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Brück: Wohngemeinschaft immer für andere da

MAZ-Spendenaktion „Sterntaler“ Brück: Wohngemeinschaft immer für andere da

Im Brücker Stadtteil Gömnigk (Potsdam-Mittelmark) helfen Mitglieder einer Wohngemeinschaft anderen, obwohl sie selbst Hilfe bräuchten. Hier laufen die Fäden zur ehrenamtlichen Hilfe für Flüchtlinge in der alten Mühle zu Gömnigk zusammen. Dort hat sich eine Kommune zusammen gefunden, die gemeinsam lebt und trotz eigener finanzieller Zwänge Gutes tut.

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Die Akteure organisieren in ihrer alten Mühle zu Brück-Gömnigk das Spendendepot für Flüchtlinge.

Quelle: Andreas Koska

Brück-Gömnigk. Die Woche über herrscht an der alten Mühle in Brück-Gömnigk reges Kommen und Gehen. Die im Brücker Gewerbegebiet untergebrachten Flüchtlinge und Asylbewerber besuchen die dort angesiedelte Fahrradwerkstatt „Fairwechsel-(T)raum“.

Um ihnen ein Stückchen mehr Mobilität zu verschaffen, stehen dort von Bürgern gespendete und aufgearbeitete Fahrräder bereit. Auch können die Brücker Neubürger im „Umsonst-Laden“ stöbern. Die Mühlenbewohner haben die zentrale Verteilerstation für gespendete Kleider, Hosen, Schuhe oder auch Bettzeug bei sich eingerichtet. „Derzeit sind Winterschuhe dringend erforderlich“, erzählt Sander Fuchs. Der 27-jährige Politikwissenschaftler wohnt gemeinsam mit 15 weiteren Erwachsenen und sieben Kindern in dem historischen Anwesen. Über viel Geld verfügt hier keiner der Bewohner, sie alle sind Idealisten. Große Sprünge sind für Erwachsene wie Kinder nicht drin.

Helfen, obwohl selbst Hilfe gebraucht wird

Dennoch wird geteilt. Selbst nennt sich die Wohngemeinschaft leicht ironisch „Die Lumpis“. Darin stecke die Abkürzung für ihr Motto „Land und mehr“. Denn am Rande des Flämings wollen sich die Bewohner ihren Traum von Selbstversorgung und Landleben erfüllen. Im Augenblick stellen sie jedoch ihre eigenen Ziele in den Hintergrund. Hilfe für Flüchtlinge und Asylsuchende steht für die jungen Menschen selbstlos im Vordergrund. Neben dem Laden und der Werkstatt bieten sie von Montag bis Samstag auch Sprachkurse an.

Spendenkonto für Sterntaler

Die MAZ sammelt wieder Spenden für das Weihnachtsfest, um Wünsche für in Not geratene und von Armut bedrohte Familien in der Region Rathenow, Brandenburg an der Havel und Bad Belzig erfüllen zu können.

Bitte überweisen Sie Spenden auf das Konto, das bei der Brandenburger Bank eingerichtet worden ist mit der IBAN DE77 1606 2073 0100 0707 00. Kennwort: MAZ Sterntaler. Das Konto wird vom DRK-Kreisverband Brandenburg verwaltet.

Wer eine Spendenquittung benötigt, gibt auf der Überweisung Name und Anschrift an. Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Sachspenden entgegennehmen oder vermitteln.

Dabei bräuchten die Akteure eigentlich selbst Hilfe. Die alte Ofenheizung sei zwar inzwischen Geschichte. Seit kurzem heizt ein moderner Holzvergaser das große Gebäude. Doch sind die Fenster undicht und durch die Eingangstür zieht es gewaltig. Vor allem für die Kinder im Alter zwischen vier Wochen und fünf Jahren wäre etwas mehr Wärme im Haus besonders wichtig. „Es ist eine ewige Baustellen hier. Wir rechnen damit, dass erst in zehn Jahren alles so ist wie gewünscht“, sagt Sander Fuchs.

Fenster und Türen sind undicht

Er weiß nur zu gut, dass noch vieles an Haus und Hof verbesserungswürdig ist und einige Nebengebäude noch verputzt werden müssten. „Eine neue Eingangstür hat jedoch Vorrang, die alte ist verzogen und undicht“, berichtet Mitbewohner Thomas Neumann. Allerdings sprengen solche Investitionen das Budget der Gemeinschaft. Neben der größeren Investition in die Haustür wären für die Kinder ein paar Spielzeugschubkarren und ein Bagger für den Sandkasten Höhepunkte unter dem Weihnachtsbaum. Dann könnten auch sie schon zupacken wie ihre Eltern.

Die Gemeinschaft in der Mühle besteht derzeit aus Studenten, Handwerkern und Wissenschaftlern. Einige pendeln täglich zu Arbeit oder Studium nach Potsdam und Berlin. Andere sind durchgehend auf dem Mühlengelände. Dort haben sie im eigenen Garten unter anderem 30 Gemüsesorten angepflanzt. „Die Ernte reicht in der Saison, aber noch nicht für das ganze Jahr“, erzählt Sander Fuchs. Perspektivisch will die Kommune ihr Bio-Gemüse nicht nur selbst verwerten, sondern auch verkaufen.

Auf dem Weg zum Selbstversorger

Sorgen bereitet den Bewohnern nun das vom Land Brandenburg auf den Weg gebrachte Gewässerentwicklungskonzept. Demnach soll ihre alte Mühle nämlich vom Lauf der Plane abgekoppelt werden. Damit wäre dann die Stromversorgung gefährdet. Energie wird dort nämlich über eine Turbine mit dem Wasser der Plane erzeugt. Trotz der eigenen Sorgen und des noch nicht perfekten Umfelds wird bei den Mühlenbewohnern aber nicht gemeckert, sondern angepackt. Oft nicht nur für sich selbst. Die neueste Idee ist ein Info-Café in Brück, um für Flüchtlinge einen weiteren Anlaufpunkt zu schaffen. „Wir wissen jedoch, dass diese Arbeit auf Dauer unsere Möglichkeiten sprengt“, sagt Sander Fuchs. „Wir machen das gerne, aber sicher nicht ewig.“

Der Gömnigker sieht deutlich auch die Grenzen für das gemeinschaftlich-ehrenamtliche Engagement. Daher hoffen er und seine Mitstreiter auf den Aufbau entsprechender Strukturen, auch unterstützt durch die Brücker Amtsverwaltung.

Von Andreas Koska

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