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Brück: Ehrenamtler arbeiten am Limit

Sprachkurse für Asylbewerber Brück: Ehrenamtler arbeiten am Limit

Die von Ehrenamtlern der Initiative „Brück hilft“ angebotenen Sprachkurse für Asylbewerber und Flüchtlingen sind überlaufen. Auf die 30 in der Brücker Fläming-Kaserne angebotenen Plätze kommen regelmäßig rund 70 Interessenten. Unterrichtet werden sie unter anderem von Richard Göbel. Er war als Lkw-Fahrer lange Jahre im Ausland unterwegs.

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Überfüllt: Brücker Flüchtlinge verfolgen die von Ehrenamtlern organisierten Deutsch-Kurse auch im Stehen.

Quelle: Rainer Marschel

Brück. Ein frischer Wind weht um das noch verschlossene Sozialgebäude auf dem Kasernen-Gelände der Bundeswehr bei Brück-Ausbau. In der Finsternis stehen schon zehn Minuten vor Beginn des inzwischen zweiten Sprachkurses der Initiative „Brück hilft“ zwei Dutzend Asylbewerber und Flüchtlinge. Sie warten auf Einlass. Kurze Zeit später ist die Gruppe auf mehr als 70 Personen angewachsen. Der Unterricht ist im tristen Alltag des Lagerlebens nicht nur eine willkommene Abwechslung. Vielmehr eint die zumeist jungen Männer der starke Wille, jetzt die Sprache des Landes zu lernen, auf dem seit kurzem alle Hoffnungen für ihren persönlichen Neuanfang ruhen.

Für den Sprachkurs stehen mittlerweile zwölf Lehrkräfte der Arbeitsgruppe „Deutschunterricht“ zur Verfügung. Bis auf eine ein Ausnahme sind sie alle gar keine echten Lehrer. Zumeist helfen engagierte Ehrenamtler den Zuzüglern mit ersten Schritten sprachlich auf die Sprünge. Die Mittel dafür sind bescheiden, der Enthusiasmus ist dafür bei allen um so größer. So auch bei dem Brücker Richard Göbel.

Zwölf Lehrkräfte stehen zur Verfügung

„Die Resonanz hat uns fast erschlagen. Wir haben mit maximal 30 Leuten gerechnet, jetzt sind wir mehr als 70“, sagte der Helfer. „Vorige Woche hat mein Mann an jedem Tag einen Kurs gegeben“, sagt seine Ehefrau. „Manche der Neuankömmlinge gehen bei uns zu Hause ein und aus. Längst haben wir eine Menge Freunde unter den Asylbewerbern“, erzählt Martina Göbel. „Das ist eine wirklich große Bereicherung, auch wenn wir neuerdings nicht mehr wirklich ein Privatleben haben“, so die Brückerin. Sie und ihr Mann haben kurzerhand ein paar Dutzend Kugelschreiber und mindestens 30 nagelneue Schreibblöcke spendiert, die im Kurs binnen Sekunden reißend Abnehmer finden. „So können sich die Schüler wenigstens Notizen machen“, sagt Richard Göbel.

Dem ehemaligen Berufskraftfahrer kennt das Gefühl gut, im Ausland fremd zu sein. „Wenn du 30 Jahre auf den Straßen Europas unterwegs bist, dann warst du die meiste Zeit deines Lebens Ausländer“, sagt der ehrenamtliche Sprachhelfer. „Wenn auf diese Weise gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden kann, haben wir doch eine Menge erreicht“, erklärt Göbel zu seiner Motivation. Auf seinen Fernfahrten mit dem Truck quer durch Europa hat er fließend Englisch und Französisch sprechen gelernt. Zusammen mit seiner lockeren Art macht ihn das für einen Sprachlehrer geradezu prädestiniert. Und sollte es trotzdem mal Verständigungsschwierigkeiten geben, gibt es in seinem Kurs einen Dolmetscher, der aus dem Englischen ins Arabische übersetzt.

