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Potsdam-Mittelmark Brandenburgs Öko-Kommune feiert Jubiläum
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01:20 04.07.2016
In großer Runde und mit ehemaligen Bewohnern ist zum Wochenende das 25-jährige Bestehen des Bad Belziger Zegg gefeiert worden. Quelle: Georg Lohmann
Bad Belzig

Der 25. Geburtstag des Bad Belziger Zentrums für experimentelle Gesellschaftsgestaltung Zegg war vor allem ein Tag der intensiven Umarmungen. Die frühen Mitstreiter, die das Gelände 1991 für mehr als zwei Millionen Deutsche Mark von der Treuhand-Gesellschaft gekauft hatten, waren ebenso gekommen wie hunderte Gäste aus der Umgebung. Freunde, Nachbarn, Paare und Familien trafen sich am Sonnabend wieder – und wollten gar nicht mehr aufhören, einander in den Arm zu nehmen.

Entspannt verfolgen diese Gäste den Festakt zum Zegg-Jubiläum. Quelle: Saskia Kirf

Begonnen hatte alles kurz nach der Wende. Zegg-Vordenker Dieter Duhm prägte die Gemeinschaft am Bad Belziger Stadtrand mit seinen Ideen von freier Liebe und gewaltfreiem Zusammenleben. Obwohl der 68er selbst nie im Zegg wohnte, waren es seine Visionen, an denen sich die ersten Bewohner maßgeblich orientierten. Dafür mussten sie viel Kritik einstecken, aus allen Lagern. Heute ist man im Zegg längst von Duhms Ideen emanzipiert. Die rund 120 Einwohner sind mit ihrer ökologischen Lebensweise zu einem anerkannten Vorbild weit über Bad Belzig hinaus geworden.

Vizelandrat lobt Ideenreichtum

Das betont auch Festredner Christian Stein (CDU). Der Vizelandrat lobte das Zegg für seinen Ideenreichtum und die Zähigkeit, mit der neue Projekte angegangen würden. 100 Prozent des Wärmebedarfs und 85 Prozent des Strombedarfs produzieren die Menschen im Zegg selbst aus erneuerbaren Energien. Zudem stammt gut die Hälfte an Obst und Gemüse, die Bewohner und Gäste verzehren, aus dem eigenen Garten. „Wenn der ganze Landkreis ökologisch so handeln würde, wie Sie es hier tun, hätten wir deutlich weniger Probleme“, sagte Stein.

Musik und Gesang zum Zegg-Jubiläum Quelle: Sakia Kirf

Zudem sei das Zegg ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region geworden. Christian Kirchner, Geschäftsführer der Bad Belzig Kur GmbH, hob in seiner Rede die Zahl der Übernachtungen und die damit einhergehenden Einnahmen für die Stadt hervor, die das Zegg mit sich bringe. „Doch vor allem“, so Kirchner, „ist das Zegg eine Bereicherung für das Denken der Menschen in diesem dünn besiedelten Landstrich.“

Bedeutender Wirtschaftsfaktor

Das sieht auch Sebastian Wallenstein aus Bayern so. Der heute 36-Jährige besuchte als Jugendlicher verschiedene Camps im Zegg. Bis heute ist er gern zu Gast. „Ich bin ganz begeistert, was hier im Lauf der Jahre entstanden ist“, sagt Wallenstein, der in Bad Belzig mit dem Zegg eine zweite Heimat gefunden hat. Für Lara-Louisa Otte war das Ökodorf gar das erste Zuhause, sie ist im Zegg aufgewachsen. „Es war eine wunderbare Kindheit“, erinnert sich die 25-jährige Studentin lächelnd. Doch der Spagat zwischen den Welten fiel ihr nicht immer leicht. „Mein Zuhause war immer politisch, wurde immer bewertet“, erinnert sich Otte, „es war immer ein öffentlicher Ort.“

Immer ein öffentlicher Ort geblieben

Ein öffentlicher Ort ist das Zegg geblieben, doch die Diskussionen sind abgeebbt. Den 25. Geburtstag feierte man auch mit Gästen aller großen Parteien. Längst unterstützt der Landkreis Potsdam-Mittelmark die anerkannte Bildungseinrichtung finanziell. Und nicht zuletzt die vielen innigen Umarmungen zwischen den alten Freunden und den neuen Bewohnern zeugen davon, dass weitere 25 Jahre gemeinschaftlichen Lebens in Bad Belzig viele positive Impulse für die Stadt und die Region bringen können.

Interview

Georg Lohmann Quelle: Saskia Kirf

Georg Lohmann (59) ist im Bad Belziger Zegg-Bewohner der ersten Stunde.

Herr Lohmann, wie erleben Sie den 25. Geburtstag des Zegg?

Georg Lohmann: Ich empfinde vor allem eine tiefe Dankbarkeit. Dieser Geburtstag gibt mir das Gefühl, dass wir in der Welt wirklich etwas bewirken können. Ich spüre einen starken Zusammenhalt der Generationen.

Wie hat sich das Zegg seit seiner Gründung 1991 entwickelt?

Lohmann: Die Idee des Zegg stammt aus der visionären Idee eines Einzelnen. Diese Vision hatte ihre Ecken und Kanten, doch anfangs waren wir sehr stark an ihr orientiert. Heute stehen die verschiedenen Wege des menschlichen Zusammenlebens im Zentrum.

Seit 25 Jahren leben Sie im Zegg – wollen Sie weitere 25 Jahre hier bleiben?

Lohmann: Ich glaube zwar nicht, dass ich noch so lange lebe – schließlich werde ich im August schon 60. Aber ja, ich möchte den Rest meines Lebens hier verbringen.

Von Saskia Kirf

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