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Brand in der Neschholzer Wühlmühle

Ortsfeuerwehren üben den Ernstfall Brand in der Neschholzer Wühlmühle

Oft genügt ein Funke, um eine Katastrophe auszulösen. In einer Mühle, in der Getreide und Mehlstäube ein explosives Gemisch bilden, gilt das erst Recht. Wie schwer sich ein Mühlengebäude im Brandfall beherrschen lässt, erlebten die Feuerwehrleute am Montagabend in der Neschholzer Wühlmühle.

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Auch zwischen den Mahlgängen wurde nach den vermissten Personen gesucht. Bei Rauch wäre die Sicht deutlich schlechter gewesen.

Quelle: Uwe Klemens

Neschholz. Wenn sich Feuerteufel und Mühlenkobold zusammentun, haben Müller und Feuerwehrleute schlechte Karten. Jüngstes Beispiel: Die Wühlmühle bei Neschholz, in der es am Montagabend brannte. 29 Feuerwehrleute aus sieben Bad Belziger Ortswehren waren im Einsatz, um in dem stark verqualmten Gebäude das Feuer unter Kontrolle zu bringen und im Wirrwarr der verzweigten Treppenhäuser und in den Arbeits- und Lagerräumen nach zwei vermissten Mitarbeitern zu suchen. Geleitet wurde der Einsatz von Bad Belzigs stellvertretenem Stadtwehrführer Torsten Gensicke.

Nach neun Minuten waren die Kameraden vor Ort

Kurz vor 17.30 Uhr wurden die Einsatzkräfte per Funkmeldeempfänger und Sirene alarmiert. Neun Minuten später trafen drei Neschholzer als erste am Unglücksort ein. Nach knapper Aufklärung über die Brandursache und die Zahl der Vermissten, trafen nach und nach auch weitere Wehren ein, so dass mit dem Aufbau der Löschwasserentsorgung und mit dem Anlagen der Atemschutzausrüstung begonnen werden konnte.

Spätestens beim Betreten des Gebäudes war allen klar: Dieser Einsatz ist nur eine Übung. Wegen der Hygiene hatte sich die Wehrleitung entschieden, auf den Einsatz des sonst üblichen Rauches zu verzichten, da dessen Rückstände das in der Mühle lagernde Getreide und Mahlgut unbrauchbar gemacht hätten.

Mühle mit Geschichte

Die Wühlmühle blickt auf eine Jahrhunderte zählende Geschichte zurück. Die älteste, heute bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1565 und spricht vom „Müller auffm Bosen Weill. 30 Jahre später ist bereits von der Bösewiehlmühle die Rede.

1716 taucht der Begriff Wühlmühle zum ersten Mal auf. Dem zugrunde liegt die Sage vom Bösen Wühl, einem Kobold, der in der Mühle sein Unwesen betrieb.

Statt ursprünglich vom Wasserrad, wird die Mühle heute von wassergetriebenen Turbinen in Bewegung gesetzt. Produziert wird nur noch Schrot für die Tierfutterindustrie.

Trotz dieser unrealistischen Erleichterung beim Agieren innerhalb des Gebäudes war der Trainingseffekt der Übung ein großer. „Die Verzweigtheit des Gebäudes ist erschreckend“, befand Torsten Gensicke am Ende des etwa halbstündigen Einsatzes. So lange hatte es gedauert, bis alle Räume von mehreren, jeweils aus zwei Feuerwehrleuten bestehenden Suchtrupps abgesucht und die vermissten Menschen unverletzt geborgen waren.

Auswahl beteiligter Wehren kein Zufall

„Die Schwierigkeiten, die ein tatsächlicher Brand in diesem Gebäude mit sich bringen würde, war den meisten Kameraden vorher wohl kaum bewusst“, ist sich Torsten Gensicke sicher. „Genau darum geht es, neben allem feuerwehrtechnischen Training, bei solch einer Übung auch. Unsere Kameraden müssen kennen lernen, worauf sie sich im Ernstfall einzustellen haben.“

Auch die Auswahl der an der Übung beteiligten Wehren war kein Zufall. Neben den Neschholzern waren Lütte, Fredersdorf, Bergholz, Schwanebeck, Kuhlowitz und Lüsse zur Wühlmühle gerufen worden. „Dies sind die Kameraden, die das ganze Jahr miteinander trainieren und Ausbildungen absolvieren und auch im Einsatz miteinander zu tun haben“, sagt der Leiter des Übungseinsatzes.

Bei der abschließenden Auswertung fand Stadtwehrführer Olaf Beelitz, der sich das Geschehen beobachtet hatte, viele lobende und wenige kritische Worte. „Beim Thema Schnelligkeit war zu merken, dass ihr im Übungsmodus, also weit unter dem, was ihr sonst drauf habt, geblieben seid“, sagte Beelitz. Die Umsicht, mit der im Gebäude agiert wurde, nannte er mustergültig.

Mit Sorge blickt nicht nur Mühlenbesitzer Werner Niendorf auf die Pläne, die direkt an der wassergetriebenen Mühle vorbei fließende Plane umzulegen. Auch die Wehr, die ihr Löschwasser bislang direkt aus dem Flüsschen beziehen könnte, hätte am Brandfall ein echtes Problem.

Von Uwe Klemens

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