Diverse Arbeitsgruppen

Die Arbeitsgemeinschaft „Brück hilft“ ist eine Initiative von Menschen, die in Orten des Amtes Brück leben und sich ehrenamtlich für die Flüchtlingshilfe engagieren. Sie wollen dazu beitragen, dass das Zusammenleben in Brück gut gelingt und zeigen, dass Brück kein Ort ist für Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus ist.

Innerhalb der Initiative „Brück hilft“ wurden vorläufig sechs Arbeitsgruppen gebildet:

Sie widmen sich den Schwerpunkten Beschäftigung/Arbeit, Deutschunterricht, Mobilität/Fahrradwerkstatt, Patenschaft und Spenden sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Koordiniert werden die Arbeit und der Kontakt zur AG über die Internetseite www.brueck-hilft.de

Vermittlung von Kontakten und Anfragen übernimmt auch die Amtsverwaltung Brück unter 03 38 44/6 20.

Um den großen Ansturm überhaupt bewältigen zu können, wird parallel in zwei Räumen der zum Übergangswohnheim umgenutzten Kaserne unterrichtet. 179 Menschen leben dort nun in zwei ehemaligen Soldaten-Quartieren. In beiden Unterrichtsräume reichen die Stühle nicht. So verfolgen einige Schüler den Sprachkurs im Stehen. Die Initiative ist dennoch froh, wenigstens diese Räum zu haben. In Brück selbst, wo knapp 400 weitere Asylbewerber im Gewerbegebiet leben, wären zusätzliche Kapazitäten gar nicht vorhanden.

„Das sind hier genauso Flüchtlinge, wie die aus dem Gewerbegebiet“, sagt Richard Göbel. Mit ihm kümmern sich beispielsweise auch Edda Haage aus Borkheide, Gerhard Luhmer aus Jeserig und Inge Schomburg aus Borkheide um sprachliche Hilfe für Flüchtlinge. Gemeinsam geht es auch mal in einen Supermarkt, um Begriffe und Produkte für den Einkauf ganz praktisch zu vermitteln.

„Wir werden mit den Sprachkursen regelrecht überrannt und arbeiten ehrenamtlich am Limit“, sagt Richard Göbel. Dringend werden weitere Helfer gesucht. „Das müssen keine ausgebildeten Lehrer sein. Wir lassen niemanden allein vor die Klassen. Jeder bekommt Unterstützung“, versichert der ehemalige Trucker.

In Brück keine Kapazitäten mehr vorhanden

Der Erfolg scheint den Machern recht zu geben. Einige Asylbewerber sind sprachlich so fit, dass sie längst in offizielle Kurse wechseln konnten. Dort gibt es zum Abschluss auch ein Zertifikat. Ein Mann konnte wegen seiner Sprachkenntnisse in Arbeit vermittelt werden, drei andere seien auf dem Weg zur Uni. Eine weitere Ausländerin habe ein Praktikum für einen Pflegeberuf aufgenommen, berichten die Sprachhelfer. „Ohne deutsche Sprachkenntnisse hätte sie dafür keine Chance gehabt, wir können also wa bewegen“, glaubt Richard Göbel.

Einige Iraker und Syrer hatten sich über Handyprogramme und das Internet die Anfänge der deutschen Sprache schon selbst beigebracht. Das war noch in der zentralen Aufnahmestelle in Eisenhüttenstadt. In Brück fehle dafür noch ein WLAN-Anschluss zur preiswerteren Funkverbindung mit dem Internet. Für den Aufbau dieser Technik im Kasernentrakt will sich die Initiative „Brück hilft“ jetzt einsetzen. Immerhin gebe es zahlreiche Asylbewerber, die dafür zu 100 Prozent die Kosten selbst übernehmen wollen, berichten die Sprachhelfer.

Von MAZonline

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