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Potsdam-Mittelmark Bredows mutiger Sprung ins Weingeschäft
Lokales Potsdam-Mittelmark Bredows mutiger Sprung ins Weingeschäft
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17:56 16.08.2016
Aus diesem Oldtimer hat Carsten Bredow seinen Wein auf dem Baumblütenfest verkauft. Quelle: Luise Fröhlich
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Werder

Alles begann mit dem Garten seiner Oma. Carsten Bredow (30) aus Werder wuchs dort auf, kannte jede Gurke und jede Kartoffel. Wenn es etwas zu tun gab, packte er mit an. Irgendwann verstarb sein Opa und seine mittlerweile 73 Jahre alte Oma konnte die Arbeit auf dem riesigen Gelände in Richtung Kemnitz nicht mehr bewältigen. Fast mussten Haus und Garten verkauft werden. Doch letztlich übernahm der Enkel den Garten, pflanzte Obstbäume und Sträucher und ist mittlerweile einer der jüngsten Weinhersteller der Blütenstadt – mit frischen Ideen für neue Weinsorten.

Bredows Leidenschaft zum Gärtnern begann zwischen den Pflanzen der Oma. Sein Interesse für die Weinherstellung rührt daher, dass er oft beim Nachbarn Ulrich Gaube ausgeholfen hat und dabei in die Geheimnisse der Obstweine eingeführt wurde. Als er vor drei Jahren den 2000 Quadratmeter großen Garten seiner Oma übernahm, gestaltete er ihn zuerst komplett um. „Mit Kartoffeln und Gurken konnte man früher Geld verdienen, heutzutage nicht mehr“, sagt Bredow. Deshalb stehen dort jetzt 20 Obstbäume und mehr als 300 Sträucher.

Seine Wunderfrucht heißt Physalis

Von Johannisbeere, Quitte, Birne und Pflaume bis hin zu Rhabarber und Stachelbeere ist alles dabei. Seine Spezialität ist allerdings eine ganz besondere Frucht. Bredow musste eine Nische für sich finden, einen speziellen Wein herstellen, den nur er im Angebot hat. Seine Wunderfrucht heißt Physalis. „Mir war vorher gar nicht klar, dass die bei uns überhaupt wächst“, gibt er zu. Vor zwei Jahren probierte er den Physalis-Wein aus und produzierte zunächst zehn Liter. Daraus wurde mehr und auf dem diesjährigen Baumblütenfest war die Mischung aus Himbeere und Physalis das Highlight unter seinen Weinen.

Die Physalis einzukaufen, würde sich nicht rechnen. Deshalb zählt Carsten Bredow in seinem Garten mittlerweile 250 Sträucher. Jeder trägt in etwa 200 bis 300 Gramm Früchte. Die Büsche muss er allerdings jedes Jahr neu pflanzen, weil sie nicht winterhart sind.

Bredow: „Gartenarbeit ist keine Last, sondern Entspannung“

Momentan ist die Hauptproduktionszeit für den Obstwein, weil die Früchte nach und nach reif werden und sofort in die Verarbeitung gehen. „Während der Erntezeit können die Tage schon mal lang werden“, erzählt Bredow. Hauptberuflich ist er als Koch in einer Großküche tätig und fängt um 8 Uhr mit der Arbeit an. Nach Feierabend geht es in den Garten. „Für mich ist die Gartenarbeit keine Last. Ich kann mich dabei sehr gut entspannen“, sagt der 30-Jährige. Die Pflege und die Ernte machen ihm Spaß. Um 22 Uhr ist der Tag erst zu Ende. Große Unterstützung bekommt er von seiner Familie und seinem Lebenspartner. Ohne diese Hilfe, sagt Bredow, hätte er es nicht so weit geschafft.Noch produziert er im Keller seines ehemaligen Elternhauses. Das soll sich bald ändern, denn der Werderaner möchte auf lange Sicht im Haus am Garten seiner Oma produzieren. Die Kellerräume werden langsam zu eng für die vielen Weinfässer und die steile Treppe erschwert das Schleppen.

Carsten Bredow und seine Mutter in einem der Verkaufsstände auf dem diesjährigen Blütenfest. Quelle: Luise Fröhlich

Etwa zehn Stunden pro Woche verbringt Bredow zwischen den Obstbäumen. „Als junger Mensch so etwas in Angriff zu nehmen, ist schon ungewöhnlich“, sagt er. Mit dem 18-jährigen Toni Geißhirt, der erfolgreich in Werder Wein keltert, befindet er sich allerdings in guter Gesellschaft. „Am Anfang hätte ich nicht gedacht, dass es überhaupt etwas wird“, erinnert sich Bredow. Nach drei Jahren sei er nun auf dem richtigen Weg. Das merkt er daran, dass sich die Menschen an ihn erinnern, ihn für seine Weine loben oder sogar jetzt, mehr als drei Monate nach dem Baumblütenfest, zu ihm auf den Hof kommen, um die edlen Tropfen zu kaufen.

Der Weg vom Strauch zum Wein

Um die 2000 Liter stellt Bredow in 20 verschiedenen Sorten her. Zwölf davon hatte er auf dem Blütenfest im Angebot und verkaufe in diesem Jahr zum ersten Mal mit einem zweiten Stand. Weil sich sein Lebenspartner sehr für Oldtimer interessiert, verwandelten sie einen alten Wagen kurzerhand in einen Verkaufsstand. „Das war ein Hingucker und kam bei den Leuten sehr gut an“, sagt der Hobby-Winzer. Auf dem Hohen Weg in Werder ist die Konkurrenz zur Baumblütenzeit groß und der Oldtimer hat für Aufmerksamkeit gesorgt. Im kommenden Jahr will Bredow auch wieder an zwei Ständen verkaufen und vor allem auch an der Prämierung des Weines teilnehmen.

„Mir ist wichtig, dass das Traditionelle am Weinherstellen nicht verloren geht“, sagt Bredow. Er will den Weg vom Strauch zum Endverbraucher zeigen und damit verbunden auch die viele Arbeit, die dahinter steckt.

Eine gläserne Produktion sei nicht so einfach zu realisieren, berichtet er. Für die Zukunft hat er erstmal einige andere Ideen und könnte sich sogar einen Hofladen vorstellen. Zunächst aber sind eine eigene Internetseite und vielleicht sogar einen Onlineshop für seine vielen Obst- und Beerenweine in Planung.

Tradition und Innovation

Der Weinbau ist nach der Fischerei das zweitälteste Gewerbe der Stadt Werder/Havel. Der traditionelle Werderaner Obstwein ist mit seiner berauschenden Wirkung für viele Gäste nicht mehr wegzudenken. Hergestellt wird er nicht nur auf Obsthöfen sondern auch von vielen privaten Obstzüchtern.

1998
erfolgte zum ersten Mal eine Verkostung und Prämierung der Obstweine. Damals wurden 36 Proben abgegeben und der beste Wein mit einer „Goldenen Kruke“ prämiert, für die Platzierten gab es Urkunden. In diesem Jahr waren es 226 Proben von 28 Erzeugern.

Von Luise Fröhlich

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