

Das Berufungsverfahren

Gegen das Urteil des Amtsgerichts konnte sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte Rechtsmittel einlegen. Beide Parteien entschieden sich, in Berufung zu gehen.

Bei der Berufung überprüft ein übergeordnetes Gericht – hier das Landgericht – ein gerichtliches Urteil.

Im Gegensatz zur Revision, die das Ausgangsurteil nur in rechtlicher Hinsicht überprüft, überprüft die Berufung das Urteil aber auch in tatsächlicher Hinsicht – das bedeutet, dass das Berufungsgericht gegebenenfalls eine Beweisaufnahme wiederholen, also zum Beispiel Zeugen anhören, muss.

 

Von Nadine Fabian

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