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Brandschutzkosten für Jugendclub explodieren

Pogo Bad Belzig Brandschutzkosten für Jugendclub explodieren

Im Brandfall hat das Jugendfreizeitzenrum Pogo in Bad Belzig mehr Mängel als gedacht: Investitionsbedarf von mehr als 190 000 Euro ist festgestellt worden. Kalkuliert war jedoch ein Fünftel der Summe, um eine Rettungstreppe zum Dachgeschoss zu installieren. Noch haben die Stadtväter keinen Plan, wie es weitergehen soll.

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Cliff Buschhart vom Pogo-Team an den Rettungswegschildern: Diese Tafeln hatten bislang gefehlt. Auch dieses war bei der Brandschau bemängelt worden.

Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. 40 000 Euro hat die Stadt Bad Belzig für die brandschutztechnische Ertüchtigung des Jugendfreizeitzentrums Pogo in ihrem noch nicht beschlossenen Etat reserviert. Das Geld soll für den Bau eines zweiten Rettungsweges aus dem Obergeschoss ausgegeben werden. Dass die Fluchtmöglichkeit fehlt, war schon vor drei Jahren bei einer Brandschau bemängelt worden.

Der Betrag reicht aber längst nicht mehr. Das hat ein Rundgang mit Vertretern des Landkreises, der Stadtverwaltung und der Stiftung SPI, die das Domizil im Auftrag der Kommune betreibt, ergeben. Laut Bauamtsleiter Christoph Grund müssten jetzt 193 000 Euro investiert werden, damit allen Normen entsprochen werden kann. „Das Pogo wird nicht hübscher, es wird nur sicherer.“ Grund räumt ein: „Das haben wir so nicht eingeschätzt.“

Wechselvolle Geschichte

Brandverhütungsschauen in öffentlichen Gebäuden finden alle drei Jahre statt. In Bad Belzig gibt es insgesamt 15 Einrichtungen, die inspiziert werden – also auch das Jugendfreizeitzentrum Pogo.

Das Gutshaus an der Berliner Straße wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Sein äußeres Erscheinungsbild hat sich bis heute kaum verändert. Eine Rettungstreppe würde dies ändern.

Genutzt wurde die Backsteinvilla ursprünglich als Wohnhaus. Nach den Zweiten Weltkrieg waren Flüchtlingsfamilien einquartiert. Später fand der Klub der Volkssolidarität darin sein Domizil.

Nach der Wende wurde die Immobilie zur Jugendfreizeiteinrichtung umgebaut. Am 1. Juni 1993 wurde das Pogo im Beisein der Ministerpräsidenten Johannes Rau und Manfred Stolpe eröffnet.

Seit 2010 ist das Jugend-, Kultur- und Medienzenttrum in Trägerschaft der Stiftung SPI Walter May.

Die Kommune steckt damit in einer doppelter Hinsicht in einer Zwickmühle. Eigentlich liebäugelten die Parlamentarier mit einem Umzug des Jugendtreffs in die frühere Geschwister-Scholl-Grundschule am Busbahnhof, wenn sie saniert ist. Das Haus in der Berliner Straße sollte dann verkauft werden. Mangels finanzieller Möglichkeiten musste dieser Plan jedoch zu Jahresbeginn in die Schublade wandern.

In der Strategiesitzung zu Monatsbeginn hatten sich Parlament und Verwaltung notgedrungen darauf verständigt, den geforderten Bau der Rettungstreppe endlich zu erledigen. Nicht ahnend, dass die Ergebnisse der Begehung mit den Brandschutzexperten einen viel größeren Handlungsbedarf offenbaren.

Die Backsteinvilla in der Berliner Straße ist das Domizil des Pogo

Die Backsteinvilla in der Berliner Straße ist das Domizil des Pogo.

Quelle: Christiane Sommer

So ist neben der Treppe unter anderem der Einbau von Brandschutztüren (17 000 Euro), eine Erneuerung der Elektrik (25 000 Euro), der Einbau von Stahlträgern (12 000 Euro) und eine damit verbundene brandschutztechnische Ertüchtigung von Kellerdecken (40 000 Euro) erforderlich. Diese Nachricht, die der Ressortchef diese Woche im Sozialausschuss verkündete, sorgte dort für Erstaunen. „Ich war selbst bei der Brandverhütungsschau dabei. Damit habe ich jedoch nicht gerechnet“, so Einrichtungsleiter Peter Lehmann.

Peter Lehmann leitet den Klub

Peter Lehmann leitet den Klub.

Quelle: Christiane Sommer

Bis Anfang März muss die Verwaltung beim Landkreis erklären, wie mit den Forderungen umgegangen wird. „Wir teilen mit, dass uns die sofortige Beseitigung aller Mängel unmöglich ist“, erklärte der Bauamtsleiter. Er verwies in dem Zusammenhang auf den bislang nicht beschlossenen Haushalt der Stadt - weshalb nicht einmal die Brandschutztreppe gebaut werden kann. Christoph Grund hofft, dass eine schrittweise Abarbeitung der Mängelliste gestattet wird. Prioritäten sollen im gemeinsamen Gespräch geklärt werden. „Kleine Auflagen, wie das Anbringen von Rettungsschildern, haben wir bereits erfüllt“, ergänzt Verwaltungsmitarbeiter Frank Friedrich.

Für Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) steht die erste große Bewährungsprobe bevor. „Wenn etwas passiert und die Auflagen nicht erfüllt sind, hat er ein Problem“, sagte Grund in der Sitzung. Leisegang hat einen eingeschränkten Betrieb des Jugendtreffs schon erwogen. Davor wird schon lange gewarnt. 2015 hatte Grund erklärt, dass ohne Rettungstreppe das Dachgeschoss gesperrt werden könnte.

Von Christiane Sommer

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